Neues Polizei-Projekt gegen Trickbetrüger

Diebisches Theater

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Vor allem Senioren werden Opfer von Trickbetrügern. Die Polizei München hat mit der Gruppe „ReplayTheater“ deswegen ein Rollenspiel ausgearbeitet.

Lerchenau – Um der Zunahme an Trickbetrug-Überfällen im Viertel entgegenzuwirken, greift die Münchner Polizei zu einer ungewöhnlichen Methode – Hallo hat nachgehakt

„Zuerst wollte er nur meine Heizung mit einem Kollegen auf undichte Stellen überprüfen, dann war mein gesamtes Erspartes einfach weg“, erzählt Rentnerin Emmi H. (Name von der Redaktion geändert). Die vitale 84-jährige Münchnerin wohnt seit dem Tod ihres Mannes vor sechs Jahren alleine in der Lerchenau. Sie schaut nach unten, wenn sie ihre Geschichte erzählt, schämt sich. Denn wie so viele Münchner vor ihr fiel sie auf Trickbetrüger herein.

Damit das ein Ende hat, greift die Polizei München zu einer ungewöhnlichen Methode: Sie lädt Senioren ins Theater ein. Zusammen mit der Gruppe „ReplayTheater“ werden im Stück „Grüß Gott, zum Glück sind Sie da!“ die Methoden der Trickdiebe nachgespielt. „Auf die Idee sind wir gekommen, weil ein Bekannter seit Jahren in Stuttgart in diesem Rahmen Jugendliche über Probleme wie Mobbing oder Glücksspiel aufklärt“, so Yvonne Maier vom „ReplayTheater“.

Die Methode ist ganz einfach. Die ausgebildeten Theater­pädagogen spielen unterschiedliche Szenarien durch: ein unbekannter Handwerker an der Haustüre, eine reizende Dame am Telefon oder der freundliche falsche Polizist von nebenan, der wegen Sicherheitsfragen nur kurz etwas auf dem Balkon nachsehen möchte. Und im Anschluss dürfen die Senioren selber schauspielern. „Es gibt immer Freiwillige. Sie sind schnell überrascht, dass sie in einer Stresssituation, die auch die Bühne suggeriert, anders reagieren würden und den Betrügern freien Zugang gewähren“, so Maier.

Für zusätzliche Glaubwürdigkeit sorgen Beamte der Polizei München, die im Anschluss für Fragen, etwa zur Wohnungssicherung, zur Verfügung stehen. „Der Erinnerungseffekt durch das Live-Erlebnis ist im Ernstfall besonders hoch und kann Taten verhindern“, erklärt Christoph Reichenbach von der Polizei München.

Auch Emmi H. hat sich nach ihrer Anzeige ausführlich von der Polizei beraten lassen. Ihre Kinder helfen ihr finanziell etwas aus. „Ich wünsche mir, dass die Münchner aufgeklärt werden, damit ihnen mein Drama erspart bleibt.“

Julia Langhof

Aktuelle Zahlen – und wie Sie sich gegen die Maschen wehren können

  • Im vergangenen Jahr sind in München allein von falschen Polizisten insgesamt 3239 Taten begangen worden (im Jahr 2016 waren es nur 291 Fälle). Davon wurden 40 Bewohner tatsächlich ausgeraubt. Wo 2016 der Schaden noch 224 923 Euro betrug, waren es 2017 unglaubliche 4,3 Millionen Euro, da vor allem Schmuck und Geld erbeutet wurde.
  • Neben dem Bereich der falschen Polizeibeamten, Handwerker oder Amtsträger (wie Priester) kam es im Zusammenhang mit Betrugsdelikten vor allem zum „Enkeltrickbetrug“ oder zu falschen Gewinnversprechen am Telefon.
  • Das empfiehlt die Münchner Polizei bei Trickdiebstahl:
    Jedes Opfer sollte sich trauen, die Delikte anzuzeigen. „Schämen Sie sich nicht, sollten Sie Opfer solcher Betrüger werden“, so Christoph Reichenbach von der Polizei München. „Hören Sie zu, wenn Ihnen Bekannte von solchen Fällen erzählen. Helfen Sie und bestärken Sie die Geschädigten, sich helfen zu lassen und die Polizei zu verständigen. Geben Sie niemals am Telefon einem Fremden Auskunft über Ihre persönlichen Lebensumstände und legen Sie das Telefon höflich aber bestimmt auf. Geld ist auf der Bank sicherer als in der eigenen Wohnung.“
Misstrauen schützt Senioren am besten.


Vier Termine

Das Theaterstück „Grüß Gott, zum Glück sind Sie da!“ wird im Münchner Norden und in der Innenstadt gezeigt: am Donnerstag, 8. November, ab 14 Uhr im Feringsaal Unterföhring, Sankt-Florian-Straße 2, am Mittwoch, 7. November, ab 14.30 Uhr im Münchenstift an der Rümannstraße 60, am Donnerstag, 29. November und am Donnerstag, 24. Januar, je ab 14 Uhr im ASZ Lehel, Christophstraße 12. Bei Kaffee und Kuchen können Sie sich danach von der Polizei beraten lassen. Anmeldung unter 29 10 36 99.

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