Ehrenplatz für eine Fahne mit Geschichte

In den Farben der SPD war der Saal des Bürgerhauses Unterföhring geschmückt, als das 100-jährige Bestehen des SPD-Ortsverbanedes gefeiert wurde. Foto: KB

Als der damalige Ortsvorsitzende der Unterföhringer SPD, Andreas Fischbacher, anno 1933 die Fahne seines Ortsvereins im Kamin eines Oberföhringer Hauses einmauern und so vor den Nazis verstecken ließ, hatte er sicher nur gehofft, sie möge dem Verein durch die schlimme Zeit hindurch erhalten bleiben. Dass sie dereinst in einem großen Bürgerhaus in einer gläsernen Vitrine für jedermann zu bewundern und mit großen Ehren dort hingeschafft werden würde, davon dürfte er nicht einmal geträumt haben …

Die Geschichte des Ortsvereins war durchaus wechselvoll, bevor es der SPD in Unterföhring nach dem Krieg gelang, fast andauernd den Bürgermeister zu stellen und stärkste politische Kraft zu werden. Jetzt feierte der SPD-Ortsverein Unterföhring seinen 100. Geburtstag mit gut 200 Gästen aus Partei, Politprominenz und Bürgerschaft. Bürgermeister Schwarz begrüßte die Gäste und dankte ganz besonders der Parteibasis für ihre unermüdliche ehrenamtliche Arbeit. Auch die Kollegen anderer Gruppierungen und Parteien bekamen ein Dankeschön: „Gemeinsam haben wir viel erreicht.“ Die Bürger mögen Parteien mit ihrer Arbeit auch weiter unterstützen, bat Schwarz: „Reden sie nicht der Parteiverdrossenheit das Wort, sondern machen sie mit!“ Von der Landtagsfraktion kamen über Ingrid Lenz-Arktas die besten Grüße, sie brachte auch noch eine kleine rot-weiße SPD-Fahne mit, „zum Demonstrieren“, jetzt wo die alte Fahne in der Vitrine hänge. Eine regelrechte Wahlkampfrede hielt die Generalsekretärin der Bayern-SPD, Natascha Kohnen; von der Gesundheitsreform bis zu Hartz IV, nichts fehlte, auch nicht die Erinnerung an die Arbeiterwurzeln der SPD, aus denen letztlich auch der Unterföhringer Ortsverein entstanden war. Ziegeleiarbeiter als erste Mitgliederder SPD Bis zu 17 Stunden am Tag arbeiteten zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Beschäftigten auch in Unterföhring. Hier waren es überwiegend die Arbeiter der vielen Ziegeleien, die sich nach und nach in ihrem Unmut über fehlende Rechte und unwürdige Arbeitsbedingungen zusammen fanden. Schon 1905 sollen die ersten der SPD beigetreten sein, die in dem nur 700 Seelen zählenden Bauerndorf Unterföhring selbst allerdings noch nicht vertreten war. Anno 1909 dann, am 13. Juni, riefen die Arbeiter in der Gandlschen Gartenwirtschaft die Sektion Bogenhausen-Föhring-Ismaning ins Leben und 1910 waren so viele Mitglieder beisammen, dass sich eine eigene Sektion „Föhring“ abspalten konnte. Nach dem Ersten Weltkrieg gelang es den Ortsvereinsmitgliedern, sich eine eigene Vereinsfahne zusammen zu sparen, die 1927 bei einem großen Fest – wieder beim Gandl – feierlich enthüllt wurde. 1933 wurde die SPD verboten, der damalige Vorsitzende, Andreas Fischbacher, wurde wenige Wochen nach der „Machtergreifung“ im März verhaftet. Zuvor aber war beschlossen worden, die Fahne vor den Nazis in Sicherheit zu bringen, so kam sie in ihr oben erwähntes Exil nach Oberföhring. Nach dem Zweiten Weltkrieg, schon im September 1945, fanden wieder die ersten Zusammenkünfte der SPD statt, Andreas Fischbacher wurde Bürgermeister und war der erste in einer nahezu nahtlosen Folge von SPD-Bürgermeistern bis heute. Ernst-von-Vollmer-Medaille für Giesela Groth Kein Wunder also auch, dass die Bayern-SPD auf ihre Unterföhringer Sektion reichlich stolz ist und die dort hoch aktiven Mitglieder immer wieder gerne ehrt. Nach einst Ernst Eckhardt, 30 Jahre Bürgermeister in Unterföhring, erhielt nun am Wochenende Giesela Groth die höchste Auszeichnung, die die bayerische SPD zu vergeben hat, die Ernst-von-Vollmar-Medaille. Die 80-jährige Trägerin der Unterföhringer Bürgermedaille wohnt seit über 40 Jahren in Unterföhring und war dort unter anderem 30 Jahre Gemeinderätin, sechs Jahre lang Zweite Bürgermeisterin und saß elf Jahre lang für die SPD im Kreisrat. Gründe also, zu feiern, gab es mehr als genug und die Genossen taten es: Nach Reden, Ehrungen und Begrüßungen ließ man die Musi spielen, sah auf der Bühne Tänze aus den vergangenen 100 Jahren und freute sich an der (hoffentlich) sicheren Hoffnung, die historische Fahne von 1927 nie mehr wieder verstecken zu müssen. Kerstin Bühring

Auch interessant:

Kommentare