Dönermann bangt um seinen Imbiss

Milbertshofen: Münür Ünli steht mit seinem Wagen hinter der Baulinie und muss deshalb umziehen

Milbertshofen Münir Ünlü (43) bangt um seine Existenz: Der Hasenbergler betreibt seit einem halben Jahr einen Imbiss-Wagen mit Döner und Hendl vor der Dankeskirche in Milbertshofen. Doch jetzt soll der Familienvater mit seinem Wagen umziehen. Grund: „Die Stadt hat mir erklärt, dass ich die Baulinie überschritten habe“, sagt Münür Ünli. Bedeutet: Er steht auf einem Flecken Erde, auf dem er nicht stehen darf. Für den 43-Jährigen kommt das einem Weltuntergang gleich, denn: „Einen anderen Ort am Platz zu finden, ist unheimlich schwer. Wo man stehen dürfte, steht ja schon die Kirche drauf. Und gute Plätze sind sowieso immer rar.“ Die Stammkunden des Dönermanns – rund 150 an der Zahl – können nicht nachzuvollziehen, warum der Wagen weg soll. „Er stört hier doch niemanden“, sagt Marcel Goronzi, der fast täglich bei Münür Ünlü einkauft. Der 63-Jährige lobt das gute Essen und die Sauberkeit im Wagen. Und: „Auf einem Platz soll doch Leben sein. Ohne den Imbiss ist hier wieder alles kahl“, betont er. Um den Döner-Wagen zu retten, sammelt er jetzt sogar Unterschriften. Eine, die sofort unterschrieben hat, ist Emiliya Varteresyan. „Der Döner-Mann muss bleiben“, sagt sie. Auch Faith Durgun betont: „Das wäre schade, wenn Münür aufhören müsste. Er macht seine Arbeit wirklich gut. Und dann hätten wir wieder einen Arbeitslosen mehr.“ Arbeitslos – das war Münür Ünlü lange genug. Der ehemalige Kellner hat sich mit dem Imbiss jetzt wieder etwas aufgebaut, kann damit seine Familie ernähren. „Wenn ich jetzt arbeitslos werde, ist das eine Katastrophe“, sagt er. Seine Frau erwartet in Kürze das dritte Kind. Vor der Kirche nahe am Curt-Mezger-Platz wird Ünlüs Angebot gut angenommen. „Alle kaufen bei mir ein, Studenten, alte Menschen, Anwohner, Angestellte, Bauarbeiter“, betont der Hasenbergler, der den Menschen im Münchner Norden etwas bieten möchte. Weil er weiß, dass hier die Menschen oft nicht viel Geld besitzen, hält er seine Preise human. Ein Döner kostet bei ihm drei Euro, ein halbes Hendl 2,80 Euro. Verkauft wird montags bis samstags von 9.30 bis 20 Uhr. „Ich bin fleißig, versuche, alles gut zu machen“, sagt der 43-Jährige. Daher hat er sich im Vorfeld der Eröffnung seines Wagens auch ausgiebig erkundigt – bei der Anmeldung des Gewerbes gab es keinerlei Probleme, „und von einer Baulinie hat man mir nichts gesagt“. In seiner Verzweiflung hat sich Münür Ünlü jetzt auch an Antonie Thomsen, Vorsitzende des Bezirksausschusses Milbertshofen-Am Hart gewandt. Und die hat gute Nachrichten: Ihrer Auskunft nach müsste der Döner-Stand nur gedreht werden, um hinter der Baulinie zum Stehen zu kommen – dann könnte Münür Ünlü bleiben. Auch Michael Hardi vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung sagt: „Ich denke, es könnte eine Möglichkeit geben, damit der Imbiss zumindest in der Nähe bleiben kann.“ Aussagen, die Münür Ünlü und seine Kunden hoffen lassen – Marcel Goronzi geht dennoch auf Nummer sicher: Er sammelt weiter Unterschriften für den Dönermann. Tanja Bitterer

Auch interessant:

Meistgelesen

München als Austragungsort bei der Fußball-EM trotz Corona? OB Dieter Reiter kann keine Zuschauer garantieren
München als Austragungsort bei der Fußball-EM trotz Corona? OB Dieter Reiter kann keine Zuschauer garantieren
Werden die Stadtbezirke Sendling und Feldmoching-Hasenbergl in München zu Tempo-30-Zonen?
Werden die Stadtbezirke Sendling und Feldmoching-Hasenbergl in München zu Tempo-30-Zonen?
Neumann-Realschule: Vorwürfe wegen Mobbings erschweren Schulstart
Neumann-Realschule: Vorwürfe wegen Mobbings erschweren Schulstart

Kommentare