Der Diddi-Siggi aus Freimann

Münchner sammelt seit elf Jahren Schnuller aus aller Welt– 600 Stück besitzt er bereits

Freimann Wenn Siggi Rakowitz durch München radelt, dann geht er auf Schatzsuche. Unbewusst suchen seine Augen die Straßen, die Gebüsche und Plätze ab. Wenn er Glück hat, dann liegt dort etwas kleines Buntes, an dem er und Säuglinge sehr hängen. Rakowitz sammelt Schnuller. „Deswegen heiße ich ja auch Diddi-Siggi“, sagt der Freimanner und lacht, während er auf die 600 Sauger blickt, die vor ihm auf dem Tisch liegen. Vor elf Jahren fand der 75-Jährige seinen ersten Schnuller. Er lag im Gras im Luitpold-Park, von dem Besitzer keine Spur. Rakowitz hob den Diezi auf und trug ihn nach Hause: „Der war so schön bunt, das hat mir richtig gut gefallen.“ Von da an sah der Diddi-Siggi sie überall, die Schnuller, die aus unzähligen Kinderwagen gefallen waren. „Das ist wirklich unglaublich, er sieht sie überall, wo ich rein gar nichts bemerken würde“, merkt seine Frau Uschi Prehn an. Bestimmte Stellen, an denen er meistens fündig wird, hat Rakowitz nicht. „Aber einmal am Sendlinger Tor, da habe ich gleich zwei Schnuller hintereinander gefunden. Das war erstaunlich.“ Ein ganz besonderer Schnuller ist der russische. Den fand er in einem Flughafen in Russland, als er gerade wieder nach Hause fliegen wollte. Eine grüne runde Plastikscheibe und ein schwarzer Sauger aus grobem Gummi lagen direkt vor seinen Füßen. Einen anderen Schnuller fand er auf der Zugspitze, einen in Gran Canaria, einen an der Nordsee. „Was ich in den elf Jahren aber noch nie gefunden habe, waren Schnuller vom FC Bayern oder den Löwen. Ich weiß, dass es die gibt, aber vielleicht passen da die Leute besser drauf auf.“ 60 bis 90 Stück bringt Rakowitz jedes Jahr mit nach Hause. Egal, ob sie neu oder zerkaut oder gar schon überfahren sind. Er wäscht die Schnuller, pudert sie, damit sie nicht zusammenkleben, und hängt sie an die Kellertür. „Immer am 1. Februar gehe ich dann runter und zähle sie. Das schreibe ich auf eine Liste. Dann kommen die Schnuller zu den anderen in den Einkaufskorb.“ Er selbst kann sich nicht erinnern, als kleines Kind einen Ditzl besessen zu haben. Seine beiden Söhne aber hatten welche, genauso wie seine beiden Enkel. „Aber keiner von ihnen hatte eine besondere Affinität für Schnuller.“ Rakowitz jedenfalls mag die bunten Sauger einfach. „Die vielen verschiedenen Formen, die Farben, die Verzierungen. Das gefällt mir.“ Was er am Ende damit machen will, dass hat sich der Diddi-Siggi noch nicht überlegt. „Vielleicht bring ich sie mal ins Altenheim, damit kann man bestimmt schöne Zählspiele machen.“ Sicher ist er sich da aber noch nicht. Rakowitz räumt seinen Schatz vom Wohnzimmertisch ganz behutsam wieder zurück in den Einkaufskorb. „Wegwerfen tu’ ich sie aber ganz bestimmt nicht“, betont er. Katharina Bitz

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