Nach langem Kampf

Eine Brücke von Ludwigsfeld nach Karlsfeld – Ein Herzensprojekt wird Realität 

So könnte die Brücke über den Würmkanal ausehen, die Karlsfeld mit Ludwigsfeld verbindet.
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So könnte die Brücke über den Würmkanal ausehen, die Karlsfeld mit Ludwigsfeld verbindet.

Nach langem Kampf für eine Brücke über den Würmkanal zwischen Ludwigsfeld und Karlsfeld werden die Planungen konkret.

  • Der Plan für eine Brücke über den Würmkanal existiert schon lange.
  • Der Steg soll Ludwigsfeld mit Karlsfeld verbinden.
  • Wie es jetzt weitergeht...

Eigentlich sind es nur zwölf Meter, die die Siedlung Ludwigsfeld auf direktem Weg von der Gemeinde Karls­feld trennen. Diese Distanz ist aber ein gewaltiges Hindernis, die Strecke verläuft über den Würmkanal, ist für Passanten nicht überwindbar. Einzige Abhilfe: das Auto über die Dachauer Straße – zumindest bisher. 

Jetzt liegt eine erste Beschlussvorlage der Stadt für eine Fuß- und Radweg-Verbindung mitsamt Brücke über den Fluss vor. Dieses Projekt sorgt besonders beim Ludwigsfelder Igor Maga, der seit 2013 für die Brücke kämpft, für Freude: „Letztendlich hat sich unsere Forderung durchgesetzt. Darauf kann man schon stolz sein.“ 

Igor Maga kämpft seit langem für eine Verbindung zwischen Ludwigsfeld und Karlsfeld.

Die Hoffnung auf eine Realisierung hatten seine Frau Brigitte und er zwischenzeitlich schon verloren: „Wir haben uns gefragt, ob wir das noch erleben.“ 2015 gab OB Dieter Reiter ihm jedoch in einem Brief neue Hoffnung. 

Verbindung zwischen Ludwigsfeld und Karlsfeld - Brücke über den Würmkanal wird Realität

Im Bezirksausschuss wurde die Vorlage bereits besprochen. Dieser sprach sich einstimmig für die von der Stadt empfohlene Variante aus, forderte aber zudem eine Bedarfs­ampel zur Querung der Karlsfelder Straße. Die neue Verbindung soll am südlichen Ende der Kristallstraße beginnen und parallel zum Schwabenbächl bis zum Würmkanal verlaufen. Dieser soll von einer geraden Brücke gequert werden. 

Der Weg messe etwa einen Kilometer, die Brücke würde rund zwölf Meter lang werden. Zudem sollen auf Höhe der Rubinstraße und der neuen Brücke je ein Aufenthalts- und Erinnerungsort eingerichtet werden. Ferner soll das Brückengeländer künstlerisch mahnend an die NS-Geschichte der Siedlung erinnern. 

Thorsten Vogel, Sprecher des Planungsreferats, erklärt den weiteren Ablauf: „Im Herbst 2020 soll die Beschlussvorlage im Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung behandelt werden. Bei positiver Beschlussfassung durch den Stadtrat soll dann das Baureferat die Ausführungsplanung übernehmen.“

 Dabei werden auch alle Fragen zur Kostenfinanzierung inklusive der Beteiligung der Gemeinde Karlsfeld geklärt. Derzeit können dazu noch keine Angaben gemacht werden, so Vogel weiter. Laut Vorlage soll eine gerade Variante aber etwa 180 000 Euro kosten. Diese Zahl könne jedoch nach Angaben des Baureferats nur als Vergleichsbasis zu einer geschwungenen Variante betrachtet werden, heißt es weiter. 

Die Entwicklung der Siedlung ist für Maga damit aber noch nicht abgeschlossen: „Langfristig fände ich es schön, wenn Ludwigsfeld eine eigene Infrastruktur aufbauen würde.“ Dazu gehören für ihn Ärzte, Apotheken, Lebensmittelgeschäfte und eine bessere Busverbindung.

best/csch

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Mit einem Fuß über den Würmkanal?

Erstmeldung: 21.09.2015

Nur wenige hundert Meter liegt das Erholungsgebiet, in dem Igor Maga sitzt (l.), von seinem Haus entfernt. Dennoch muss er mit dem Auto dorthin fahren. Grund ist der Würmkanal, denn er ist bisher unüberwindbar. Maga und viele andere Siedler wünschen sich deshalb eine Brücke (Beispielbild unten), die die Ufer verbindet.

Es sind gerade einmal zehn, vielleicht zwölf Meter. Eine Distanz, die für Igor Maga (62, Foto) und seine Nachbarn aus der Siedlung Ludwigsfeld ein unüberwindbares Hindernis darstellt: der Würmkanal. Er trennt nicht nur München und Karlsfeld voneinander, sondern schränkt die Bewohner der Siedlung im Alltag ein: Ärzte, Apotheken, Banken, Post und Einzelhandel sind in Ludwigsfeld Mangelware. Viele Bewohner weichen deshalb auf das angrenzende Karlsfeld aus. „Das machen bestimmt 70 Prozent“, sagt Maga. Doch bisher ist das immer ein Umweg, die einzige Verbindung ist die Dachauer Straße. Dabei gäbe es eine direkte Route – wenn die Stadt eine Fuß- und Radlbrücke über den Würmkanal bauen würde. Um die kämpfen die Siedler schon seit Jahren. Bisher ohne Erfolg. Doch ein Brief des Oberbürgermeisters Dieter Reiter lässt Maga neuen Mut schöpfen.

Die Brücke ist die Kernforderung eines Gesamtkonzeptes: ein etwa ein Kilometer langer Radweg, der am Nordufer des Würmkanals an das bestehende Radnetz anknüpft. Von dort aus wäre dann alles problemlos erreichbar. Wichtig, findet der 62-Jährige: „Ludwigsfeld muss sich entwickeln! Sonst bekommen wir hier nie eine vernünftige Infrastruktur.“

Seit dem Jahr 2013 kämpft der gebürtige Ludwigsfelder um die Brücke. Zuvor gab es ähnliche Radlweg-Pläne. Damals sollte die Brücke in Verlängerung der Berthold-Litzmann-Straße gebaut werden. „Das wurde damals in drei Monaten abgewunken“, sagt Maga. Die aktuellen Pläne sehen die Brücke weiter westlich, mit einem Radweg, der entlang des Schwabenbächls führt.

Seit zwei Jahren werden Maga und seine Frau mit ihren Plänen nun schon vertröstet. „DerBezirksausschuss hat schon längst aufgegeben“, sagt er. „Und auch ich habe zwischenzeitlich gedacht, dass ich aufgebe.“ Weil ihm das Thema aber so am Herzen liegt, konnte der 62-Jährige nicht aufgegeben und schrieb einen Brief an Oberbürgermeister Dieter Reiter. Der antwortete prompt. In dem Schreiben heißt es unter anderem: „Ich halte den Bau einer Fußgänger- und Radwegverbindung über den Würmkanal aus Gründen des Gedenkens sowie aus verkehrs- und siedlungsplanerischen Gründen für prüfenswert und habe das Referat für Stadtplanung und Bauordnung daher gebeten, dem Stadtrat die in Arbeit befindliche Beschlussvorlage bis Jahresende 2015 vorzulegen.“ Ein Teilerfolg, findet Maga: „Ich habe bei Herrn Reiter ein gutes Gefühl. Er hat ja sogar eine klare Frist gesetzt!“

Auf Nachfrage beim zuständigen Referat wird deutlich, dass das Thema dort aktuell wirklich behandelt wird. „Der Bau einer Fuß- und Radwegbrücke ist keine technische Herausforderung. Die Aufgabe besteht in deren Einbettung in bestehende ökologisch sensible Bereiche.“ Das Kernproblem ist also der Naturschutz. „Und da probieren wir jetzt einen Weg zu finden“, heißt es aus dem Stadtplanungsreferat.

Maga freut sich über diesen Fortschritt. Kann aber das Argument des Naturschutzes nicht verstehen. „Der Weg und die Brücke sollen sich ja schließlich vernünftig in die Natur einfügen.“ Maren Dopp

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