Ehemaliges KZ-Außenlager

Ludwigsfeld: Lehm oder Leichen?

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LUDWIGSFELD Ehemaliges KZ-Außenlager: Trotz Zweifeln erreicht Stadtteilhistoriker Bodenuntersuchung

Holt die Geschichte den Stadtteil Ludwigsfeld nun ein? An der Granatstraße – wo derzeit noch Schrott und

Unter Autos und Schrott (oben) sollen NS-Opfer begraben liegen – da ist sich Klaus Mai sicher.

alte Autos stehen – sollen Leichen vergraben sein. Opfer des früheren KZ-Außenlagers Allach. Stadtteilhistoriker Klaus Mai ist sich da sicher. Und um seine Annahme zu belegen, hat er sich für Untersuchungen vor Ort stark gemacht. Mit Erfolg: Ende Januar sollen die Arbeiten beginnen. Doch dass dabei wirklich Leichenreste gefunden werden, glauben nicht alle.

„Nach der Auswertung von Luftbildern sind Funde mehr als wahrscheinlich“, sagt Mai. Der Stadtteilhistoriker beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Geschichte des ehemaligen Zwangsarbeiter- und Vernichtungslagers. „Ich habe schon mehr als 1200 Namen von Getöteten recherchiert“, sagt er. Das seien deutlich mehr als die Opfer, die in den 50er-Jahren dort geborgen und andernorts bestattet worden seien. Das war dem Landesamt für Denkmalpflege bisher nicht bewusst. Aufgrund von „Notbergungen“ Anfang der 50er-Jahre – wie Sprecherin Alexandra Beck sagt – sei ihre Behörde bisher davon ausgegangen, dass damals alles ordnungsgemäß untersucht und eine „pietätvolle Bestattung“ der Toten gewährleistet worden sei.

Aktuell befinden sich auf der Fläche mehrere Schrott- und Fahrzeughändler. Doch diese Nutzungen hat die Lokalbaukommission (LBK) der Stadt München jetzt verboten und eine Räumungsfrist bis Ende Februar gesetzt. „Das Gelände liegt im Außenbereich. Diese Nutzungen sind dort nicht genehmigungsfähig. Wir tun alles, um dort wieder rechtmäßige Zustände herzustellen“, sagt LBK-Sprecher Thorsten Vogel.

Im südlichen Teil des Geländes soll nach Auskunft von Josef Peter Meier-Scupin Anfang Januar mit Bodenuntersuchungen begonnen werden. Im nördlichen Teil sollen die „vollflächigen Untersuchungen“ fortgesetzt werden, sobald das Räumungsverfahren durch die LBK erledigt ist. Meier-Scupin ist Architekt und Sprecher des Grundeigentümers, der Projektgesellschaft Granatstraße 12. Er sagt: „Wir haben diese Untersuchungen forciert und übernehmen auch die Kosten. Wir wollen Gewissheit und eine bestmögliche Aufklärung der Situation.“

Während Mai sicher ist, dass sich seine Behauptung bestätigen wird, ertönen auch Gegenstimmen. „Dass

dort Leichen liegen, glaube ich nicht“, betont der Historiker Ewgenij Repnikov (62, kl. Foto links) und mit dieser Meinung sei er nicht allein. Denn die einzigen Beweise seien eine Luftaufnahme und eine Op­ferliste. Und frühere Bodengutachten hätten auch nichts Auffälliges ergeben. Warum sich Mai dennoch so sicher ist? Darüber gebe es verschiedene Mutmaßungen. „Gerüchteweise ist mir beispielsweise zu Ohren gekommen, dass damit Asylunterkünfte auf dem Areal der Granatstraße 12 verhindert werden sollten,“ sagt Repnikov. Denn niemand würde Asylanten auf historisch so belastetem Boden unterbringen. „So oder so: Es muss gegraben werden, um die Gerüchte aufzuklären.“

Auch BA-Chef Markus Auerbach (Feldmoching-Hasenbergl) ist bewusst, dass es Zweifler gibt: „Mir ist bekannt, dass es aus der Siedlung Ludwigsfeld Stimmen gibt, die mit ebenfalls guten Gründen bezweifeln, dass nach den vielen Baumaßnahmen im Umfeld der Verdachtsflächen noch Bestattungen aufzufinden seien – der Pietätsanspruch der eventuell dort noch Bestatteten, verlangt aber keine Abwägung von Zweifeln, sondern Gewissheit.“ Am 11. Dezember soll ein Fachgespräch zum Thema stattfinden. Auch Mai und Repnikov werden teilnehmen. „Ich hoffe auf weitere Erkenntnisse“, sagt Repnikov. „Vielleicht hat Herr Mai ja doch noch mehr belastbarere Beweise.“

Gewissheit wird es aber erst geben, wenn die Ergebnisse der Bodenuntersuchung vorliegen. Das weiß auch Repnikov: „So geduldig müssen wir jetzt noch sein.“ Maren Dopp/Ursula Löschau

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