Gedenkfeier zur Befreiung des KZ-Außenlagers Allach

Albträume, auch 70 Jahre danach

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Klaus Mais Familie wurde im Nationalsozialismus verfolgt.

Hasenbergl - „Grausamkeiten aus der Vergangenheit werden oft verharmlost“, sagt Klaus Mai, Stadtteilhistoriker in Feldmoching-Hasenbergl. Um das zu ändern organisiert er eine Feier zur Befreiung des KZ-Außenlagers Allach.

Dass Terror, Brutalität und Willkür derzeit hochaktuelle Themen sind, beweisen täglich Nachrichten aus Syrien oder die Machenschaften des sogenannten Islamischen Staates. Bei der Gedenkfeier am 23. April zur Befreiung des Allacher Außenlagers des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau geht es nicht nur aus diesem Grund um mehr als einen Blick zurück.

Klaus Mai ist Stadtteilhistoriker und Mitglied des Bezirksausschusses Feldmoching-Hasenbergl. Seine Familie war selbst von politischer Verfolgung betroffen. Zwei Großonkel wurden im KZ ermordet, sein Vater war dort Opfer medizinischer Versuche. Aber es ist nicht nur seine persönliche Geschichte, die ihn die Gedenkfeiern organisieren lässt. 

„Es ist immer wieder erschütternd, wie schlimm das damals ablief. Die Brutalität, mit der Menschen andere Menschen behandelten. Aus Leuten wurden Nummern. Ich empfinde es tatsächlich als Segen, heute in einem Rechtsstaat und einer Demokratie zu leben“, erzählt der pensionierte Lehrer.

Zur Gedenkfeier reisen auch zwei Zeitzeugen aus den USA an, darunter ein 92-jähriger Ex-Häftling des Konzentrationslagers. „Er hat mir erzählt, dass er bis heute immer wieder schweißgebadet aus Albträumen erwacht“, erzählt Mai. Nicht der einzige Fall, in dem die schlimme Vergangenheit bis ins Hier und Jetzt strahlt. Auch mehr als 70 Jahre nach Kriegsende suchen immer noch Familien nach vermissten Angehörigen.

Und trotzdem gibt es auch im Umfeld der Gedenkfeiern optimistisch stimmende Momente. „Die Leute stehen am Ende zusammen und diskutieren. Ich freue mich auch, dass zuletzt immer mehr jüngere Menschen dabei waren“, erzählt Mai. Das Schwerpunktthema, zu dem er in diesem Jahr seinen Vortrag hält, sind „Frauen, Kinder, Juden und Zigeuner in Dachau-Allach“. Wahrlich keine leichte Kost, mit der sich Mai in seinem Ruhestand konfrontiert. Warum er das alles macht? „Grausamkeiten aus der Vergangenheit werden oft verharmlost. Die Wirklichkeit wird immer unterschätzt“, antwortet er. mh

Die Gedenkfeier findet am Sonntag, 23. April, um 11 Uhr an der letzten noch stehenden KZ-Baracke des Außenlagers, Granatstraße 10 in Ludwigsfeld, statt. Unter dem Titel „Die Toten von Dachau-Allach (Zum Sterben nach Dachau)“ ist ein Sonderdruck dort erhältlich.

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