Neue Flüchtlingswelle

Ankunft in der Fremde

Neue Flüchtlingswelle: Landkreis München nimmt 1370 Menschen auf. Ein Ortsbesuch in Pullach, wo jetzt 48 Asylbewerber in einer Turnhalle untergekommen sind.

Rollkoffer auf Asphalt. Von Weitem ist Stimmengewirr zu hören. Die Wartenden an der Bushaltestelleblicken neugierig die Straße hinunter, um einen Blick auf die jungen Männer zu werfen, die sich – je nach Kraft und Schwere ihres Gepäcks – über die ganze Straßenlänge verteilen. Darunter auch Alagie Jammeh (re.). Der 18-jährige Malier ist einer von 48 Flüchtlingen, die jetzt in der Turnhalle der Josef-Breher-Mittelschule in Pullach untergekommen sind. Die Notunterkunft wurde letzten Freitag freigegeben, da in der kurz zuvor eröffneten Einrichtung in Aschheim bereits alle Plätze vergeben sind. „Die Anzahl verfügbarer Betten im Landkreis ist aufgrund der immer höher werdenden Zuweisungszahlen auf ein Minimum geschrumpft“, heißt es aus dem Landratsamt. 1370 Menschen wurden im Landkreis München dieses Jahr aufgenommen. Bis Jahresende werden es Prognosen nach 3800 sein. Auch der Druck auf die Stadt München wächst. Nach derzeitigem Stand müssen bis Jahresende noch gut 5000 Flüchtlinge untergebracht werden (s. unten).

Dass ihre Gemeinde eine Notunterkunft für Flüchtlinge bereitstellen müsse, habe ihr das Landratsamt bereits vergangenen September mitgeteilt, sagt Pullachs Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund. „Wir haben uns mit den Fraktionssprechern auf die Turnhalle der Mittelschule geeinigt. Im November erfolgte eine Begehung mit dem Landratsamt.“ Doch jetzt ging alles ganz schnell. „Letzte Woche haben wir Bescheid bekommen, dass die Halle benötigt wird. Mitarbeiter des Landratsamts haben sie hergerichtet.“ Teppichbahnen wurden auf dem Boden ausgerollt, Stockbetten aufgestellt, Spinde und Trennwände installiert. Die Verpflegung der Flüchtlinge übernimmt eine Catering-Firma. Die Turnhalle ist für maximal 100 Personen ausgelegt. Im Landratsamt rechnet man damit, dass sie in diesen Tagen voll belegt sein werde. Solange die Pfingstferien noch andauern, können die Flüchtlinge laut Gemeinde den Schulhof nutzen. Nach den Ferien stehe der Hof jeweils erst nach Schulschluss und am Wochenende zur Verfügung.

Sozialarbeiter des Landratsamts betreuen die Asylbewerber. Die meisten von ihnen haben eine lange Odyssee hinter sich. So wie Alagie Jammeh, der sich als Jugendlicher allein auf die lebensgefährliche Reise von Mali über Burkina Faso, Nigeria, Libyen und Italien bis nach Deutschland gemacht hatte. Und dennoch geben diese jungen Männer nicht auf, hoffen, hier in Deutschland Fuß zu fassen (s. oben). Wie lange die Pullacher Sporthalle als Notunterkunft dienen soll, ist ungewiss. „Die Situation ist auch für uns Neuland“, sagt Tausendfreund. das

Travis & Friday: Vorläufiges Ende einer Odyssee

Zwei Koffer, ein Rucksack, ein paar Tüten – die spärlichen Gepäckstücke, in denen Travis Omodion (39, re.)und Friday Osawe (38) ihre Habseligkeiten verstaut haben. Beide waren aus ihrer Heimat Nigeria vor Terror und Gewalt nach Deutschland geflohen. Zunächst fanden sie Zuflucht in einer Notunterkunft in Ingolstadt. Um Platz für neue Ankömmlinge zu machen, wurden sie nach Pullach geschickt. „Wir hätten nicht gedacht, dass es so hart werden würde“, sagt Omodion. Doch aufgeben will er nicht. „Unser großer Traum ist es, ist in Deutschland leben und arbeiten dürfen.“

12 342 Flüchtlinge bis Ende 2015

Der Flüchtlingsansturm auf München ist ungebrochen hoch: Rechnete das Staatsministerium für Arbeit und Soziales (StMAS) Ende April noch mit einem Zugang von 6800 Flüchtlingen nach München im Jahr 2015, erwartet die Regierung von Oberbayern „in einem extremen Szenario“ bis Jahresende die Unterbringung von 12 342 Personen. „Würde sich dieses Szenario erfüllen, müssten – von aktuell 7266 ausgehend – noch gut 5000 Flüchtlinge bis Ende des Jahres untergebracht werden“, sagt ein Sprecher des Sozialreferats. Um den Bedarf zu decken, sollen dieses Jahr drei weitere Container-Standorte eröffnet werden: an der Langwieder Hauptstraße (Langwied) und an der Kronstadter Straße (Berg am Laim) mit jeweils 300 Plätzen sowie auf dem Bolzplatz an der Triebstraße (Moosach) mit 350 Plätzen.

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