Der lange Weg bis zur Impfdosis

Mehr Impfzentren für München gefordert - Wie Landkreis und Stadt gegen Corona immunisieren wollen

Bürger fordern neben dem Impfzentrum in Riem mindestens einen weiteren Standort in München.
+
Bürger fordern neben dem Impfzentrum in Riem mindestens einen weiteren Standort in München.

Corona-Impfung in München: Bürger und Politiker fordern weitere Impfzenten m München. Ärger über Registrierung. Stadt richtet eine Impf-Hotline ein

  • In München wird ein zweites Impfzentrum gefordert.
  • So immunisieren Stadt und Landkreis gegen Corona.
  • Erste Corona-Impfungen in Pflegeheimen und Krankenhäuser.

Update, Freitag, 15. Januar, 16.25 Uhr:

Probleme bei Registrierung für Corona-Impfung

Eigentlich wollten sich Brigitte Aul und ihr Mann beide auf impfzentren.bayern für die Corona-Impfung registrieren. Doch das klappte nicht. Das Problem: Jede E-Mail-Adresse kann nur einmal für die Registrierung verwendet werden. „Das ist frustrierend. Mein Mann und ich haben eine gemeinsame E-Mail-Adresse“, kritisiert Aul.

Ein Sprecher des Bayerischen Gesundheitsministeriums erklärt: „Die Sicherheit der persönlichen Daten der Bürger hat einen hohen Stellenwert. Für die Erfassung von sensiblen Daten im Internet wird daher eine sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung benötigt. Das heißt, jeder Nutzer muss zwei unterschiedliche Faktoren der Erreichbarkeit zu seiner eindeutigen Identifizierung angeben.“ Einer sei die E-Mail-Adresse, die pro Person nur einmal verwendet werden könne. Der zweite sei eine Handynummer, die jedoch für mehrere Personen genutzt werden könne. 

Der Sprecher des Gesundheitsministeriums verweist darauf, dass bei Problemen auch eine Anmeldung per Telefon entweder unter der bundesweiten Nummer 116117 oder direkt beim regionalen Impfzentrum möglich sei. In München ist das die Nummer 089/90429-2222 . Allerdings sollen sich dort nur Münchner melden, die älter als 80 Jahre sind.

Beschwerdebrief an Staatsregierung

Auch Heinrich Eder, der bereits ein weiteres Impfzentrum im Münchner Westen gefordert hatte, kritisiert die Registrierung für die Corona-Impfung. Er lebe mit seiner Frau und seinem schwerbehinderten Sohn zusammen. „Wir sind drei Personen in einem Haushalt und wahrscheinlich in der gleichen Prioritätsgruppe.“ Dennoch könne er keinen gemeinsamen Impftermin vereinbaren. Weil das Impfzentrum in Riem so weit entfernt ist, würden bei drei einzelnen Terminen mehr als 1000 Euro Taxikosten entstehen.

In einen Schreiben an Bayerische Staatsregierung fordert er daher drei weitere Impfzentren 3 weitere Impfzentren verteilt über die Stadt. Außerdem: „Familien beziehungsweise Haushalte sollten gemeinsam vorgeladen werden, damit sich die Kosten und Risiken der Anfahrt reduzieren – im übrigen auch wegen der Ansteckungsgefahr in der Familie.“

Update, Donnerstag, 14. Januar, 18.05 Uhr:

München: Hotline für Corona-Impfung

Die Stadt München richtet ab Freitag, 15. Januar, ab 11 Uhr eine Impf-Hotline ein. Täglich von 8 bis 18 Uhr können sich unter unter Telefon 089/90429-2222 Münchner, die älter als 80 Jahre sind und keine Internetzugang oder keine eigene E-Mail-Adresse haben, für die Corona-Impfung registrieren.

Die Impfwilligen nennen dem Mitarbeiter an der Impf-Hotline ihre Daten wie vollständigen Namen, Geburtsdatum, Meldeadresse und Telefonnummer. Eine Mobiltelefonnummer ist günstig, da man dann auch den Impftermin per SMS erhält. Ist kein Mobiltelefon vorhanden, wird die Festnetznummer aufgenommen. Haben die Impfwilligen keine E-Mail-Adresse und keine Mobiltelefonnummer, wird die Benachrichtigung eines Impftermins schriftlich per Post übermittelt. Nach der Abfrage einiger Gesundheitsfragen ist die Registrierung abgeschlossen.

Sobald ein Impftermin für die registrierte Person verfügbar ist, wird dieser ihr per SMS oder Brief übermittelt. Da aktuell nicht genügend Impfstoff zur Verfügung steht, ist mit einer stationären Impfung der Über-80-Jährigen in der Messe München erst ab Ende Januar/Anfang Februar zu rechnen.

Die Hotline richtet sich nur an Über-80-Jährige. Alle anderen Münchner sollen sich über die Homepage impfzentren.bayern registrieren.

Update, Donnerstag, 14. Januar:

Auch der Stadtratsfraktion der CSU reicht ein einziges Impfzentrum für München nicht. Sie fordert in einem Antrag sogar drei weitere Standorte. Die Stadt soll weitere Impfzentren im Norden, Westen und Süden einrichten und zudem einen mobilen Impfbus ein setzen.

Es gebe zwar in der Messe München in Riem ein gut funktionierendes Impfzentrum, aber: „Die Lage im östlichen Teil der Stadt stellt gerade für die impfbereiten Bürger ein Problem durch den weiten Anfahrtsweg dar. Durch drei weitere, über das Stadtgebiet verteilte Impfzentren und mit dem Einsatz eines mobilen Angebots durch einen Impfbus kann die Strapaze und das erhöhte Gefährdungsrisiko, durch den teilweisen sehr langen Weg in den Münchner Osten, entfallen“, Alexander Reissl, Hans Theiss, Alexandra Gaßmann und Heike Kainz in ihrem Antrag.

München - 2900 Personen haben seit Ende Dezember in München eine erste Impfung gegen Covid-19 erhalten (Stand 7. Januar). Bisher erfolgten die Immunisierungen mithilfe mobiler Teams.

Ab Februar öffnet dann auch das Impfzentrum auf dem Messegelände in Riem. Hier können täglich bis zu 2000 Menschen geimpft werden, eine Erweiterung auf 8000 Impfungen wäre möglich. Ob eine einzige Einrichtung für die Millionen-­Stadt München aber ausreicht, sehen Bürger und Lokalpolitiker kritisch.

„Es ist für ältere Leute eine Zumutung, wenn sie beispielsweise von Pasing nach Riem fahren müssen – von der Ansteckungsgefahr in der U-Bahn ganz zu schweigen“, klagt der Pasinger Heinrich Eder (77). Insgesamt gibt es bisher in Bayern 99 Impfzentren. Dass die Landeshauptstadt nur eines davon eingerichtet hat, kritisiert Eder.

Heinrich Eder fordert neben dem Impfzentrum in Riem mindestens einen weiteren Standort in München.

Weil es noch an Impfstoff mangelt, wurde bisher in München vor allem in Pflegeeinrichtungen geimpft. Auch die Krankenhäuser hätten damit begonnen, ihr Personal auf Intensivstationen und in Notaufnahmen zu immunisieren. Zahlen hierzu sind dem Münchner Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) nicht bekannt.

An die circa 87 000 Münchner, die älter als 80 Jahre sind und daher als erstes geimpft werden sollen, hat die Stadt Anfang Januar ein Informationsschreiben versendet, in dem die Senioren um Geduld gebeten werden. Sobald ausreichend Impfstoff vorhanden sei, wird laut RGU erneut ein Schreiben mit konkreten Terminvorschlägen versendet.

Solange nur begrenzt Impfstoff zur Verfügung steht, wird bislang noch ausschließlich mit mobilen Impfteams in vollstationären Pflegeeinrichtungen (Bewohner*innen und Pflegepersonal) geimpft. Neben den Impfungen durch die städtischen Impfteams haben auch die Krankenhäuser damit begonnen, medizinisches Personal etwa auf Intensivstationen und in Notaufnahmen zu impfen. 

Impfstart in Riem?

Wann mit den Impfungen in der Messe Riem begonnen werden kann, hängt davon ab, wann ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht.

Nach jetzigem Stand ist laut Gesundheitsreferat mit einem Beginn der stationären Impfung der höchsten Prioritätsstufe (Über 80-jährige) in der Messe Riem frühestens Ende Januar / Anfang Februar zu rechnen. Ein früherer Impfstart wäre möglich, wenn mehr Impfdosen geliefert werden.

Die Stadt arbeitet aktuell außerdem an einer Strategie für pflegebedürftige Ältere, die nicht ohne Weiteres eigenständig das Impfzentrum aufsuchen können, so das RGU. Im Landkreis München ist man hier bereits weiter (siehe unten).

Weiteres Impfzentrum für Münchner Westen?

Den Viertelpolitikern in Pasing-Obermenzing reichen die geplanten Maßnahmen der Landeshauptstadt nicht aus. Sie beantragen in einem Antrag aller Fraktionen im Bezirksausschuss ein zusätzliches Impfzentrum im Münchner Westen.

Initiatorin Alexandra Myhsok (Grüne) sagt: „Für Einwohner des Münchner Westens ist die lange Anfahrt ein Problem. Vor allem Senioren über 80 Jahre, die in den kommenden Wochen geimpft werden sollen, sind oft in ihrer Mobilität eingeschränkt. Der Transport mit dem ÖPNV birgt gerade für die Zielgruppe der älteren Menschen und vulnerablen Gruppen ein hohes Gesundheits- und Ansteckungsrisiko.“

Für Einwohner des Münchner Westens ist die lange Anfahrt ein Problem. Vor allem Senioren über 80 Jahre, die in den kommenden Wochen geimpft werden sollen, sind oft in ihrer Mobilität eingeschränkt. Der Transport mit dem ÖPNV birgt gerade für die Zielgruppe der älteren Menschen und vulnerablen Gruppen ein hohes Gesundheits- und Ansteckungsrisiko.

begründet Initiatorin Alexandra Myhsok den Antrag

Myhsok kann sich beispielsweise ein zusätzliches Impfzentrum im Kulturzentrum „Backstage“ am Hirschgarten, der Pasinger Fabrik oder der Alten Messe vorstellen. Auch der Bezirksausschuss Laim setzt sich für ein weitere Impfzentrum im Münchner Westen ein: „Auf ihre Eignung hin geprüft werden könnten z.B. die Pasinger Fabrik, das Backstage, die ehemalige Paketposthalle sowie Container oder ein Wies‘nzelt auf der Theresienwiese“, heißt es in einem Antrag aller Parteien. Die Aubinger Grünen wollen ebenfalls einen entsprechenden Antrag stellen. Doch das RGU teilt mit, es sei „nach jetzigem Planungsstand“ nur ein Impfzentrum für München vorgesehen, das in Riem eingerichtet wurde.

Für Entlastung sorgen könnte auch eine Kooperation mit dem Landkreis. Der plant gerade sein viertes Impfzentrum in Planegg. Wie in den drei bestehenden Zentren im Landkreis werden dort 350 Impfungen pro Tag stattfinden.

Obwohl die Gemeinde nur wenige Kilometer von der Stadtgrenze entfernt ist, werden die Münchner nicht profitieren. Da die Impfdosen anhand der Einwohnerzahl vergeben werden, „muss sich jeder in seiner Heimatkommune impfen lassen“, so Franziska Herr, Sprecherin des Landratsamtes.

Registersystem des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege

Seit dieser Woche ist ein Portal des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege online, auf dem man sich anmelden und auf eine Warteliste setzen lassen kann.

Die Terminvergabe soll entsprechend der vom Bund festgelegten Prioritäten, also streng nach Alter und Vorerkrankungen, erfolgen. Was sich einfach anhört, scheint noch nicht ganz ausgereift zu sein.

Als die Redaktion das Registriersystem unter www.impfzentren.bayern am Dienstagnachmittag aufzurufen versuchte, erschien stattdessen zeitweise die Fehlermeldung „502 Bad Gateway“. Kein Datenaustausch möglich.

Das sieht die Impfstrategie des Landkreises München vor

Im Landkreis wurden bisher 2400 Erstimpfungen durchgeführt. Dort gibt es Einrichtungen in Haar, Oberhaching und Unterschleißheim. Ein weiteres Impfzentrum soll voraussichtlich Anfang Februar in Planegg in Betrieb gehen.

Nach Auskunft des Landratsamtes wird das Zentrum für die Gemeinden Gräfelfing, Neuried, Planegg, Baierbrunn, Pullach und Schäftlarn zuständig sein.

Bürger, wie Heinrich Eder fordern neben dem Impfzentrum in Riem mindestens einen weiteren Standort in München.

Auch für Menschen, die aufgrund ihres Gesundheitszustandes kein Impfzentrum aufsuchen können, gibt es bereits konkrete Überlegungen:

„Personen, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen können, sollen nach unserer derzeitigen Planung nach Abschluss der Impfungen in den Alten- und Pflegeeinrichtungen von den mobilen Impfteams aufgesucht werden. Dies wird aber angesichts der nur langsam aufwachsenden Impfstoffverfügbarkeit noch einige Zeit dauern“, so Franziska Herr, Sprecherin des Landratsamtes.

soph/andy

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Kurioser Einbruch in Münchner Kindergarten: Täter backt Lebensmittel auf
Kurioser Einbruch in Münchner Kindergarten: Täter backt Lebensmittel auf
Roland Kuffler ist gestorben ‒ Trauer um großen Münchner Gastronom und Wiesn-Wirt
Roland Kuffler ist gestorben ‒ Trauer um großen Münchner Gastronom und Wiesn-Wirt
Corona in Bayern: Lockerung oder Verlängerung? ‒ Landtag entscheidet heute über Lockdown-Maßnahmen
Corona in Bayern: Lockerung oder Verlängerung? ‒ Landtag entscheidet heute über Lockdown-Maßnahmen
München: Polizei sprengt illegale Party in der Maxvorstadt - 24-Jährige stürzt vier Meter in die Tiefe
München: Polizei sprengt illegale Party in der Maxvorstadt - 24-Jährige stürzt vier Meter in die Tiefe

Kommentare