Gefahr aus dem hohen Gras

Zecken-Alarm in München – was Experten raten

Erwachsenen Zecken tragen beispielsweise den FSME-Erreger fünfmal so häufig in sich wie Jungtiere, sogenannte Nymphen. 
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Erwachsenen Zecken tragen beispielsweise den FSME-Erreger fünfmal so häufig in sich wie Jungtiere, sogenannte Nymphen. 

München meldet zwölf Borreliose-Fälle allein im Juni und ein FSME-Hotspot im Südosten. Durch den milden Winter haben viele erwachsene Tiere überlebt.

  • Es gibt mehr erwachsene Zecken durch den milden Winter.
  • München meldet allein im Juni zwölf Borreliosefälle.
  • Experten geben Ratschläge für den Sommer.

München meldet einen Fall von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und 23 Borreliosefällezwölf davon allein im Juni. Kein Wunder, meint Dr. Gerhard Dobler, Arzt und „Zeckenexperte“ am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr: „Es gibt in diesem Jahr sehr hohe Zahlen von Ixodes Ricinus, dem gemeinen Holzbock, und dabei einen besonders hohen Anteil an erwachsenen Zecken.“ Durch den milden Winter haben viele Tiere überlebt. Diese tragen beispielsweise den FSME-Erreger fünfmal so häufig in sich wie Jungtiere, sogenannte Nymphen. 

Dr. Gerhard Dobler, Arzt und „Zeckenexperte“ am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr:

Noch etwas anderes begünstigt das Zeckenaufkommen – die Folgen des letztjährigen erfolgreichen Bürgerbegehrens „Rettet die Bienen“: Blühwiesen und hohes Gras. In diesem Jahr haben sie, wo der Vielschnitt der Wiesen, also das 15 bis 20-malige Kurzschneiden der öffentlichen Grasflächen zugunsten der Blühwiesen geringer ausfällt, mehr Fläche, sich zu verbreiten.

 Rudi Nützel, Geschäftsführer vom Bund Naturschutz weiß warum: „Dort gibt es jetzt auch mehr Wildwechsel. Es halten sich Igel, Marder, Füchse oder Rehe auf – da findet man auch Zecken vermehrt. Sie nutzen diese Säugetiere als Wirte.“ Genauso wie beim Mensch, wo sie sich festbeißen und so die gefährlichen Krankheiten übertragen. 

Rudi Nützel, Geschäftsführer vom Bund Naturschutz.

Während man sich gegen FSME impfen lassen kann, weist das Referat für Gesundheit und Umwelt darauf hin, dass es gegen Lyme-Borreliose kein Heilmittel gibt. 

nennt die Alarmsignale, die nach auftreten können:

„Nach der möglichst schnellen Entfernung der Zecke muss man die Stichstelle in den drauf folgenden Wochen auf Veränderungen überwachen: Bei einem roten Ring, der größer wird, Fieber und Muskelschmerzen, Kopfschmerzen ein- bis zwei Wochen nach dem Zeckenstich den Arzt aufsuchen.“ 

Nicht selten treten Borreliose-Symptome nach Monaten durch Fieberschübe, starke Muskelschmerzen, Gesichtslähmungen bis hin zur Hirnhautentzündung auf. 

Während im Westen von München viele Bürger von einer Zeckenplage in den hohen Wiesen etwa am Nymphenburger Schloss­park und außerhalb der Mauern, im Pasinger Stadtpark oder in westlichen Lohen berichten, nennt Dobler noch eine gefährliche Zeckendichte im Südosten Münchens: „Dort haben wir einen FSME-Hotspot nachweisen können. Vermutlich durch eine Streuung vom Perlacher Forst ausgehend entlang der Isarauen bis in die Stadt hinein.“ 

Daher rät der Experte: diese Stellen meiden, sich mit langer Kleidung, Strümpfen und Zeckenabwehrmitteln schützen.Nach jedem Ausflug in Gräser oder Wälder gilt: sich gut auf Zecken absuchen. 

mjh

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