Es wird noch Jahre dauern

WLAN in Münchner Alten- und Pflegeheimen: Warum Umsetzung nicht schneller geht?

Tablets sollen Münchenstift-Bewohnern helfen, Kontakte auch im Lockdown zu pflegen.
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Tablets sollen Münchenstift-Bewohnern helfen, Kontakte auch im Lockdown zu pflegen.

Schon seit drei Jahren wird an einem Digitalisierungsprojekt der Münchenstift in 13 Alten- und Pflegeheimen gearbeitet. Warum die Umsetzung so lange dauert...

München - Höchstens ein Besucher pro Tag und der nur mit Maske, Abstand und Voranmeldung: Das ist derzeit die Besuchsregelung in Alten- und Pflegeheimen wie den 13 Häusern der Münchenstift.

Zwar können Heimbewohner so mehr Zuwendung durch Angehörige und Freunde erhalten als beim totalen Besuchsverbot im Frühjahr. Viel leichter aber wäre die Kontaktpflege, hätten die Senioren in ihren Zimmern WLAN-Zugang.

Darin sind sich alle einig: Münchenstift-Geschäftsführer Siegfried Benker ebenso wie sämtliche Fraktionen im Bezirksausschuss Neuhausen-­Nymphenburg. Trotzdem wurde jüngst ein CSU-Antrag für eine schnelle Bereitstellung von Gratis-WLAN in den Senioren- und Pflegeheimen des Stadtbezirks mit großer Mehrheit abgelehnt – wegen Aussichtslosigkeit.

Münchenstift-Geschäftsführer: Siegfried Benker.

Rudi Stummvoll (SPD), Vorsitzender des Sozial­ausschusses, erklärte dazu: „Dieser Antrag kann nichts beschleunigen. Die Münchenstift arbeitet bereits seit drei Jahren mit Hochdruck daran, vor allem auch wegen der Digitalisierung der Pflegearbeit.“

Siegfried Benker bestätigt das auf Hallo-Anfrage. „Wir wollen eine WLAN-Abdeckung in allen Häusern sowohl für Mitarbeiter und Bewohner.“ Deshalb sei vor drei Jahren ein Digitalisierungsprogramm gestartet worden, dessen Umsetzung jedoch sehr zeit- und kostenintensiv sei.

Es habe allein mehr als ein Jahr gedauert, Glasfaserkabel bis an die Heime zu verlegen. Das sei nun geschafft. „Jetzt beginnen der Ausbau und die Verkabelung in den einzelnen Häusern“, so Benker. Das St.-Martin-Haus in Giesing soll im April so weit sein.

Corona verzögert die Arbeiten zusätzlich

Bis alle Häuser entsprechend ausgestattet sind, rechnet Benker aber mit weiteren zwei bis drei Jahren. Denn: „Das kostet pro Haus zwischen 150 000 und 400 000 Euro und kann jeweils bis zu einem Jahr dauern. Je nachdem, wie alt das Haus ist, ob zum Beispiel Denkmalschutz vorliegt“, erklärt der Münchenstift-Chef.

Die 13 Anwesen – vom zehn Jahre alten Haus an der Effnerstraße bis zum 113 Jahre alten Heilig-Geist-Heim am Dom-Pedro-Platz – böten hier recht unterschiedliche Rahmenbedingungen. Und: Corona verzögert laut Benker die Arbeiten zusätzlich. „Betretungsverbote in Altenheimen gelten auch für Handwerker.“

Tablets für die Münchenstift-Bewohner

Bis zum Ausbauziel sollen für die Senioren in allen Häusern zahlreiche Tablet-Computer mit SIM-Karte bereitstehen. „Wir haben von Anfang an auch an unsere Bewohner gedacht. Im Frühjahr wurden weit über 100 Tablets angeschafft, mit denen die Senioren in ihren Zimmern mit ihren Angehörigen Kontakt halten können“, so Benker.

WLAN gibt es in den Münchenstift-Häusern in der Regel seit Jahren in den Cafeterien, in den Sozialräumen für die Mitarbeiter und in den Wartebereichen für Angehörige.

Dass das ganz besonders in Ausnahmesituationen wie jetzt weder zeitgemäß noch ausreichend ist, bestreitet im BA niemand. Im Gegenteil. Deshalb will das Gremium auf jeden Fall einen Sachstandsbericht, wie es um die Digitalisierung in Münchner Senioreneinrichtungen, vor allem in denen der Münchenstift, steht.

ul

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