In der Familie seit 83 Jahren

Corona-Aus für die "Bräurosl"! – Wiesn-Familie Heide hört auf 

Wiesn-Familie Heide gibt Festzelt "Bräurosl" auf.
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Wiesn-Familie Heide gibt Festzelt "Bräurosl" auf.

Die Familie Heide zieht sich von der Wiesn zurück und bewirbt sich nicht mehr um das Festzelt "Bräurosl". Der letzte Auslöser zu dem Schritt war die Corona-Krise.

  • Wiesn-Familie Heide gibt das FestzeltBräurosl“ auf.
  • Die Corona-Krise sei der letzte Auslöser gewesen.
  • Das Festzelt  „Bräurosl“ wird seit 83 Jahren von der Familie betrieben.

83 Jahre lang führte die Familie Heide die „Bräurosl“ auf dem Münchner Oktoberfest. Nun hören die Gastronomen auf. Sie wollen sich nicht mehr um das Pschorr-Festzelt bewerben, wie die Familie am Montag in München mitteilte. 

„Gedankenspiele über eine Neuausrichtung gibt es ja nicht erst seit wenigen Monaten“, sagt Daniela Heide. „Wir haben uns das reiflich überlegt. So ein Schritt ist ja auch aufgrund der langen Familientradition nicht leicht. Schon unser Urgroßvater war auf dem Oktoberfest.“ 

Auch Vater Georg Heide, der schon seit 53 Jahren auf der Wiesn ist und gleich in drei Zelten zu Hause war, findet den Schritt traurig, aber notwendig. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber wir haben sie als Familie gemeinsam getroffen. Die Wiesn war unser Leben, wir haben dort viele schöne Dinge erlebt und sind dankbar dafür.“

Keine "Bräurosl" auf der Wiesn - Heide hört wegen Corona auf 

Der letzte Auslöser, sich vom Oktoberfest zu verabschieden, war die Corona-Krise. Zwar wurde das Fest heuer rechtzeitig abgesagt, so dass die Kosten noch überschaubar waren. Aber die Einnahmen fehlen natürlich. Und eine Wiesn 2021 ohne ausreichenden Versicherungsschutz, den es für den Fall einer Pandemie wohl nicht mehr gibt, war der Familie Heide zu riskant. Heides können sich in der derzeitigen Form der Auflagen in der Gastronomie einen vernünftigen Ablauf in einem Festzelt mit 6.500 Plätzen nicht vorstellen.

Die Oktoberfest-Tradition der Familie Heide reicht bis ins Jahr 1936 zurück als Urgroßvater Georg Heide die Bräurosl übernahm. Nur drei Jahre lang, denn dann kam der zweite Weltkrieg. Erst 1951 gab es wieder die Pschorr Bräurosl auf dem Oktoberfest. Schon fünf Jahre später folgte Wiesn-Legende Willy Heide, der später auch Sprecher der Wirte wurde (1984 – 2001) und anno 1985 das Platzkonzert vor der Bavaria initiierte. Renate und Georg Heide waren von 2002 bis 2012 alleinige Bräurosl-Wirte. Seit 2013 teilt sich die Familie Heide die Verantwortung.

Das Festzelt der Brauerei Hacker-Pschorr bietet knapp 6500 Sitzplätze und eine Terrasse für weitere rund 1700 Besucher. Seit 1901 gehört es zur Wiesn. Bekannt ist unter anderem der Jodelgesang im Zelt und der besonders bei Schwulen beliebte Gay Sunday.

Die Familie Heide betreibt im Münchner Vorort Planegg das Wirtshaus Heide-Volm, das es seit 1854 gibt. 1931 hatte sie das Anwesen von der Pschorrbräu gepachtet und 1940 dann gekauft. 

Andere Wirtekollegen wie auch die Brauerei bedauerten den Schritt 

„Wir müssen das erst einmal sacken lassen. Wir bedauern das sehr“, sagte die Sprecherin von Hacker-Pschorr, Birgit Zacher. Es sei weit mehr gewesen als ein geschäftliches Verhältnis.

„Es ist schade, wenn man so renommierte Kollegen verliert, die eine Institution auf der Wiesn sind“, sagt Wirtesprecher Peter Inselkammer. Er räumte mit Blick auf Corona ein: „Es ist eine schwierige Situation.“ Zwar gebe es finanzielle Schwierigkeiten in der Gastronomie, für das Oktoberfest im nächsten Jahr sei er aber „sehr zuversichtlich“. „Das ist noch ein gutes Jahr hin.“

Die Festhalle „Bräurosl“ ist benannt nach der Tochter des früheren Brauereibesitzers, die der Legende nach ihre abendliche Maß Bier hoch zu Ross auf dem Hof der Brauerei trank und dabei die Braugesellen beeindruckt haben soll. Das Motiv der Brauereitochter ziert auch den Eingang der Festhalle, die für die nächste Wiesn erneuert werden soll. 

Auf die Wirtefamilie würden damit Kosten für Ausstattung zukommen. Auch deshalb sei der Zeitpunkt zum Ausstieg jetzt richtig, sagte Daniela Heide - die wie die berühmte Bräurosl zur Wiesnzeit gern zumindest aufs Pony stieg, wenngleich ohne Maß. „Die schönste Kindheitserinnerung war das Ponyreiten, wo ich stundenlang auf diesen Pferden sitzen konnte.“

Mehrfach gaben Wirte ihr Wiesnzelt ab - unfreiwillig: 1984 musste die Wirtelegende Richard Süßmeier im Armbrustschützenzelt während des Betriebs den Zapfhahn zudrehen, weil er Schwarzarbeiter beschäftigte. Sein Nachfolger Helmut Huber hatte auf dem Nockherberg freizügige Schabernacktbälle zugelassen. Und Sepp Krätz, Wirt des früheren Hippodroms, stolperte über ein Steuerhinterziehungsverfahren.

dpa/lby/Familie Heide /jh

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