Dialog suchen statt verurteilen

Mehr Beratungen wegen Verschwörungstheorien – So geht man mit Anhängern kruder Thesen besser um

Corona-Demonstration auf der Theresienwiese
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Corona-Demonstration auf der Theresienwiese

Immer mehr Angehörige von Verschwörungstheoretikern suchen Hilfe in Beratungsstellen. So auch in der Fachstelle für Weltanschauungsfragen. Eine Psychologin klärt auf, wie man mit Anhängern kruder Thesen besser umgeht...

  • Der Beratungsbedarf von Angehörigen von Verschwörungstheoretikern steigt.
  • Immer mehr Angehörige suchen Hilfe in Beratungsstellen.
  • Anna-­Sophia Birzele von der Fachstelle für Weltanschauungsfragen klärt auf...

München – Etwa 10 000 „Querdenker“ haben am Wochenende auf der Theresienwiese für ein Ende des Corona-Notstands und die vollständige Wiederherstellung der Grundrechte protestiert – und damit doppelt so viele wie von den Organisatoren ursprünglich angekündigt.

Dass sich unter den Demonstranten auch hartgesottene Verschwörungstheoretiker und Rechtsextreme befinden ist längst kein Geheimnis mehr. Scheinbar verlieren sich aber auch immer mehr einfache Skeptiker in kruden Thesen.

Dass dies nicht nur eine gefühlte Wahrheit ist, weiß Anna-­Sophia Birzele von der Fachstelle für Weltanschauungsfragen bei der Erzdiözese München und Freising. An die Psychologin wenden sich derzeit besonders viele Angehörige von Verschwörungstheoretikern, weil sie nicht mehr wissen, wie sie mit diesen umgehen sollen.

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„Vor allem während des Lockdowns hatten wir viel mehr Anfragen als sonst“, sagt Birzele. Der Beratungsbedarf habe deutlich zugenommen – auch hinsichtlich der Auswirkungen auf die Angehörigen.

„Die Pandemie hat die Sichtbarkeit und Verbreitung von Verschwörungstheorien auf jeden Fall verstärkt“

Anna-­Sophia Birzele 

In Krisenzeiten seien grundsätzlich mehr Menschen für derartige Überzeugungen empfänglich. „Die Menschen sind misstrauisch und fürchten einen Kontrollverlust. Die starke Verunsicherung befördert den Zugang zu verschiedenen Theorien.“

Auch bei den aktuellen Beratungen erfährt die Fachstelle für Weltanschauungsfragen von einer große Bandbreite von Überzeugungen. „Das geht los bei Impfskeptikern bis hin zu kompletten Corona-Leugnern, aber es sind auch Themen aus dem rechten oder esoterischen Spektrum darunter.“

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So geht man mit Anhängern kruder Thesen besser um...

Doch was tun, wenn sich ein Familienmitglied oder Freund immer mehr mit Verschwörungstheorien identifiziert. „Wichtig ist, dass man Veränderungen der Einstellungen frühzeitig wahr- und auch ernst nimmt.“

So sollte man sich Informationen über die entsprechende Theorie verschaffen und die Unterstützung von anderen oder einer Beratungsstelle in Anspruch nehmen – etwa, um ein Gespräch mit dem Betroffenen vorzubereiten. Dann könne man sich bei einer gewissen Vertrauensbasis mit Einfühlungsvermögen an den eigentlichen Grund für die neue Überzeugung herantasten.

Oftmals handelt es sich nämlich um eine Problemverlagerung, also bestimmte Ängste, die dahinterstecken

 Expertin Frau Birzele 

Kennt man diese, kann man nach konkreten Lösungen suchen. Darum sei es wichtig, die Beziehung zum Betroffenen aufrechtzuerhalten und diesen weder pauschal zu verurteilen noch in die Enge zu treiben. „Ausdrücke wie ‚alles Quatsch’ oder ‚Sekte’ sollte man vermeiden“, so Birzele.

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Eine rote Linie gibt es für die Psychologin dennoch: „Fallen rassistische oder antisemitische Aussagen, sollte man das deutlich kritisieren und jeden Versuch des Austestens von Grenzen zurückweisen. Sonst könnte das als stille Zustimmung gewertet werden.“

Romy Ebert-Adeikis

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