Er wurde mit Fruchtzwergen gefüttert...

München: Weißhandgibbon aus Privathaltung beschlagnahmt - ernsthafte Folgen für das Jungtier möglich

Der kleine Jimmy wartet gerade darauf, dass er mit einer Gruppe von Artgenossen zusammengeführt wird.
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Der kleine Jimmy wartet gerade darauf, dass er mit einer Gruppe von Artgenossen zusammengeführt wird.

Das Veterinäramt musste einen jungen Gibbon aus einer Privathaltung beschlagnahmen. Inzwischen kümmert sich die Reptilienauffangstation um das Jungtier.

  • Private Halter hatten einen jungen Gibbon zum Verkauf angeboten, das Veterinäramt konnte ihn beschlagnahmen.
  • Jetzt kümmert sich die Münchner Auffangstation für Reptilien um den Primaten.
  • Das Jungtier wurde zuvor nicht artgerecht gehalten - das könnte ernsthafte Folgen haben.

München - Immer wieder landen exotische Haustiere auf tragische Weise in der Münchner Auffangstation für Reptilien. Der zweieinhalbjährige Gibbon Jimmy ist einer der neusten Zuwächse - er musste im Dezember aus einer Privathaltung beschlagnahmt werden. Der junge Weißhandgibbon landete dabei nur dank des Einsatzes einer großen Tierrechtsorganisation in der Auffangstation. Diese hatte über einige Zeit Kontakt zum Verkäufer, der angab, er würde einen männlichen Weißhandgibbon verkaufen. Bevor der Verkauf auf einem Parkplatz stattfinden sollte, informierte die Organisation allerdings die Polizei und das zuständige Veterinäramt.

München: Junger Gibbon landet in Auffangstation für Reptilien

Der junge Affe wurde augenscheinlich schon im Alter von nur 2-4 Wochen von einem kleinen Zoo an die anscheinend nicht fachkundigen neuen Halter verkauft. Papiere über den Handel und das Tier gab es, eine Anmeldung des Gibbons im Sinne des Artenschutzes fand jedoch nie statt. Für das Amt ein klarer Fall, um das ihn zu beschlagnahmen. Seither wird das Jungtier in der Auffangstation von Tierpflegern umsorgt. Da die ehemaligen Halter inzwischen auch auf ihr Eigentum verzichtet haben, darf der Primat nun offiziell weitervermittelt werden. Doch bis er endlich unter seinen Artgenossen leben kann, könnte es noch dauern. „Erfahrungsgemäß verstreichen Monate, bevor eine geeignete Gibbon-Gruppe gefunden wird“, gibt die Auffangstation in einer Pressemitteilung vom Donnerstag bekannt.

Ein Mitarbeiter der Auffangstation kümmert sich um den kleinen Jimmy.

Junger Gibbon falsch gehalten - könnte ernsthafte Folgen nach sich ziehen

Außerdem könnte die bisherige Haltung des Tieres schwere Folgen nach sich ziehen. Der gemeinnützige Verein schreibt: „Der Affe wurde mit der Nuckelflasche getränkt, erhielt neben Obst und Gemüse auch Kinderbrei, Fruchtzwerge und Butterkekse – eine absolut nicht fachgerechte Ernährung für einen jungen Primaten.“ Dr. Sandra Giltner von der Auffangstation erklärt auf Hallo-Nachfrage weiter: „Wir wissen aktuell noch gar nicht, was diese Ernährung mit dem Tier gemacht hat.“ Anscheinend existierte auch kein adäquat eingerichtetes Zimmer oder Gehege. Man gehe von einer Einzelhaltung des Tieres aus, lediglich zwei erwachsene Menschen sollten als Bezug dienen. Das stelle in jeder Hinsicht verkehrte und tierquälerische Haltung dar. Gibbons leben nämlich mit einem festen Partner, die Paare finden sich oft für ein Leben lang. Ein Mensch könne und solle diese Verbindung nie ersetzen.

München: Auffangstation päppelt Jungtier auf - Mitarbeiterin fordert höhere Strafen

Die derzeitige Arbeit der Münchner Auffangstation sieht deshalb wie folgt aus: Jimmy wird aufwendig an eine artgerechte und angemessene Ernährung und Haltung herangeführt. Das größte Ziel bleibt jedoch eine schnelle Vermittlung. „Sollte es uns nicht gelingen, das Tier schnell zu integrieren, droht ihm ein Leben in Isolation, eventuell dann auch mit langfristigen und schwerwiegenden Folgen für seine Gesundheit“, warnt die Auffangstation.

Ein Vorfall wie dieser macht Giltner sauer - und dabei vor allem, die meist sehr geringen Konsequenzen, die sie nach sich ziehen. „Man kann so etwas ahnden - mit hohen Geldstrafen oder sogar auch mit Haft.“ Genutzt würden diese Möglichkeiten von den Gerichten aber äußerst selten. „Das gehört richtig bestraft, nicht nur mit einem Klapps auf den Finger!“

Kürzlich hat auch der tragische Fall einer schwerverletzten Schildkröte die Auffangstation beschäftigt.

Quellen: Auffangstation für Reptilien, kf

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