„Je weniger online, umso besser“

Der Giesinger Liedermacher und Kabarettist Weiherer könnte sich in Coronazeiten Autokino-Konzerte vorstellen

Corona macht auch vor dem Weiherer nicht Halt. Wie der Münchner Liedermacher in der Krise arbeitet und was er von Online-Konzerten hält, verrät er im Interview.

  • Christoph Weiherer ist Münchner Liedermacher.
  • Was er von Online-Konzerten und Kreativität während Corona halt.
  • Wie sein Leben und seine Arbeit in der Corona-Krise aussehen, verrät er im Interview. 

Eigentlich heißt er ja Christoph Weiherer, aber bei seinem Vornamen nennt den Liedermacher niemand. Ein Gespräch, in dem wir uns Siezen, war deshalb spätestens nach seinem ersten „Servus“ ausgeschlossen. Trotzdem kann der Weiherer auch ernst. Beziehungsweise muss er es. Auch ihn trifft die Corona-Krise – wie viele andere Münchner Künstler. Was der 40-Jährige davon hält, seine Konzerte ins Internet zu verlegen und wie es in all der freien Zeit mit dem Liederschreiben läuft.

So als aktuell arbeitsloser Künstler, Weiherer, wie ist das Leben? 

Mei, die Situation ist so, wie sie eben ist. Konzerte und Festivals werden über Monate abgesagt. Wir Künstler hoffen alle, dass es irgendwann eine Ansage gibt, wann es wieder weitergeht. Ich bin nicht der, der da großartig rumjammert, sondern jemand, der Möglichkeiten sucht. Deshalb habe ich wieder angefangen, Videos zu machen und hochzuladen.


Viele Musiker geben jetzt Online-Konzerte. Hast du dir das auch schon überlegt?

Ja, aber ich bin nicht der größte Freund von sowas. Einerseits ist das aktuell der einzige Weg, live Musik zu machen und so seine Fans unterhalten zu können. Aber selbst, wenn man einen Spendenlink einfügt - dann schaut es immer ein bisschen nach betteln aus. Irgendwann im Mai möchte ich ein Online-Konzert aber ausprobieren. Ich bin keiner, der jeden dritten Tag live gehen muss. Das ist nicht meine Welt. Mir fehlt da die Stimmung und Nähe zum Publikum. Je weniger online, umso besser.


Wird sich die Musikszene dennoch in diese Richtung ändern müssen?

Je länger die Krise dauert, desto schwieriger ist es. Die ein oder andere Bühne wird es vielleicht hinterher nicht mehr geben. Große Institutionen wie das Lustspielhaus stecken das natürlich leichter weg, aber irgendwelche kleinen Bühnen und Künstler, da ist es schon schwieriger. Es wird sich mit Sicherheit viel verändern. Ich glaube aber, dass es nicht so schlecht ist für die Kultur, dass man bissl kämpft und sich einsetzt, kreativ ist, Ideen entwickelt.


Kreativität in der Krise. Gelingt dir das?

Manche sagen zu mir: „Ja Weiherer, jetzt hast ja genug Zeit, um Lieder zu schreiben.“ Kreativität kann ich nicht erzwingen und um Lieder und Geschichten zu schreiben, brauche ich Input. Ich muss beobachten, was erleben, Gespräche hören. Mit der Kontaktbeschränkung ist das natürlich schwierig.


Den Weiherer gibt es aber nach der Corona-Krise schon noch, oder?

Das ist zumindest der Plan. Ich bin in der Luxusposition, dass ich die letzten Jahre gut verdient habe und nicht auf großem Fuß gelebt habe. Meine Rücklagen reichen für ein halbes Jahr. Es gibt aber genug Künstler, die das nicht haben. Wie Geisterspiele im Fußball muss sich deshalb auch vielleicht die Kulturszene etwas ausdenken. Vielleicht autokinomäßige Konzerte wie es in anderen Bundesländern schon diskutiert wird. 

Kann man in deinem Onlineshop dann bald Mundschutz kaufen? 

(lacht) Eine Maske wird ja eher widerwillig getragen, weil die Leute nicht in der Position sein wollen, eine zu tragen. Ich will nicht, dass ein Weiherer-Produkt widerwillig getragen wird.

soph

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