Mit bangem Blick auf 2021

„2020 war desaströs für uns“ - Ticketverkäufer und Veranstalter blicken auf ein schwieriges Jahr zurück

Knapp eine halbe Million Tickets zu abgesagten oder verschobenen Veranstaltungen hat München Ticket bearbeitet.
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Knapp eine halbe Million Tickets zu abgesagten oder verschobenen Veranstaltungen hat München Ticket bearbeitet.

Ein sehr schweres Jahr aufgrund von Corona geht für die Veranstaltungsbranche zu Ende. Wie die aktuelle Lage ist und wann auf Besserung zu hoffen ist. Hallo hat nachgefragt.

„Vernichtend“, „desaströs“, „schlimmer als jemals erwartet“: Die Macher der Veranstaltungsbranche sind sich in ihrem Fazit zum Jahr 2020 einig. Kein Wunder, Tausende Veranstaltungen in München mussten abgesagt oder verschoben werden.

„Unser Umsatz ist um annähernd 100 Prozent ausgefallen“, schildert Michael Schöne, Marketingleiter beim Veranstalter München Musik die Lage. Es bleibe abzuwarten, in welcher Höhe die seitens der Politik angekündigten Hilfsprogramme tatsächlich ankommen werden“, so Schöne weiter. Derzeit rechne man mit acht Prozent des November- und Dezember-Umsatzes.

Die Verschiebungen und Absagen machen auch Ticketvermittlern zu schaffen: Bei München Ticket wurden knapp eine halbe Million Tickets bearbeitet, die abgesagte, verschobene oder verlegte Veranstaltungen betreffen, wie Geschäftsführer Stephan Rusch verrät.

Geschäftsführer von München Ticket: Stephan Rusch.

Ein erheblicher Aufwand, bei dem nicht nur kein Geld reinkomme, sondern sogar abfließe: „Die Vorverkaufsgebühr geht an die Kunden zurück.“

Die meisten Kunden hätten Verständnis, wenn der Rückabwicklungsprozess länger dauert – viele nehmen ihn jedoch gar nicht erst in Anspruch: Über die Aktion „Dein Ticket für Kultur“ wurden rund 40 000 Tickets im Wert von 160 000 Euro gespendet.

Wie viele Tickets tatsächlich nicht zurückgegeben werden, und wie viel Geld das den Veranstaltern bringt, werde man erst im 1. Quartal 2021 wissen.

Im Moment herrscht jedenfalls Flaute: „Die Menschen kaufen in jedem Fall zurückhaltend für 2021“, so Rusch. Zum einen, weil es noch gar nicht so viel zum Kaufen gebe, zum anderen weil noch abgewartet werde, wie sich die Situation entwickelt.

Trotzdem schaut Rusch nach vorn: „Wir können nicht bis zum Ende aller Tage schwarz sehen“, sagt er und bringt damit den Optimismus auf den Punkt, der die Kultur-Macher ebenso eint: „Vorsichtig optimistisch“ ist München Musik für Open-Air-Veranstaltungen im Sommer, auch der Olympiapark hofft hier auf einen Aufwärtstrend, (siehe unten).

Normalität erst 2022?

Nils Hoch ist stellvertretender Geschäftsführer der Olympiapark München GmbH und Abteilungsleiter Veranstaltungen/Vertrieb. In Hallo blickt er zurück und nach vorn.

Herr Hoch, wie lautet Ihr Fazit zum Corona-Jahr?

Ich bin ein grundsätzlich positiver Mensch, aber es lässt sich nicht anders sagen: 2020 war desaströs für die Branche.

Wie viele Veranstaltungen konnten stattfinden?

Normalerweise haben wir circa 400 Veranstaltungen im Olympiapark pro Jahr. Dieses Jahr war es kein Viertel davon. Wirtschaftlich war es ein schlimmes Jahr für uns. In den Vorjahren haben wir jedoch gut gewirtschaftet, deshalb fallen wir nicht ganz so tief.

Gab es auch Lichtblicke?

Die Sommerbühne im Olympiastadion mit 60 Abenden war zum Beispiel sehr gut besucht. Einer Wiederholung dieses Konzepts möchte ich mich nicht verschließen, wobei ich aber ein reguläres Veranstaltungsjahr 2021 bevorzugen würde.

Ihre Prognose, wie es weiter geht?

Im Sommer hoffen wir auf einen ersten Aufwärtstrend, für das 3. Quartal sind wir optimistisch, wieder mehr Veranstaltungen durchführen zu können. Wir rechnen zu Beginn 2022 mit einem relativ normalen Veranstaltungsbetrieb – aus wirtschaftlicher Sicht und was die Quantität der Veranstaltungen angeht.

Nils Hoch, stellvertretender Geschäftsführer der Olympiapark München GmbH und Abteilungsleiter Veranstaltungen/Vertrieb.

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