Sie sollen gehört werden

Zehn Jahre nach der Enttarnung des NSU: Münchner Regisseurin zeigt Perspektive der Hinterbliebenen

Christine Umpfenbach
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Christine Umpfenbach - die Autorin des Theaterstückes „Urteile“
  • Sabina Kläsener
    VonSabina Kläsener
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Auch nach vielen Jahren darf man die Gräueltaten der NSU nicht vergessen. An genau diese und die Zeit danach soll das Theaterstück „Urteile“ erinnern.

29. August 2001: Habil Kılıç, 38, wird im Geschäft der Familie an der Bad-Schachener-Straße erschossen. Am 15. Juni 2005 wird Theodoros Boulgarides, 41, in seinem Laden an der Trappentreustraße ebenfalls erschossen.

Erst 2011 ist klar: Es sind Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Die Familien der Opfer erleiden nach den Taten ein weiteres Trauma. „Was prägend für die betroffenen Familien bis zur Selbstenttarnung des NSU war: nicht trauern zu können, ständig verdächtigt zu werden“, erklärt Christine Umpfenbach.

Die Münchner Regisseurin und Autorin hat diese Zeit in einem Theaterstück aufgegriffen. „Urteile“ wurde von 2014 bis 2017 gezeigt. Am Donnerstag, 21. Oktober, startet das bundesweite Theaterprojekt „Kein Schlussstrich!“.

Hallo München verlost 3x2 Tickets für die Vorstellung von „Urteile“ am 26. Oktober im „Resi“.

Kontakt mit den Betroffenen wichtig - Enttäuschung über NSU-Prozess und dessen Urteil als Teil des neuen Theaterstücks

Künstlerisch werden die Taten und Hintergründe des NSU aufgegriffen. Im Zuge dessen wurde Umpfenbach gefragt, ob man ihr Stück nochmals zeigen könnte – weiterentwickelt: „Mich hat interessiert, den Schluss um das Urteil zu erweitern und einzubeziehen, wie es den Angehörigen jetzt geht.“

Der NSU-Prozess hat diese enttäuscht. „Die Angeklagten haben größtenteils sehr milde Strafen bekommen. Das ist traurig und frustrierend vor allem für die Angehörigen.“ Sie hatten gehofft, dass auch die Strukturen hinter dem NSU aufgedeckt würden. „Auch, dass beim Urteil Neonazis vor Ort waren und gejubelt haben über die milde Urteile, war ein sehr verletzender Moment.“

„Heute noch nicht sicher in Deutschland“

Das Stück ist empfohlen ab 14 Jahren. „Es ist wichtig, die junge Generation anzusprechen. Das ist ein Alter, in dem man sich eine Meinung bildet, ein Urteilsvermögen entwickelt.“ Das Stück verzichtet auf den erhobenen Zeigefinger: „Ich arbeite hauptsächlich mit Originalmaterial, sodass die Zuschauer selber damit arbeiten, sich auseinandersetzen müssen.“

Seit den ersten Interviews für das Stück ist Umpfenbach mit den meisten Gesprächspartnern in Kontakt geblieben. „Das Gefühl, die Angst besteht heute noch, dass sie in Deutschland nicht sicher sind.“

Die Perspektive der Betroffenen will sie zeigen. „Ihre Stimmen sollen gehört werden“, beschreibt sie ihre Motivation. „Mir ist wichtig, dass nicht vergessen wird, dass rassistische Einstellungen in der Gesellschaft zu rechtsmotivierten Gewalttaten führen können. Es gibt eine Kontinuität rechter Gewalt, das muss auch im Theater thematisiert werden.“

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