Maßnahmen für Hotspots

Kultur in München leidet unter Corona-Maßnahmen ‒ Theater starten Protest #AlarmstufeRot

#AlarmstufeRot / Bayerische Staatsoper und Residenztheater
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#AlarmstufeRot / Bayerische Staatsoper und Residenztheater

Für Kultur in Corona-Hotspots sind die verschärften Regeln eine Katastrophe. Theater protestieren mit #AlarmstufeRot. Wie es um die Spielstätten in München steht...

  • Theater in München leiden unter Corona-Maßnahmen.
  • Die Landeshauptstadt hat eine 7-Tage-Inzidenz von über 100.
  • Mehrere Spielstätten werden im November rot erleuchtet.

#alarmstuferot - Protest der Theater in München wegen Corona-Maßnahmen

Update: 03. November 2020

Aus Protest gegen die erneute Schließung aller Theater werden mehrere Kulturhäuser in Bayern in den kommenden Wochen rot beleuchtet.

„Dieses Statement soll unter dem Motto #alarmstuferot das Augenmerk auf die besondere Situation der Kulturschaffenden richten“, teilten mehrere betroffene Bühnen am Dienstag gemeinsam mit.

„Die Tatsache, dass umfangreiche Hygienekonzepte vorliegen und erprobt sind, findet bei der Entscheidung keine Berücksichtigung“, kritisieren die Kulturhäuser die Maßnahme, zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Theater bis Ende November zu schließen. 

An der Aktion beteiligen sich die Bayerische Staatsoper, das Residenztheater, der Gasteig, das Gärtnerplatztheater, das Prinzregententheater sowie das Deutsche Theater. Die rote Beleuchtung soll in diesen Häusern demnach voraussichtlich bis Ende November jeden Abend um 16.30 Uhr an- und um 22 Uhr ausgeknipst werden. 

Fotostrecke - #AlarmstufeRot Kultur in München

#AlarmstufeRot / Staatstheater am Gärtnerplatz
#AlarmstufeRot / Staatstheater am Gärtnerplatz © Christian POGO Zach
#AlarmstufeRot / Deutsches Theater
#AlarmstufeRot / Deutsches Theater © Deutsches Theater
#AlarmstufeRot / Bayerische Staatsoper
#AlarmstufeRot / Bayerische Staatsoper  © Wilfried Hösl
#AlarmstufeRot / Gasteig
#AlarmstufeRot / Gasteig © Gasteig
#AlarmstufeRot / Residenztheater
#AlarmstufeRot / Residenztheater © Residenztheater

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Theater von Corona-Regeln hart getroffen - Warum sich der Spielbetrieb in München nicht mehr lohnt

Erstmeldung: 27. Oktober 2020

Als die Theater im Frühsommer wieder öffneten, durften sie nur vor 200 Zuschauern spielen. Für die Häuser war das finanziell verheerend. Doch es sollte noch schlimmer kommen. In Corona-Hotspots dürfen jetzt nur noch 50 Zuschauer rein. Für die Theater eine Katastrophe.

Für die Theater in Bayern ist eine Obergrenze von 50 Zuschauern bei sehr hohen Corona-Infektionszahlen ein schwerer Schlag. „Eine Begrenzung auf nur 50 Personen macht aus einem modernen, offenen Haus ein elitäres Bollwerk“, kritisierte die Bayerische Staatsoper in München, wo seit Montag verschärfte Corona-Regeln gelten.

Den Häusern brechen wichtige Einnahmen weg, viele sehen sogar ihren Kulturauftrag in Gefahr. Trotzdem wollen die meisten weiter spielen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, auch wenn statt 200 nur noch 50 Besucher kommen dürfen.

Theater in München trotz Corona? Wer stellt den Spielbetrieb ein und wer will trotz Beschränkung weitermachen

Einige stellen den Spielbetrieb dagegen ganz oder teilweise ein, weil es für sie mit 50 zahlenden Gästen schlicht nicht mehr rentabel ist.

„Gerade haben wir die Planungen für eine Bespielung unseres Hauses fertig, die wir sowohl auf der Bühne umsetzen als auch vor 200 Gästen einigermaßen wirtschaftlich abbilden können. Diese Arbeit war umsonst, wenn die Regelung so bleibt“, hieß es vom Deutschen Theater in München. „Vor 50 Gästen wird es bei uns keine Vorstellungen geben, da dies wirtschaftlich nicht machbar ist.“

Christian Stückl will sein Münchner Volkstheater offenhalten. „Wir wollen uns nicht zusperren lassen“, schreibt sein Theater. „Das ist nicht wirtschaftlich, aber unser Kulturauftrag.“ Doch ein lohnender Betrieb sieht anders aus. Rund 300 Gäste wären im Volkstheater notwendig.

Auch das Residenztheater erklärt, mit 50 Zuschauern könne man nicht mehr kostendeckend spielen. Das Haus hofft nun auf eine Sonderregelung für Theater nach dem Vorbild anderer Bundesländer.

Kultur in München will Corona-Beschränkung für Theater abschaffen

Intendant Nikolaus Bachler von der Staatsoper wollte zusammen mit dem Residenztheater und dem Staatstheater am Gärtnerplatz mit einem Antrag die Begrenzung der Zuschauerzahlen abwenden.

Bachler hatte mit den Erfahrungen eines Pilotprojekts argumentiert, an dem die Staatsoper, die Münchner Philharmonie und die Meistersingerhalle in Nürnberg beteiligt waren. Statt 200 durften sie 500 Zuschauer einlassen. Der Versuch belege, dass es bei der Größe des Nationaltheaters und bei Einhaltung vorbeugender Maßnahmen sehr gut möglich sei, vor 500 oder noch mehr Besuchern zu spielen, so Bachler.

Doch das Kunstministerium beschied anders: „Ich habe Verständnis für das Anliegen der Branche und weiß, dass es momentan sehr schwierig ist“, sagte Kunstminister Bernd Sibler (CSU). Man müsse nun umsichtig und vorsichtig reagieren.

Der Pilotversuch und damit die Erlaubnis einer maximalen Zuschauerzahl von 500 Personen gelte aber automatisch als ausgesetzt, sobald die andere Regelung greife. Sibler verwies auf den Kulturrettungsschirm und geplante Künstler-Hilfsprogramme.

Ganz verstehen können das die Theater nicht: „Funktionierende Hygienekonzepte machen Theater- und Konzerträume derzeit zu den sichersten Orten in der Freizeitgestaltung“, ist die Leitung des Mainfranken Theaters in Würzburg überzeugt. Die Theatermacher hätten sich gewünscht, dass die Politik die jeweiligen Bedingungen vor Ort stärker berücksichtigt hätte.

Eine Ansicht, die viele teilen: „Wir empfinden diesen Erlass als Willkür, da Kultureinrichtungen in den letzten Monaten bewiesen haben, dass sie gute Hygienekonzepte ausgearbeitet haben und sichere Orte sind“, heißt es auf der Internetseite der Münchner Kammerspiele.

Zusätzlich zu den bereits erheblichen Einnahmeverlusten erwarte man nun „potenziell weitere Defizite in Millionenhöhe“. „Ob und wie wir unter diesen Umständen den Spielbetrieb aufrechterhalten können, müssen wir mit dem Kulturreferat erörtern“, sagte eine Sprecherin. „Im Sinne des gesellschaftlichen Zusammenhaltes erachten wir es für wichtig, die letzten öffentlichen Räume nicht aufzugeben.“

dpa/lby

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