(K)Eine Lobby für Tagesmütter

„Es ist Zeit, dass man auch an uns denkt.“ - Münchner Tagesmutter kämpft für bessere Bedingungen in der Corona-Pandemie

Seit November ist die Obermenzingerin Amelie von Bezold erste Regionalbeauftragte für Tagesmütter in München - und fordert in der Pandemie mehr Unterstützung.
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Seit November ist die Obermenzingerin Amelie von Bezold erste Regionalbeauftragte für Tagesmütter in München - und fordert in der Pandemie mehr Unterstützung.
  • Marie-Julie Hlawica
    vonMarie-Julie Hlawica
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Zusätzlich Arbeitszeit und finanzielle Ausgaben. Münchens Regionalbeauftragte für Kindertagespflege fordert nun mehr Unterstützung für Tagesmütter in der Pandemie.

  • Obermenzingerin setzt sich für bessere Bedingungen für Tagesmütter in München ein.
  • Als Regionalbeauftragte fordert Amelie von Bezold mehr staatliche Unterstützung in der Pandemie.
  • Warum ihrem Berufsstand dringend mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.

München - Spielzeug desinfizieren, Räume schrubben, FFP2-Masken besorgen, sich regelmäßig auf Corona testen lassen – das fordert in der Pandemie auch von den derzeit 513 Münchner Tagesmüttern zusätzliche Arbeitszeit und finanzielle A­usgaben.

Amelie von Bezold (48) ist die erste Münchner Regionalbeauftragte im Bundesverband für Kindertagespflege. „Nur hat uns in der Diskussion der systemrelevanten Gruppen niemand auf dem Schirm.“ Die Obermenzingerin fordert nun für ihren Berufsstand dringend mehr Gehör und staatliche Hilfe.

„Eltern haben eine Lobby, Kinderpfleger, Erzieher und Lehrer – wir nicht. Es wird Zeit, dass man uns auch wahrnimmt“, so von Bezold.

Risiko steigt: Auch Tagesmütter müssen Notbetreuungen anbieten

„Wir leisten wie viele andere systemrelevante Berufsgruppen seit Beginn der Pandemie Arbeit an vordersten Front.“ Wie Kindergärten, müssen auch Tagesmütter Notbetreuung anbieten. „Bei mir sind es derzeit zwei Kinder. Für uns Tagesmütter steigt damit, neben dem Hygieneaufwand, auch das Risiko, selbst zu erkranken.“

Von Bezold, Mama von heute drei erwachsenen Kindern, ist seit 2011 beim Jugendamt als geprüfte Tagesmutter gelistet.

Wer wie sie mit Pflegeerlaubnis bis zu fünf Kinder betreut, versichert sich und seine Schützlinge selbst, wird zweimal im Jahr vom Sozialreferat und dessen Sozialpädagogen kontrolliert: Unterkünfte und Ausstattung, Dokumentation und Fortbildungen oder Impfungen müssen regelmäßig nachgewiesen werden.

Doch es gibt keine einheitliche Satzung: Was für eine Tagesmutter vom zuständigen Mitarbeiter des Jugendamtes entschieden wird, muss für die anderen nicht gelten.

Forderung nach mehr Unterstützung in der Pandemie für Tagesmütter

„Wir erfüllen alle hohe Anforderungen und sind mit Herzblut bei der Sache, für die Kinder da“, so die 48-Jährige, „doch im Gegensatz zu städtischen Einrichtungen gibt es für uns weder Überstundenausgleich noch zusätzliche Hilfen. Wir tragen die Kosten selbst.“

Das Sozialreferat kennt das Problem: Kindertageseinrichtungen und die einrichtungsähnlichen Großtagespflegestellen (Betreuung von mehr als fünf Kindern) erhielten schon einen Zuschuss für Hygienematerialien, konnten auch Lüftungsgeräte beantragen.

Für Tagesmütter wird nach Lösungen gesucht, so ein Sprecher: „Das Stadtjugendamt prüft aktuell Möglichkeiten, um auch die Münchner Tagesbetreuungspersonen im Zuge der Gleichbehandlung zu unterstützen.“

Amelie von Bezold findet stellvertretend für alle Münchner Tagesmütter: „Es ist Zeit, dass man auch an uns denkt.“

mjh

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