Gedenken während einer Pandemie 

Vor 75 Jahren war der Tag der Befreiung: So gedenkt München trotz Corona-Pandemie dem Ende des Nazi-Regimes

Ähnlich wie auf dieser Simulation soll es bald auf dem Marienplatz aussehen: Vom 30. April bis zum 8. Mai werden dort weiße Fahnen hängen und an den Tag der Befreiung vor 75 Jahren erinnern. 
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Ähnlich wie auf dieser Simulation soll es bald auf dem Marienplatz aussehen: Vom 30. April bis zum 8. Mai werden dort weiße Fahnen hängen und an den Tag der Befreiung vor 75 Jahren erinnern. 

Am 30. April ist es 75 Jahre her, dass München vom Nazi-Regime befreit wurde. So gedenkt die Stadt in Zeiten einer Pandemie. 

  • München gedenkt dem Tag der Befreiung vor 75 Jahren. 
  • Wegen der Corona-Pandemie mussten viele Veranstaltungen abgesagt werden. 
  • Virtuelle Ausstellungen und weiße Fahnen sollen trotzdem Zeichen der Erinnerung setzen. 

München - Wie einst 1945 als Zeichen des Friedens wehen auch 2020 weiße Fahnen in München, um an den Tag der Befreiung zu erinnern. Denn am 30. April 1945 marschierte die Rainbow Division der US-Army in die "Hauptstadt der Bewegung" ein und beendete die Herrschaft der Nationalsozialisten. 15 Fahnen der Stadt München werden deshalb vom 30. April bis zum 8. Mai auf dem Marienplatz hängen und daran erinnern. Viele weitere Institutionen wollen sich anschließen - doch der Aufruf geht auch an private Haushalte. Initiator Wolfram Kastner vom Institut für Kunst und Forschung appelliert: „Jeder kann ein weißes Tuch aus dem Fenster hängen.“

München: 75 Jahre Tag der Befreiung - Online-Ausstellung 

Gemeinsam mit dem Münchner Kulturveranstalter Michael Wladarsch steckt Kastner hinter der Idee, dem Konzept und der Organisation des Projekts. "Für die Schirmherrschaft konnten wir den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter gewinnen", freut sich Kastner. Eigentlich waren auch ein internationales Frühstück, internationale Musik und Stelen auf dem Marienplatz mit Fotos von damals geplant. Wegen der Corona-Pandemie ist all das jedoch nicht möglich. Stattdessen gibt es ab dem 30. April eine  Online-Ausstellung: Auf einer interaktiven Karte von München werden dabei Bilder aus der Zeit unmittelbar nach dem Kriegsende gezeigt. 

Wolfram Kastner ist einer der Initiatoren des Projekts zum 75.  Gedenken an den Tag der Befreiung in München. Weiße Fahnen und eine virtuelle Ausstellung sind dabei die Aktionen, die trotz der Corona-Pandemie noch möglich sind. 

Zusätzlich wurde ein Foto-Aufruf gestartet. Bislang sei der Rücklauf zwar gering, doch Kastner zeigt sich zuversichtlich: "Ich bin gemäßigter Optimist - vielleicht kommt noch was." Das Problem sieht er vor allem darin, dass viele alten Fotoalben weggeschmissen werden, wenn die Besitzer sterben. "Dabei sind das Zeit-Dokumente", betont Kastner. 

München: 75 Jahre Tag der Befreiung - Weiße Fahnen und Musik aus Fenstern 

Zusätzlich zu den weißen Fahnen sollen Münchner am 30. April um 12 Uhr aus ihren Fenstern und von Balkonen Lieder oder Musik zum Tag der Befreiung ertönen lassen. Für Kastner ist es wichtig, den Tag trotz der Pandemie nicht zu ignorieren: „Wir zeigen mit den Mitteln, die zur Verfügung stehen, dass wir uns der Geschichte bewusst sind.“ 

An folgenden Orten werden am 30. April bislang sicher weiße Fahnen wehen:

Marienplatz

DGB-Haus

Stadtmuseum 

Volkshochschule

Monacensia

Münchner Börse

Hochschule für Musik und Theater (ehemaliger "Führerbau")

SPD München (Oberanger)

Haus der Kulturinstitute (Katharina von Bora Straße)

Hotel Deutsche Eiche

Stemmerhof Sendling 

Schauburg 

Erlöserkirche in Schwabing 

Stiftung Bayerische Gedenkstätten

Befreiung KZ Dachau - virtuelles Gedenken, Videobotschaften und  Fotogalerie 

Auch das KZ Dachau musste seine Befreiungsfeier am 3. Mai absagen. Gabriele Hammermann, Leiterin der Gedenkstätte, bedauert: „Einige der Dachau-Überlebenden wollten sogar zum ersten Mal überhaupt wieder nach Dachau kommen.“ 

Ersatzweise gibt es an dem Tag ein virtuelles Gedenken mit Videobotschaften von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und anderen Rednern, die für die Gedenkfeier zugesagt hatten. Zudem werden schriftliche  Botschaften von Überlebenden und Befreiern sowie eine Fotogalerie der Kränze, die in diesem Jahr ohne Zeremonie niedergelegt werden, veröffentlicht. 

Auch das NS-Dokumentationszentrum bietet wegen der Corona-Pandemie bald vermehrt digitale Formate. Zum fünfjährigen Bestehen spricht Direktorin Mirjam Zadoff darüber im Interview

Kassandra Fischer

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