Die Stadt als Leinwand

Streetart in München: Sozialkritik frei Haus

Streetart in München.
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Streetart in München.

München gilt bei vielen Experten als neue europäische Hauptstadt der Street Art. Viele Künstler nutzen die bunten Wände für sozialpolitische Kritik. Wo es in München Kunst zu sehen gibt.

  • München als neue europäische Hauptstadt der Street Art
  • Der Verein „Positive Propaganda“ organisiert viele Werke
  • Wo es Streetart in München zu bestaunen gibt

Die Museen sind geschlossen, doch auch auf der Straße gibt es Kunst zu entdecken: An zahlreichen Hauswänden der Stadt prangen meterhohe Kunstwerke, sogenannte Murals, von internationalen Top-Künstlern.

Wo sich diese befinden, wissen wohl nur wenige so genau wie Sebastian Pohl. Mit seinem Kunstverein „Positive ­Propaganda“ hat er viele dieser Murals umgesetzt. „Die Wände sollten unter Denkmalschutz gestellt werden“, sagt er ganz ohne Stolz. Vielmehr will er die gesellschaftspolitische Strahlkraft hochhalten, die von den Werken von Künstlern wie Shepard Fairey oder Blu ausgeht.

Bilderstrecke - Die größten Kunstwerke der Stadt auch im Lockdown erleben

Blu setzt mit diesem Mural ein Statement zum allgegenwärtigen Streben nach Geld.
Blu setzt mit diesem Mural ein Statement zum allgegenwärtigen Streben nach Geld. © Positive Propaganda
„Paint it black“ von Shepard Fairey in der Nähe des Rotkrezplatzes kritisiert die Macht von Ölkonzernen.
„Paint it black“ von Shepard Fairey in der Nähe des Rotkrezplatzes kritisiert die Macht von Ölkonzernen. © Positive Propaganda
Die Arbeiten von Ericailcane stehen in der Tradition klassischer Farben.
Die Arbeiten von Ericailcane stehen in der Tradition klassischer Farben. © Positive Propaganda
Werke von Escif finden sich an der Paul-Heyse-Straße sowie am Mittleren Ring.
Werke von Escif finden sich an der Paul-Heyse-Straße sowie am Mittleren Ring. © Positive Propaganda
Werke von Escif finden sich an der Paul-Heyse-Straße sowie am Mittleren Ring.
Werke von Escif finden sich an der Paul-Heyse-Straße sowie am Mittleren Ring. © Positive Propaganda
Das Mural von Skullphone findet sich an der Dachauer Straße.
Das Mural von Skullphone findet sich an der Dachauer Straße. © Positive Propaganda
Der Künstler NoName hat sich im Westend verewigt.
Der Künstler NoName hat sich im Westend verewigt. © Positive Propaganda

Denn Street Art sei in ihrem Ursprung eine sozialpolitische Bewegung. Und in dieser Tradition sieht Pohl die Werke: „Es ist wichtig, dass Kunst im öffentlichen Raum etwas zurückgibt. Sie soll auf Probleme und Krisen hinweisen, der Gesellschaft den Spiegel vorhalten.“

München: Neue Hauptstadt der Street Art

Dabei werden globale Themen angesprochen, die Künstler weisen aber auch auf ihren lokalen Bezug hin: wie etwa ­Ericailcane, der ein Zeichen gegen Gentrifizierung setzt – im West­end, einem Viertel, das sich gerade stark wandelt.

Vom ersten Gedanken, wo ein Mural passen könnte, bis zur Genehmigung vergehen oft Jahre. Nicht zuletzt wegen des Standorts: „Wir zeigen diese Werke mitten in der Stadt, nicht irgendwo in Außenbezirken“, erklärt Pohl. „Man muss Street Art dort stattfinden lassen, wo die Menschen sind, denn reflektierte Kunst hat das Potenzial Mauern in den Köpfen einzureißen und zum öffentlichen Diskurs anzuregen.“

Genau dies könnte München zu neuem Ruhm verhelfen. Unter Kennern werde München bereits als die neue Hauptstadt der Street Art gehandelt, sogar eine Art „Street Art Tourismus“ gebe es bereits, so Pohl. „Menschen aus der ganzen Welt kommen nach München, um diese Werke zu sehen“, sagt er. Und ein wenig Stolz ist er darauf vielleicht doch.

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