Sicheres Obdach im Corona-Winter?

So funktioniert Münchens Wohnungslosenhilfe in Zeiten der Pandemie

Obdachlose gehen zum Übernachtungsschutz in die Bayernkaserne.
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Obdachlose auf dem Weg zum Übernachtungsschutz in der Bayernkaserne, der derzeit ganztags geöffnet ist und etwa 370 Personen beherbergt: Am Donnerstag debattiert der Sozialausschuss der Stadt darüber, das Ganztagsangebot zu verlängern.

Wie sich die Obdachlosenhilfe der Stadt für den Corona-Winter gerüstet hat. Hallo hat nachgefragt...

München Etwa 9000 Wohnungslose leben in München in Notquartieren oder ähnlichen Unterkünften. Circa 550 weitere schlagen sich nach Schätzungen des Sozialreferats ganz ohne Obdach durch, können aber nächteweise in Gebäuden der ehemaligen Bayernkaserne schlafen.

„Mit Ausbruch der Corona-­Pandemie wurde ersichtlich, dass gerade Personen in Unterkünften der Wohnungslosenhilfe gefährdet sind, sich mit dem Virus anzustecken“, sagt Frank Boos vom Sozialreferat. Hallo hat nachgefragt, wie sich die Obdachlosenhilfe der Stadt für den Corona-­Winter gerüstet hat.

Zusammenleben im Übernachtungsschutz:

„Aufgrund der Pandemie und des Lockdowns im Frühjahr 2020 wurde der Schutz auf ein ganztägiges Angebot umgestellt“, sagt Sozialreferats-­Sprecher Boos. Ende Oktober hatte der Stadtrat diese Ausnahme eigentlich beendet, dann kam der „Lockdown Light“. Am Donnerstag, 10. Dezember, wird im Sozialausschuss debattiert, ob das Ganztagsangebot weiter verlängert wird.

„Im Übernachtungsschutzprogramm gibt es seit Oktober dieses Jahres ein Quarantäne-­Stockwerk“, so Boos weiter. Dort werden erkältete Obdachlose und Tagelöhner, die gerade aus dem Ausland nach München gereist sind, untergebracht. Zuletzt waren es sieben bis acht.

Die normalen Mehrbettzimmer sind derzeit nur zur Hälfte belegt, wie Andreea Garlonta vom Schiller 25, welches die Einweisung koordiniert, berichtet. Zudem hat die Stadt eine Pension angemietet, in der Personen, die als Risikopatienten eingestuft werden, schlafen können.

Isolations-Einrichtungen:

Zum Stichtag 6. Dezember befanden sich laut Sozialreferat 65 Personen in speziellen Quarantäne­Unterkünften. Dorthin werden etwa nachweislich Infizierte und Kontaktpersonen aus der Bayernkaserne verlegt. Die Unterkünfte sind aber auch für Betroffene aus Flüchtlingsheimen oder Notquartieren gedacht, die in ihren Einrichtungen nicht isoliert werden können.

Insgesamt stehen der Stadt 260 Quarantäne-Betten zur Verfügung – allein 200 in einem Hotel in Schwabing. Dieses wurde im September von der Stadt für vorerst vier Monate angemietet.

Dort stehen nicht nur Kühlschrank, Internet und und TV zur Verfügung, sondern auch Frühstück, Mittag und Abendessen vom Hotel. „Es handelt sich bei der Quarantäne-Unterbringung um eine Minimalversorgung mit Dingen des täglichen Lebens“, teilt das Sozialreferat dazu mit.

„Kühlschränke, Wlan und TV sind mittlerweile in nahezu allen Hotelzimmern in München Standard“. Wie viel die Anmietung die Stadt kostet, sei noch nicht endgültig abschätzbar.

Corona-Tests:

Um etwa im Übernachtungsschutz schlafen zu dürfen, ist kein negativer Corona­-Test vorzulegen. Personen mit Erkältungssymptomen werden aber – auch ohne Krankenversicherung – getestet. Finanziert wird das aus einem Sondertopf der Stadt. Kontaktpersonen werden auf Veranlassung des Gesundheitsamtes getestet.

Bereits zwei Mal mussten ganze Unterkünfte unter Quarantäne gestellt werden. Dann „wurden Reihentestungen durchgeführt, um die Infektionsketten zu unterbrechen“, so das Referat für Gesundheit und Umwelt.

So steht´s um Essensausgaben:

Corona-bedingte Veränderungen gibt es auch bei der Armenspeisung der Stadt. „Unsere Essensausgabe ist geschlossen, wir geben nur Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag jeweils von 10 bis 11 Uhr Essenspakete to go aus“, erklärt Robert Greiner von Sankt Bonifaz am Königsplatz.

Genauso ist es bei den armen Schulschwestern am Unteren Anger. Außer Obst kann die Heilsarmee in Mittersendling derzeit gar keine Lebensmittel oder Speisen anbieten. Auch im Kloster der Englischen Fräulein in der Maria-Ward-Straße ist die Ausgabe eingestellt.

Dabei wären sie gerade jetzt notwendig. Zur Ausgabe einer Brotzeit an der Herz-Jesu-Kirche kommen seit der Pandemie bis zu 136 Personen täglich. 2019 waren es im Schnitt 97. Noch deutlicher sind die Zahlen bei der katholischen Bahnhofsmission am Hauptbahnhof:

Die Nachfrage bei der Essensausgabe hat sich seit 2019 verdoppelt

Leiterin Bettina Spahn

Etwa 20.000 Kontakte hat die Bahnhofsmission derzeit im Monat, obwohl auch sie ihr Angebot abspecken musste. „Eine Essensausgabe ist nur noch durchs Fenster möglich.“ Einen Platz zum Aufwärmen gibt es seit Anfang Dezember hingegen in einer früheren Apotheke an der Ecke Bayerstraße/Bahnhofsplatz.

In der Korbinian-Küche des Caritasverbandserhalten Bedürftige täglich von 12 bis 17 Uhr eine heiße Suppe, Kaffee oder Tee. „Menschen, die oft den ganzen Tag draußen sind, können jetzt zumindest drinnen essen“ , sol Caritas-Geschäftsführer Harald Bachmeier.

rea/esm/mjh

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