Mieter-Schock 

Anwohner-Protest gegen Nachverdichtung in München Schwabing – Sogar Küchenfenster und Balkone sollen zugemauert werden

Protest gegen Nachverdichtung: Anwohner heben die Fäuste.
+
Protest gegen Nachverdichtung: Anwohner heben die Fäuste.

Die Versicherungskammer Bayern plant in München Schwabing ist eine massive Nachverdichtung, doch die Mieter haben davor nur durch Zufall erfahren. Jetzt regt sich erster Protest.

  • Versicherungskammer Bayern plant Nachverdichtung in Schwabing.
  • Wohnungen würden umgebaut, Balkone, Fenster und Grünanlagen würden verschwinden.
  • Die betroffenen Bewohner in München haben von dem Plan durch Zufall erfahren.

Der Schock bei den Bewohnern der Ansprengerstraße 25 sowie der Degenfeldstraße 10 bis 14 ist riesig: Die Versicherungskammer Bayern, Eigentümerin der Immobilien, plant eine massive Nachverdichtung von etwa 100 neuen Mietwohnungen und hat jetzt eine Bauvoranfrage bei der Stadt gestellt. 

Hierzu sollen die bestehenden, achtstöckigen Gebäude aufgestockt sowie durch neue fünfstöckige Wohnblöcke miteinander verbunden werden. Zudem ist ein Kindergarten geplant, wo derzeit ein Spielplatz ist. Für die Anwohner würde das bedeuten, dass eine große Zahl der Wohnungen umgebaut werden müsste, Balkone und Fenster sowie viel Grün verschwinden würden. 

Anwohner wollen ihren Spielplatz und ihre Grünflächen  erhalten.

Irene F. lebt mit ihrer Familie seit neun Jahren in einem der Gebäude, ihr würde Balkon und Küchenfenster zugemauert werden. „Für die Kinder wäre es eine Katastrophe, den Garten zu verlieren“, klagt sie. Viele Mieter sind bereits älter, haben ihr ganzes Leben dort verbracht. 

Versicherungskammer Bayern plant Nachverdichtung in München

Elenore Bermüller wohnt bald 60 Jahre in ihrer Wohnung. Für sie steht fest: „Ich habe nicht mehr die Kraft, auszuziehen.“ Worin sich außerdem alle einig sind: Die Grünfläche müsse unbedingt erhalten werden – für das Klima und die Tiere. Deshalb haben sie eine Unterschriftensammlung gestartet, auf der inzwischen rund 160 Menschen unterschrieben haben. Zudem werde man so schnell wie möglich einen Mieterbeirat bilden, um mehr Kraft zu entwickeln. 

Ein Wohnblock, der die bestehenden Gebäude verbindet, würde Flora und Fauna und den eigenen Lebensraum zerstören.

Dass die Bewohner von den Plänen erfahren haben, war indes Zufall: Mieterin Marina Burwitz ist Grünen-Mitglied im Bezirks­ausschuss. Dort war das Thema jüngst auf der Tagesordnung. Das Viertelgremium hat das Vorhaben sowie jegliche Bebauung an der Stelle jedoch abgelehnt. „Wir sind der am dichtesten besiedelte Stadtteil, man kann nicht jeden Innenhof zubauen“, warnt die BA-Vorsitzende Gesa Tiedemann (Grüne). 

Eine Sprecherin der Versicherungskammer Bayern erklärt auf Hallo-Anfage, dass man derzeit die Antwort der Stadt abwarte. „Sollte sich unser Bauvorhaben in nächster Zeit konkretisieren, werden wir umfassend und rechtzeitig unsere Mieter über die baulichen Maßnahmen und Schritte informieren“, so die Sprecherin. 

Kassandra Fischer

Auch interessant:

Meistgelesen

„Ich bin vorsichtiger geworden" – Rabbi aus München versteckt nach antisemitischem Attacke seine Kippa
„Ich bin vorsichtiger geworden" – Rabbi aus München versteckt nach antisemitischem Attacke seine Kippa
In Brunnthal soll das Verkehrskonzept überarbeitet werden
In Brunnthal soll das Verkehrskonzept überarbeitet werden
Nordfriedhof München: Zweite Sphinx enthüllt - Ensemble wieder komplett
Nordfriedhof München: Zweite Sphinx enthüllt - Ensemble wieder komplett
Buntes „Gefängnis“ am Luise-Kiesselbach-Platz – Künstler gestaltet  SWM-Häuschen 
Buntes „Gefängnis“ am Luise-Kiesselbach-Platz – Künstler gestaltet  SWM-Häuschen 

Kommentare