Stress statt Stille

Nur Schüler haben am Buß- und Bettag frei – Eltern können Notbetreuung nutzen

Mutter arbeitet im Home Office, während das Kind zu Hause bleiben muss.
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Wenn das Kind am Buß- und Bettag zu Hause bleibt, beginnt der Stress im Home Office.

Am Buß- und Bettag bleiben die Schulen zu. Für arbeitende Eltern bedeutet dies während Corona mehr Stress. Kirchen können sich einen gesetzlichen Feiertag vorstellen.

  • Seit 25 Jahren bleiben am Buß- und Bettag die Schulen zu
  • Eltern kämpfen gerade in Corona-Zeiten mit Betreuungsproblemen - Möglichkeiten der Notbetreuung
  • Kirchen wünschen sich Einführung eines gesetzlichen Feiertages

Vor 25 Jahren wurde der Buß- und Bettag als gesetzlicher Feiertag zur Finanzierung der Pflegeversicherung abgeschafft. Es wird gearbeitet – Schulen bleiben aber geschlossen. Das Jubiläumsjahr stellt Eltern vor größere Probleme denn je: Betreuungsangebote von Sportvereinen und Initiativen fallen heuer wegen Corona aus.

Für Nicole Müller aus Pasing schwierig: „Ich arbeite 30, mein Mann 40 Stunden pro Woche. Wir haben für die Betreuung unseres Sohnes Paul beim Lockdown den Urlaub fast aufgebraucht.“ Die Großeltern waren schon in den Herbstferien im Einsatz. „Sie gehören aber zur Risikogruppe.“

Am Buß- und Bettag bleiben die Schulen zu - Eltern stehen vor Problemen

Doch nicht nur Eltern, die nicht wissen, wie sie selbst arbeitend am kommenden Mittwoch ihre Kinder betreuen sollen, auch die Landeskirchen würden sich den Buß- und Bettag wieder als gesetzlichen Feiertag wünschen. „Nach wie vor treten wir dafür ein“, sagt der Sprecher der evangelischen Landeskirche in München, Johannes Minkus. Auch Stadtdekan Dr. Bernhard Liess (Foto) spricht sich dafür aus: „Es gibt sehr viele Menschen in unserer Kirche, die sich wünschen, dass der Buß- und Bettag wieder ein gesetzlicher Feiertag wird.

Stadtdekan Dr. Bernhard Liess

Die Kirchen könnten sich noch einmal für die erneute Wiedereinführung des Feiertages stark machen. „Die Initiative müsste für Bayern von der evangelischen Landeskirche ausgehen, die sich in dieser Frage auch mit der katholischen Kirche abstimmen würde“, sagt Ursula Hinterberger von der Pressestelle der Erzdiözese München und Freising.

Buß- und Bettag: Einzelne Kirchen wünschen sich gesetzlichen Feiertag

Stadtdekan Dr. Liess: „Persönlich bin ich skeptisch, ob das wieder gelingen kann. Dazu hätte man 1995 deutlicher protestieren müssen. Aus den Kirchengemeinden habe ich bislang noch nicht von Initiativen oder Diskussionen zu diesem Thema erfahren.“ Allgemein bedauert er den Wegfall: „Der Tag hat damit die Stille, Ruhe und die Möglichkeit, über das eigene Leben nachzudenken, verloren.“

Nicole Müller rechnet schon jetzt – wie die meisten Eltern – mit jedem einzelnen Urlaubstag: „Am Buß- und Bettag übernimmt mein Mann die Betreuung von Paul. Ich habe nur noch vier Tage übrig. Die werden wir aber brauchen, für die diesmal langen Weihnachtsferien bis 11. Januar – oder den nächsten Lockdown.“

Unbezahlt frei

Nur in Sachsen ist der Buß- und Bettag weiterhin gesetzlicher Feiertag. In den anderen Bundesländern ist es jedem Arbeitnehmer gestattet, sich an diesem Tag freizunehmen, wenn er sich auf seine religiösen Pflichten beruft. Es muss keine Urlaub genommen, aber auf den Lohn für diesen Tag verzichtet werden. 

Notbetreuung

Das Lilalu-Ferienprogramm der Johanniter bietet am 18. November einen bunten Schnuppertag für Kinder von fünf bis 13 Jahren im Feierwerk am Westpark an. Das Programm dauert von 9 bis 16 Uhr, kostet regulär 19 Euro, ermäßigt 3,50 bis 8,15 Euro. Ein Lunchpaket ist dabei. Tickets gibt es hier.

Der MTV München bietet in der Häberl und Werdenfelsstraße ein Tagesprogramm unter Einhaltung der Hygieneauflagen an. Infos und Anmeldung hier.

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