Verschärfte Notlage

Boom bei Caritas-Schuldnerberatungen in München und im Landkreis – Kreistag beschließt Hilfsfonds

Das Portemonnaie ist leer: Immer mehr Münchner haben Existenznöte und lassen sich etwa bei der Caritas beraten.
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Das Portemonnaie ist leer: Immer mehr Münchner haben Existenznöte und lassen sich etwa bei der Caritas beraten. (Symbolbild)
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Durch die Corona-Pandemie geraten immer mehr Menschen in finanzielle Notlage. Caritas-Schuldnerberatung in München und im Landkreis verzeichnet Rekordzahlen.

  • Durch Corona geraten immer mehr Menschen in eine finanzielle Notlage.
  • Die Schuldnerberatung der Caritas in München und im Landkreis verbucht seit Pandemie-Beginn Rekordzahlen.
  • Der Kreistag des Landkreises beschließt einen spendenfinanzierten Hilfsfonds.

Update: 26. Februar, 10.49 Uhr

Corona in München und im Landkreis: Kreistag beschließt spendenfinanzierten Hilfsfonds für Menschen in Notlage

Je länger die Corona-Pandemie andauert, desto mehr Menschen geraten in Not – auch im Landkreis München. Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit, Mini-Jobverträge werden kurzerhand gekündigt, die Aussichten auf eine neue Arbeitsstelle sind gering. Vielen Menschen sind mittlerweile in existenziellen Schwierigkeiten, auch wenn Bund und Freistaat zur Abhilfe zahlreiche Gesetzesänderungen und Hilfsprogramme auf den Weg gebracht haben. Sowohl bei den Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände, wie der Caritas, als auch bei Tischen und Tafeln ist ein deutlich gestiegener Unterstützungsbedarf spürbar.

Dass auch der Landkreis seinen Bürgerinnen und Bürgern Hilfe anbieten will, darin waren sich am Montag sämtliche Mitglieder des Kreisausschusses einig. Nachdem eine unmittelbare finanzielle Hilfe durch den Kreishaushalt aus rechtlichen Gründen aber nicht möglich ist, wurde die Idee eines spendenfinanzierten Hilfsfonds geboren.

Der Fördertopf, der sich aus Zuwendungen von Privatpersonen und Firmen speisen soll, die von der Corona-Pandemie nicht oder nicht so stark in Mitleidenschaft gezogen worden sind, soll von den Wohlfahrtsverbänden und Nachbarschaftshilfen verwaltet und bewirtschaftet werden.

Diese können unbürokratisch Hilfe leisten, beispielsweise durch Sachspenden, Begleichung unaufschiebbarer Zahlungen wie ausstehender Wohnnebenkosten, die zu einer Kündigung führen könnten, oder Lebensmittelspenden. Das Landratsamt unterstützt die Wohlfahrtsverbände bei der Bewerbung des Spendenfonds.

„Manchmal ist es schwieriger als gedacht, konkrete, vor allem finanzielle Hilfe zu leisten“, kommentiert Landrat Christoph Göbel (CSU) die Darstellung der Rechtslage. Umso zufriedener zeigt sich der Landrat über die am Ende gefundene Lösung.

Mit dem spendenbasierten Nothilfefonds können wir den Bürgerinnen und Bürgern in unserem Landkreis in Zusammenwirken mit Wohlfahrtsverbänden und Nachbarschaftshilfen unbürokratisch und vergleichsweise kurzfristig ganz konkrete Hilfsangebote machen – Unterstützung, die schnell und an der richtigen Stelle ankommt.

Landrat Christoph Göbel (CSU)

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Ursprünglicher Artikel von Samstag, 21 Februar:

München/Landkreis - Die Corona-Pandemie bringt immer mehr Menschen in München und dem Umland in Existenznot. Das zeigen Zahlen der Caritas, die seit 2020 deutlich mehr Sozialberatungen durchgeführt hat.

Corona in München und im Landkreis: Caritas-Schuldnerberatung meldet mehr Menschen in Notlage - Hilfsfonds gefordert

„Für die ersten sechs Wochen 2021 ist der Beratungsbedarf in der Landeshauptstadt um etwa 30 Prozent gestiegen“, sagt Franziska Fritz, stellvertretende Caritas-Geschäftsführerin der Region München.

Im Landkreis München gab es bereits im vergangenen Jahr 600 soziale Beratungen mehr als 2019. Bei der Schuldnerberatung drohen heuer bereits jetzt Rekordzahlen: „Allein im Januar haben wir über 400 Fälle gehabt. Unsere Zielzahl für das ganze Jahr liegt bei 750“, erklärt Antje Spilsbury, stellvertretende Geschäftsführerin der Landkreis-Caritas. Dabei treffe es immer mehr Personen aus der Mittelschicht, so Spilsbury: „Eine Lehrerin in Elternzeit und ihr Mann, der Corona-bedingt in Kurzarbeit muss, können jetzt ihre Miete nicht mehr stemmen. Diese Menschen sind unverschuldet in eine finanzielle Notlage geraten.“

Für Betroffene fordert die Caritas nun eine schnelle, zielgerichtete Unterstützung – etwa durch einen Hilfsfonds. Ein solcher in Höhe von 500.000 Euro wird auf Antrag der Grünen am Montag, 22. Februar, im Kreisausschuss des Landkreises diskutiert. Zugleich fordern sie die Einrichtung einer weiteren Schuldnerberatungsstelle.

Die Landkreis-SPD unterstützt die Idee eines Sonderhilftopfs, will aber keine neuen Stellen schaffen. Zudem sei das Konzept noch nicht konkret genug. In einem eigenen Antrag schlägt die SPD daher vor, dass Mitglieder der Nachbarschaftshilfen oder Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege die Notwendigkeit einer Auszahlung prüfen. Landrat Christoph Göbel und seine CSU-Fraktion haben sich bis zum Redaktionsschluss nicht zum Hilfsfonds geäußert.

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