Schanigärten für immer

Schanigärten für immer: Wie Freischankflächen heuer München prägten – und es auch in der Zukunft tun werden

Der Schanigarten vor dem Holy Home im Glockenbachviertel.
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Der Schanigarten vor dem Holy Home im Glockenbachviertel.

Der Sommer in München war von der Corona-Pandemie geprägt, aber auch von den Schanigärten. Ein Bildband zeigt, wie Freischankflächen heuer das Stadbild veränderten.

  • Die Schanigärten prägten das Stadtbild im Sommer.
  • Die Freischankflächen in München sollen wohl weiterhin erlaubt werden.
  • Architekt Alexander Fthenakis hat für den Bildband Schanitown 114 Schanigärten fotografiert.

Die einen setzten auf Paletten, die einen auf Pflanzen, andere auf Farben: Die „Schanigärten“ der Gastronomen prägten im Sommer das Stadtbild. Jetzt könnten sie wohl für immer bleiben: Die Rot-grüne Rathauskoalition will jetzt die zusätzlichen Freischankflächen jedes Jahr in den warmen Monaten zu erlauben.

Und noch bevor die Stadt möglicherweise die schönsten Exemplare mit einem Preisgeld auszeichnet (siehe unten), hat der Münchner Architekt Alexander Fthenakis eine Auswahl auf andere Weise gewürdigt: Für den Bildband Schanitown („Sorry Press“) hat er 114 der rund 900 genehmigten Schanigärten fotografiert. Oder besser: verewigt.

Denn: „Sie bringen etwas ins Stadtbild, was man in München kaum antrifft: spontane, improvisierte Architektur, die sich auch wandelt“, erklärt der 42-Jährige. „Es gibt im Buch Schanigärten, die sahen vor zwei Wochen noch anders aus.“

Sein Bildband ist also einerseits eine Momentaufnahme und ein Festhalten eines außergewöhnlichen Sommers mit dem Erfolgsmodell Schanigarten. Andererseits hat er die temporären Bauten lose – und mit einem Augenzwinkern – kategorisiert.

Schanigärten in München - Freischankflächen prägen das Stadtbild im Sommer

Der Euroschani zeichnet sich etwa durch den Bau mit Europaletten aus, der Schlosserschani setzt auf Metallelemente. Besonders in Auge gestochen ist dem Architekten einer, den er zum Typ „Designerschani“ zählt: Das Pizzesco, das mit einer Wäscheleine neapolitanischen Flair ins Westend.

Beispiel, wie Schanigärten das Stadtbild im Sommer prägten: beim Pizzesco im Westend.

Der Stadtrat hat in diesem Jahr die Genehmigung sogar über den Winter bis zum 31. März verlängert – und im gleichen Zuge auch mit Ökostrom betriebene Heizpilze erlaubt. Wie viele der 8700 im Sommer geschaffenen Sitzplätze im Freien tatsächlich bleiben, wird sich erst zeigen.

Aber: „Einige Betreiber beginnen schon, Dächer zu bauen“, weiß Fthenakis. Vielleicht wird er also seiner Typologie der Schanigärten bald einen weiteren hinzufügen müssen: den Wintergarten-Schani. Oder Winter-Schanigarten.

Der Schanigarten beim Attentat Griechischer Salat in Giesing.

Die Gastronomen selbst sind trotz Freischankflächen weiter in Alarmbereitschaft

„Wir alle haben Angst vorm Winter“, sagt Nockherberg-Wirt und Dehoga-Kreisvorsitzender Christian Schottenhamel. „Die Befürchtung ist, dass die Menschen nicht nach innen gehen wollen“, so der Gastronom. Das sei für ihn aber nicht nachvollziehbar: „Nur 0,5 Prozent der Ansteckungen erfolgen in der Gastronomie.“

Die Freischankflächen draußen bezeichnet Schottenhamel als „Trostpflaster“. „Das kann gerade an Dezembernachmittagen bei Sonnenschein für Geschäft sorgen.“ Er hoffe deshalb, dass viele Gastronomen die Schanigärten weiter nutzen würden. Aber: „Das hilft nicht darüber hinweg, dass wir mit großen Umsatzeinbußen zu kämpfen haben.“

Helfen könnten alternative Konzepte. Am Nockherberg wird es heuer zum Beispiel einen Wintermarkt mit Glühwein und Eisstockbahnen geben. „Überdacht, aber an der frischen Luft“. Eine Prognose, wie es danach weitergeht, wagt Schottenhamel nicht abzugeben. „Was ist an Weihnachten? Mit Silvesterfeiern? Von vielen Kollegen habe ich gehört: Ich mache gar keine Planung.“

Der schönste Schanigarten in München - Preisgeld für die Gastro

Die Stadt soll die schönsten Schanigarten mit einem Preisgeld auszeichnen – das forderte jetzt CSU-Stadtrat Thomas Schmid. „Viele Gastronomen geben sich besondere Mühe bei der Gestaltung und diese soll in der besonderen Situation auch belohnt werden“, sagt er auf Hallo-Anfrage.

Denn sie tragen auch dazu bei, dass die Stadt schöner wird.

Thomas Schmid

Sechs Monate hätte die Verwaltung jetzt Zeit, um den Antrag zu beantworten. Schmid pocht jedoch auf eine frühere Bearbeitung.

Was ist ein Schanigarten?

Der Begriff „Schanigarten“ stammt aus Wien – seine Geschichte ist allerdings unklar. Es gibt mehrere Theorien: Auf wienerisch steht „Schani“ für einen Kellner – ursprünglich vom französischen „Jean“ oder dem italienischen „Gianni“ kommend, weil vor allem Italiener Tische vor ihren Cafés aufstellten.

Eine andere Theorie besagt, dass Schani eine Verkürzung von „Schau nur hin“ ist – der scherzhaften Aufforderung an die Passanten, ungehemmt beim Verzehr zuzusehen. Übrigens: Im Unterschied zum „Gastgarten“ sitzen die Besucher im Schanigarten auf öffentlichen Flächen. 

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