Evangelischer Regionalbischof über Ostern während Corona

Der evangelischer Regionalbischof Christian Kopp im Gespräch mit Hallo München - „Es gibt immer eine Zukunft nach der Krise“

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Es ist das erste Ostern seit über 40 Jahren, an dem Regionalbischof Christian Kopp kein Osterfeuer erlebt.

Ostern während Corona: Münchens neuer evangelische Regionalbischof Christian Kopp erklärt im Interview, warum ihm die Feiertage trotzdem Hoffnung machen. 

  • In Zeiten von Corona müssen Münchens Ostergottesdienste via Livestream im Internet stattfinden. 
  • Der neue evangelische Regionalbischof Christian Kopp erklärt im Interview, warum ihm die Feiertage trotzdem Hoffnung machen.
  • Auch seine Frau ist an dem Virus erkrankt. 

München - An Ostern muss Münchens neuer evangelischer Regionalbischof auf ein großes Feuer und Gottesdienste verzichten. Warum ihm diese Feiertage trotzdem besonders viel Hoffnung machen, wie er Kontakt zu seinen Enkeln hält und wie seine Frau selbst die Corona-Erkrankung überstanden hat, erzählt der 55-Jährige im Interview

Regionalbischof Christian Kopp im Interview über Ostern und Corona 

Herr Kopp, die Bild-Zeitung hat neulich getitelt: „Ostern fällt heuer aus“... Was sagen Sie als Münchens evangelischer Regionalbischof dazu? 

Niemals. Das Osterfest erzählt davon, dass das Leben stärker ist als alles andere. Wir geben oft beispielsweise den tödlichen Kräften viel Aufmerksamkeit. An Ostern gilt alle Kraft und alles Licht dem Leben. In der Auferstehung Christi liegt ein Riesenwunder, das kein Mensch versteht, das man nur glauben kann.

Hat das Osterwunder in diesen Zeiten eine besondere Bedeutung für Sie? 

Ich glaube, in diesem Jahr tut uns das Osterwunder besonders gut. Diese Hoffnung. Es wird nicht so bleiben. Es ist eine absolute Ausnahmesituation, in der wir jetzt sind. Das dürfen wir nicht vergessen. Das Leben hat so viele hoffnungsvolle und helle Seiten.

Aber in diesen Zeiten fürchten sich trotzdem viele Menschen nicht nur vor dem Virus, sondern auch vor den wirtschaftliche Folgen dieser Krise... 

Die wird es geben – auch für uns. Wir hängen sehr an den gesellschaftlichen, finanziellen Entwicklungen, nicht nur wegen der Kirchensteuer. Wenn Menschen in finanzielle Nöte kommen, spenden sie weniger. Aber die Menschheit hat in ihrer Geschichte soviel verschiedene Krisen überstanden. Es gibt immer eine Zukunft.

Christian Kopp: "Es ist bedrückend, wenn ich durch die Innenstadt ins Büro radle und es so leer ist."

Wie erleben Sie persönlich die Situation? 

Es ist bedrückend, wenn ich durch die Innenstadt ins Büro radle und es so leer ist. Alles was ungewohnt ist, verunsichert. Und ich denke viel nach. Die Frage: Was ist mir wichtig, für mich und mein Leben – die stellt sich gerade, glaube ich, jeder.

Haben Sie schon eine Antwort für sich? 

Mit Menschen schöne Sachen zu erleben, tiefe Begegnungen zu haben. Dafür lebe ich. Deswegen bin ich auch Pfarrer geworden.

Aber wie funktioniert die Seelsorge denn aktuell – gerade mit den Älteren, die vielleicht einsam, aber in Zwangsisolation sind? 

Unsere Kollegen haben am ersten Tag der Ausgangsbeschränkungen angefangen zu telefonieren. In den Kirchengemeinden versuchen wir Telefonlisten zu erstellen – von denen, die Seniorenkreise, sonstige Angebote oder die Gottesdienste besuchen.

Christian Kopp ist Münchens neuer evangelischer Regionalbischof. 

"Weil meine Frau an Corona erkrankt war, durfte ich die Live-Übertragung der Osternacht nicht wie geplant begleiten"

Können Sie sich ein Ostern ohne Gottesdienste vorstellen? 

Das ist das schmerzlichste überhaupt. Ich bin nicht mit der Muttermilch aufgezogen religiös. Ich bin es durch die Jugendarbeit geworden. Das schönste damals waren die Osternacht-Feiern. Wenn man um 5 Uhr angefangen hat und danach gemeinsam gefrühstückt hat – das war toll. Diese Sehnsucht, die merke ich jetzt schon. Das ist das erste Mal seit ich 14 Jahre bin, dass ich kein Osterfeuer erlebe, wo man das Licht dann in die Welt trägt. Das tut richtig weh. Wir versuchen es über die Medien. Aber es ist nicht das Gleiche.

Welchen Gottesdienst werden Sie halten? 

Weil meine Frau an Corona erkrankt war, durfte ich die Live-Übertragung der Osternacht nicht wie geplant begleiten. Das macht jetzt der Landesbischof. Ich halte eine Osterfeier in der Lukaskirche, die wir dann am Ostersonntag über Video streamen.

Wie geht es Ihrer Frau? 

Sie hat das schon richtig durchgemacht, aber stabil. Ich war in häuslicher Quarantäne mit ihr, bin aber negativ getestet.

Christian Kopp: "Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir als Gesellschaft wieder anders miteinander umgehen"

Sie sind junge Großeltern. Werden Sie trotzdem jeglichen Kontakt zu den Enkeln meiden? 

Ich halte mich schon an alle Regeln. Meine Enkel werden jetzt vier und zwei Jahre alt und leben in der Nähe von Augsburg. Wir sehen uns jeden Tag über Facetime. Und alle zwei Tage schicken meine Frau und ich ihnen ein fünfminütiges Video, in dem sich unsere Eselpuppe und unser Tiger über die aktuelle Situation unterhalten. Darauf freuen sie sich immer sehr.

Zahlreiche Trauungen und Taufen wurden im Dekanat München verschoben – und natürlich die Konfirmation von 1500 Jugendlichen. Wann werden die stattfinden? 

Mehrere Kirchengemeinden haben jetzt vor, die Konfirmation am ersten Advent zu feiern, einige im September. Manche Mutigen haben den Juli als Ersatztermin vorgesehen. Das Allerwichtigste ist, dass man den Familien nahebringt: Lasst uns im Gespräch bleiben!

Wie glauben Sie, wird sich die Gesellschaft nach Corona verändert haben? 

Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir als Gesellschaft wieder anders miteinander umgehen. Weniger ellbogenmäßig, sondern respektvoller. Weil wir gemerkt haben, wir sind alle voneinander abhängig.

München: Der evangelische Regionalbischof Christian Kopp - zur Person

Christian Kopp ist am 15. Oktober 1964 in Regensburg geboren und in Garmisch-Partenkirchen aufgewachsen. Er studierte Theologie in München, Erlangen, Bern und Tübingen. Die letzten 20 Jahre hat er in Nürnberg gelebt, wo er auch seit 2013 als Dekan tätig war. Seit dem 1. Dezember 2019 hat er als evangelischer Regionalbischof die Nachfolge von Susanne Breit-Kessler angetreten. Somit ist er für 150 Kirchengemeinden und fast 500 000 Christen inMünchen und Oberbayern zuständig. Für ihn wird Ostern ein besonderer Neuanfang. Kommende Woche zieht er mit seinem gesamten Hausstand und seiner Frau, die ebenfalls Pfarrerin ist, in seine Dienstwohnung im Lehel, wo er bisher nur ein kleines Apartment bewohnt hat. Das Paar hat zwei Kinder und zwei Enkel.

Gottesdienste in München: So Kommt das Wort Gottes An Ostern zu Ihnen nach Hause

Das Bayerische Fernsehen sendet am Karsamstag, 11. April, von 22 bis 23 Uhr live einen evangelischen Gottesdienst zur Osternacht aus der Himmelfahrtskirche in Sendling. Die Predigt hält der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Regionalbischof Christian Kopp wird eine Osterfeier in St. Lukas halten, die dann am Ostersonntag, 12. April, ab 10 Uhr unter sanktlukas.de/video abgerufen werden kann. Kardinal Reinhard Marx wird im Liebfrauendom zur Osternacht am 11. April um 21 Uhr und am Ostersonntag, 12. April, um 10 Uhr einen Gottesdienst zelebrieren, der unter www.erzbistum-muenchen.de/stream live gestreamt werden kann. Eine Tonübertragung ist im Münchner Kirchenradio über das Digitalradio DAB+ zu hören. Gleiches gilt für den Gottesdienst von Domdekan Lorenz Wolf am Ostermontag, 13. April, um 10 Uhr.

Maren Kowitz

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