Doppelt gehandicapt 

Mundschutz als Sprach-Bremse – So hart trifft die Corona-Krise gehörlose Menschen

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In Geschäften und ÖPNV muss ab Montag ein Mundschutz getragen werden.

In Bayern gilt ab Montag Maskenpflicht in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr. Für Gehörlose ist das ein Problem - eines von vielen in Zeiten von Corona.

  • Ab Montag gilt Maskenpflicht in Bayern.
  • Für Gehörlose ist das ein doppeltes Handicap.
  • Es gibt auch weitere große Problem in Zeiten von Corona.

Ihre Welt ist still. Sie bleibt still, wenn jemand spricht. Cornelia von Pappenheim sieht nur, wie sich die Lippen bewegen. Sie ist eine von geschätzt 2200 bis 2600 Gehörlosen in München und Umland – und schlägt nun Alarm. „In der Corona-Krise sind wir doppelt gehandicapt“, sagt sie im Interview, das eine Gebärdensprachdolmetscherin ins gesprochene Wort übersetzt. 

Cornelia von Pappenheim,  Geschäftsführerin des hiesigen Gehörlosenverband.

Konkret bedeutet das: Menschen, die nichts oder nur kaum etwas hören, können nun nicht einmal mehr Lippenlesen – mit Atemschutzmasken ist das unmöglich. „Das bedeutet nicht, dass wir gegen die Maskenpflicht sind“, räumt von Pappenheim ein, die sich als Geschäftsführerin des hiesigen Gehörlosenverbands für Betroffene stark macht. „Sondern, dass der Gehörlosenverband München und Umland die Regierung für Handlungsempfehlungen bittet. Die Gesellschaft müsse besser sensibilisiert werden.“ 

Maskenpflicht als Problem – die Corona-Krise trifft Gehörlose

Bilder einer amerikanischen Studentin, die durchsichtige Atemschutzmasken entwickelt hat, geistern derzeit durch die virtuelle Welt. Ob sie geeignet sind, um die Kommunikation mit Gehörlosen besser aufrecht zu erhalten? „In der normalen Gesellschaft müssten alle dann die durchsichtigen Masken tragen, ich glaube kaum, dass man das durchsetzen kann“, sagt von Pappenheim. 

Eines der großen Probleme: „Gehörlose sind im Krankenhaus jetzt noch isolierter als vorher“, sagt von Pappenheim. Sie können nicht telefonieren, nicht Radio hören und im Fernsehen gibt es kaum Programm mit Untertiteln – und bei Notfällen sei oftmals nicht einmal ein Dolmetscher vor Ort, um ein Gespräch mit dem Arzt zu übersetzen. 

Deswegen steht für die Verbandschefin fest: „Die Regierung muss Handlungsempfehlungen für den Gesundheitsbereich abgeben.“ Der Einsatz von Präsenzdolmetschern sei zwar immer die bessere Alternative. Doch wo dieser nicht möglich sei, wäre ein sogenannter Kommunikationskoffer ein möglicher, niederschwelliger erster Schritt. Der Koffer enthalte dann unter anderem ein Tablet. Doch Voraussetzung für dessen Nutzung sei ein Internetzugang mit starker Leistung. Doch auch den gebe es leider nur selten.

hki

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