Lucy Alena Wilke

Mit Rollstuhl zum Tanzpreis ‒ Münchnerin gewinnt renommierte deutsche Theater-Auszeichnung

Lucy Alena Wilke mit ihrem Bühnenpartner Pawel Dudus.
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Lucy Alena Wilke mit ihrem Bühnenpartner Pawel Dudus.

Der Rollstuhl ist für die Münchnerin Lucy Alena Wilke kein Grund für Selbstmitleid oder Stillstand. Jetzt hat sie den deutschen Theaterpreis in der Kategorie Tanztheater bekommen.

  • Die Münchnerin Lucy Alena Wilke sitzt im Rollstuhl.
  • Für die Schwabingerin kein Grund für Selbstmitleid oder Stillstand.
  • In der Kategorie Tanztheater hat sie jetzt den deutschen Theaterpreis bekommen.

Die Münchnerin Lucy Alena Wilke hat eine angeborene Muskelkrankheit, die ihr Gehen unmöglich macht. Für sie jedoch kein Grund, sich in Selbstmitleid zu verlieren oder im Stillstand zu verharren.

Im Gegenteil: „Ich habe Lust auf Abenteuer, bin sensibel, verspielt und wild, habe viel Energie und will mich ausprobieren“, so die 36-Jährige im Gespräch mit Hallo.

Mehr noch: Für ihre Rolle im von ihr selbst geschriebenen Stück „Scores that shaped our friendship“ hat sie jetzt mit ihrem Bühnenpartner Pawel Dudus den deutschen Theaterpreis „Faust“ bekommen. Und das in der Kategorie Tanztheater.

Szene aus „Scores that shaped our friendship“

Münchnerin Lucy Alena Wilke bekommt deutschen Theaterpreis in der Kategorie Tanztheater

Wilke hatte sich zusammen mit ihrem Schauspiel-Kollegen – und engem Freund – Pawel Dudus für eine Debutförderung beim Münchner Kulturreferat beworben. „Als wir die Zusage erhielten, saßen wir gemeinsam auf dem Olympiaberg. Es war uns sofort klar: Wir müssen uns nichts aus den Fingern saugen. Wir machen ein Bühnenstück über unsere enge Freundschaft, über Sexualität, über unser Vertrauen und unsere Verbindung.

Schnell stand die Ausdrucksform fest: „Ich bin ein körperlicher Mensch, im Tanz kann ich mich ausdrücken.

In „Scores“ bewegen sich die Körper von Wilke und Dudus verschlungen tanzend auf dem Boden, sie verzichtet fast ganz auf den Rollstuhl: „Ich lote gerne meine Grenzen aus.

Die Schwabingerin Lucy Wilke.

Doch das Publikum solle nicht voyeuristisch auf das tanzende Paar draufschauen, sondern „Teil der intimen Geschichte“ werden und die Energie erleben. Die Ausdruckskraft der beiden Schauspieler hat die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste jedenfalls überzeugt.

Tanzpreis trotz Rollstuhl - Die Münchnerin Wilke und ihr Partner Dudus überzeugen mit Ausdruckskraft

Die junge, blonde Frau ist mitten in München aufgewachsen, in einer Künstler-Wagenburg. Ihr Papa, ein Bühnenbildner, baute den Wohnwagen um, mit ihrer erblindeten Mutter singt sie heute als Duo „blind&lame“.

Ihre Behinderung hindert die Schauspielerin nicht am selbstbestimmten Leben. „Ich will mich austoben, mein Leben lang!“

Sechs Assistenten zählen im Alltag zu ihrem Helferteam, unterstützen Wilke auf der Bühne und in ihrer Wohnung in Schwabing rund um die Uhr: „Das kann für alle auch mal stressig sein. Die Mischung zwischen Nähe und Professionalität. Meine Assistenten sind oft Mädchen für alles, Alltags-Helfer, aber auch Freunde.“

Der „Faust“ hat sie bei allem Selbstbewusstsein doch überrascht: Noch wandert der goldene, schwere Preis, der in Stabform einem Fernrohr ähnelt, durch viele Hände und Räume ihrer Wohnung. „Er sucht sich noch seinen Platz.“

Auch Wilke wandert weiter, hat Lust auf Neues: „Ich möchte musikalisch in Richtung HipHop experimentieren, neue Filmprojekte sind im Gespräch, ich werde modeln. Und ein Buch möchte ich schreiben!“ Man dürfte also 2021 noch mehr von Lucy Alena Wilke hören und sehen.

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