Corona vergrößert die Kluft

Corona in München: Eltern nun noch mehr gefordert - Experte gibt wichtige Tipps

Kind rechnet bei den Mathehausaufgaben am Schreibtisch vor seinem Heft.
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Bei einer Rechenschwäche bleibt das Kind beim zählenden Rechnen, ob real oder mit gedachten Fingern.

Schulen können schwache Schüler in Corona-Zeiten weniger unterstützen. Die Plattform „Legakids“ will Kindern mit Legasthenie fördern, doch auch Eltern sind gefragt.

  • Die Plattform „LegaKids“ will Kindern mit einer Lese-Rechtschreibschwäche helfen.
  • Corona vergrößert die Kluft zwischen guten und schwächeren Schülern.
  • Tipps für Eltern, um ihre Kinder frühzeitig zu unterstützen.

„Die Neugier zu bewahren, ist die Basis für das Lernen“, erklärt Michael Kortländer. Der 74-jährige Neuhauser setzt sich seit vielen Jahren für die Stärkung der Lesekompetenz und -freude ein – insbesondere bei Kindern, die unter Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten leiden. Nun wurde er für sein Engagement mit dem deutschen Lesepreis ausgezeichnet.

Michael Kortländer

Gemeinsam mit seinem Team betreibt der Psychotherapeut seit 2004 die Plattform „LegaKids“, die sich an Eltern wie Kinder richtet. Die spielerische Art, wie die Lernmaterialien vermittelt werden, nehme den Kindern den Leistungsdruck. Beispielsweise treten sie gegen das Lese- und Rechtschreibmonster Lurs an.

Eine zweite Plattform, „alphaPROF“, bietet kostenfreie Online-Fort- und Weiterbildung für Lehrer und Förderkräfte. Damit will er eine Lücke füllen. „Grundschullehrkräfte haben oft nur wenige Möglichkeiten, individuell auf Schüler einzugehen“, sagt er ohne Vorwurf.

Corona verschäft die Problemsituation der Lese-Rechtschreibschwäche bei Kindern

Nahezu jede Schule habe einen Stundenetat für zusätzliche Unterstützung der Kinder, um Förderbedarfe aufzufangen, erklärt Hannah Nadolny, Leiterin der Fachgruppe Förderlehrer im Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverband (MLLV).

Doch diese Förderung bleibt nicht erst durch Corona immer häufiger auf der Strecke: „Leider fallen sowohl von Klassen- als auch Förderlehrkräften immer mehr dieser Stunden dem Lehrermangel zum Opfer.“ Stattdessen müssten sie vertreten oder andere Aufgaben übernehmen. „Um die großen Leistungsunterschiede aufzufangen, bräuchten wir mehr Lehrkräfte, sowohl reguläre als auch Förderlehrkräfte.“

Die Rahmenbedingungen wie bessere Besoldungs- und Arbeitsbedingungen müssten sich ändern. „Die besten Lernergebnisse werden dort erzielt, wo eine gute Beziehung zwischen Lernendem und Lehrendem herrscht.“

In Home-Schooling-Zeiten sei laut Michael Kortländer das Thema bedeutender geworden: „Das zeigen unsere Zugriffszahlen.“ Beispielsweise das Lurs-Abenteuer verzeichnete seit Jahresbeginn über 65 000 Zugriffe. Corona könnte vorhandene Probleme verschlimmern: „Wir sind besorgt, dass die Kluft zwischen guten und mittleren Lesern zu schlechten noch größer wird.“ Denn durch die Pandemie ergeben sich neue Schwellen, wie fehlende technische Ausrüstung oder die fehlende Kompetenz im Umgang mit digitalen Medien.

Kinder bei Legasthenie möglichst frühzeitig unterstützen

„Bereits in der 1. Klasse können Lehrer und Eltern erkennen, ob sich ein Kind schwer tut“, erklärt Kortländer – wie, dafür gibt es Tipps auf www.legakids.net. Er nimmt die Eltern in die Pflicht: „Viele unterschätzen, welchen Druck ihre Erwartungen ausüben.“

Kinder mit diesen Schwächen würden oft als faul angesehen, was dem Lernen im Weg stehe. „Das Wichtigste ist: Die Kinder dürfen den Spaß an Buchstaben und Zahlen nicht verlieren.“ Vorlesen sei ein wichtiger Schlüssel, um die Lesefreude zu wecken. Als Therapeut habe er gesehen, welche Auswirkungen es haben kann, wenn Kinder mit Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben nicht frühzeitig unterstützt werden.

Probleme bei Lesen, Rechnen, Schreiben? Tipps für Eltern

Daran erkennen Sie, dass Ihr Kind Förderung braucht:

Fehlerhäufung, anhaltend verschiedenste Fehler

• wachsende Unlust zu lesen und zu schreiben

• Mengen können nicht erkannt werden, Würfelaugen werden beispielsweise immer wieder nachgezählt, Messen und Abwiegen fallen schwer

• Kind bleibt beim zählenden Rechnen

• Einer und Zehner werden vertauscht

• große Probleme bei Sachaufgaben, die am ehesten mit Plusrechnen gelöst werden, damit Blatt nicht leer abgegeben wird

• die Uhr zu lernen, fällt schwer

• vermeidet Umgang mit Geld

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