Im Einsatz für die Ungehörten

60 Jahre Lebenshilfe – wie der Verein Menschen mit geistiger Behinderung und Angehörige unterstützt

In seinen verschiedenen Werkstätten bietet der Verein Arbeit für 630 Menschen mit geistiger Behinderung – wie hier an einer Gleitschleifmaschine.
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In seinen verschiedenen Werkstätten bietet der Verein Arbeit für 630 Menschen mit geistiger Behinderung – wie hier an einer Gleitschleifmaschine.

Der Verein „Lebenshilfe“ feiert dieses Jahr 60 Jahre Jubiläum. Wie sich der Verein für behinderte Menschen und Angehörigen einsetzt...

  • 60-jähriges Jubiläum feiert der Verein „Lebenshilfe“ im Juli.
  • Wie der Verein Menschen mit geistiger Behinderung unterstützt.
  • Neues Wohnheim zum Jubiläum.

München – Wenn Eltern ein Kind mit einer geistiger Behinderung bekommen, stehen sie vor vielen Fragen: Wie kann ich es optimal fördern? Wo soll es zur Schule gehen? Wird es Freunde finden? Welche Arbeit macht ihm Spaß? Wie kann es so selbstständig wie möglich leben? 

Antworten auf alle Fragen versucht der Verein „Lebenshilfe“ zu geben, der im Juli sein 60-jähriges Bestehen feiert. „Viele Mütter werden blank aus dem Krankenhaus entlassen“, so Aufsichtsratsvorsitzende Andrea Siemen, deren drittes Kind mit einer geistigen Behinderung geboren wurde. 

Deswegen ist die kostenlose Angehörigenberatung der Lebenshilfe ein wichtiges Angebot des Vereins, der heute 1000 Mitglieder zählt. In rund 900 Gesprächen jährlich holen sich Eltern dort unter anderem rechtlichen oder psychologischen Rat. 

Außerdem bietet der Verein 1200 Frühförderstellen für Kinder und 630 Arbeitsplätze. „In unseren Werkstätten produzieren wir unter anderem Kaffeebohnen, es gibt auch einen Catering-Service und eine Wäscherei“, so Vorstand Emanuel Gaenslen. 

Vorstand des Vereins Emanuel Gaenslen.

Die neuen Herausforderungen, die sich im Laufe der 60 Jahre ergeben haben? „Es gibt immer mehr ältere Menschen mit geistiger Behinderung“, erklärt Vorstand Peter Puhlmann. 

Dass sich daraus besondere Bedürfnisse ergeben, muss der Verein auch in der Stadt immer wieder anbringen – als Sprachrohr. „Menschen mit geistiger Behinderung können oft nicht für sich selbst sprechen und sind auch meist nicht in Arbeitsgruppen oder dem Behindertenbeirat vertreten“, so Puhlmann. 

Vorstand des Vereins Peter Puhlmann.

Dementsprechend schwierig sei es in München auch zu wachsen, erklärt Siemen. „Menschen mit Behinderung sind keine Priorität der Stadt München.“ Beispielsweise gebe es zu wenig Nachmittagsbetreuungsplätze in den Heilpädagogischen Tagesstätten (HPT) der Förderschulen. „Wir müssten unsere Silvia-Görres-Schule mit HPT an der Neuherberg- straße dringend erweitern.“ Doch Gespräche mit der Stadt scheiterten – man vergebe keine Grundstücke an private Träger, hieß es. 

Maren Kowitz

Mehr Informationen gibt es unter: www.lebenshilfe-muenchen.de.

Zum Jubiläum gibt es ein neues Wohnheim und ein Graffiti in Giesing

Das größte Geschenk, das sich die Lebenshilfe selbst gemacht hat: Ihr neues Wohnhaus am Willinger Weg. Die Einrichtung in Ramersdorf wurde jetzt im Juli von 24 Bewohnern bezogen. 

Das neue Gebäude bietet modernen Komfort und Menschen mit Behinderung die Möglichkeit, so weit wie möglich selbstbestimmt in der Gemeinschaft zu leben. Insgesamt zwölf Wohneinrichtungen führt die Lebenshilfe in und um München – mit den Wohngruppen sind es 200 Plätze. 

Das neue Wohnhaus am Willinger Weg in Ramersdorf.

„Aber der Bedarf wäre doppelt so groß“, so Aufsichtsratsvorsitzende Andrea Siemen. Deswegen sei man immer auf der Suche nach – in München hart umkämpften – Immobilien oder Grundstücken. 

Ein kleiner Lichtblick: Im Neubaugebiet am Werksviertel soll es zwei studentische Wohngruppen für je sechs Menschen mit geistiger Behinderung und vier Studenten geben. 

Ein anderes Geschenk, mit dem der Verein sein Jubiläum feiern will, soll allen Münchnern eine Freude machen: Ein Graffiti an der Fassade des „Lebenshilfe“-Hauptsitzes in Giesing – auf der Seite zur Chiemgaustraße. 

„Am Mittleren Ring wird es für alle sichtbar sein“, freuen sich die Verantwortlichen. Gemeinsam mit Menschen mit Behinderung soll der Münchner Graffiti-Künstler Martin Blumöhr ein passendes Motiv erarbeiten, das dann auch gemeinsam an die Hauswand gesprayt werden soll. 

mak

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