Große Abschlussangst

Herausforderung durch Corona: Münchner Landesschülersprecherin sorgt sich um Chancen-Gleichheit

Lilly Landauer sieht den Distanz­unterricht vor allem für die unteren Jahrgänge sehr skeptisch.
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Lilly Landauer sieht den Distanzunterricht vor allem für die unteren Jahrgänge sehr skeptisch.

Lilly Landauer ist Landesschülersprecherin für Realschulen in Bayern und setzt sich für faire Bildungschancen in der Corona-Pandemie ein - eine echte Herausforderung.

  • Lilly Landauer steht mit der Corona-Pandemie vor einer großen Herausforderung.
  • Sie ist Landesschülersprecherin für Realschulen in Bayern.
  • Mit Hallo spricht sie über ihre Ziele in den kommenden Monaten.

Ihre Amtszeit ist nur kurz. Von Mitte Januar bis Ende Juli. Doch hat sich die frisch ernannte Landesschülersprecherin für Realschulen Lilly Isabella Landauer aus Fürstenried viel dafür vorgenommen. „Ich setze mich für gleiche und faire Bildungschancen ein, gerade jetzt in der Pandemie“, sagt sie.

Dass es an Bayerns Schulen fair zugeht, ist derzeit eine besondere Herausforderung.

Landauer ist eine von sechs Landesschülersprechern, jeder der Vertreter eines der bayerischen Schultypen. Die 16-Jährige besucht die Joseph-von-Fraunhofer-Realschule in Fürstenried-West. Im Juli wird sie ihren Abschluss machen.

Besonders hart trifft es in ihren Augen derzeit die obersten Jahrgangsstufen. „Viele haben Angst um ihren Abschluss. Wir wollen nicht, dass es heißt, ihr seid ja der Corona-Jahrgang. Das Examen, das die Schüler jetzt machen, soll genauso viel wert sein wie alle anderen bisher und nicht durch die Krise gemindert werden.“

Dazu kommt: „An den Real-, aber auch an den Mittelschulen erscheint es vielen aktuell so, als ob ihr Abschluss nicht so viel wert sei“, sagt sie. Anlass dazu gab den Schülern die Ankündigung der bayerischen Landesregierung, ab Anfang Februar Abiturienten und Abschlussjahrgänge beruflicher Schulen in den Wechsel­unterricht zu schicken. Was aber ist mit den anderen, die ebenso bald Examen machen?

Corona-Pandemie als große Herausforderung an Realschulen in Bayern

Zu leiden haben auch junge Schüler. Für sie fordern die Landessprecher eine gleichermaßen schnelle Rückkehr ins Klassenzimmer.

Landauer erklärt: „Die Älteren kennen sich digital aus. Aber die Kleineren wissen noch nicht, wie sie damit umgehen sollen, etwa wenn sie irgendwo nicht weiter wissen.“ Ihr zufolge lief die Digitalisierung an der Realschule in Fürstenried-West aber verhältnismäßig gut ab. Familien ohne passende Computerausstattung konnten Tablets beantragen.

Landauers Ziele für die kommenden Monate: Integration, Digitalisierung sowie barrierefreies Lernen weiter voranbringen und sich gegen Rassismus engagieren.

Außerdem fordert sie, dass die Reihenfolge der Themen in den Hauptfächern an allen Schulen eines Typs gleich zu sein hat. Da die Themen aktuell zu unterschiedlichen Zeiten bearbeitet werden, könne es trotz gleichen Lehrplans passieren, dass Stoff, der wegen Corona nicht durchgenommen wurde, in der Abschlussprüfung drankomme.

Distanzunterricht in der Corona-Pandemie - Katastrophale Umfrage-Bilanz

Zwei Drittel der Münchner Grund-, Mittel- und Förderschulen sind nicht ausreichend mit Leihgeräten für den Distanzunterricht ausgestattet. Diese desaströse Bilanz weist eine Blitz-Umfrage des Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverbands (MLLV) auf.

110 Schulleitungen von insgesamt 200 befragten Schulen gaben innerhalb von nur zwei Tagen Rückmeldung. 63 Prozent gaben an, sie hätten noch nicht alle Geräte erhalten. 100 Prozent meldeten, keine Endgeräte für Lehrkräfte erhalten zu haben.

Der MLLV kritisiert, dass zehn Monate nach Beginn der Pandemie „noch immer erhebliche Versorgungslücken“ bestünden.

Gleichzeitig warnt der Verband, welche Folgen das habe: Kinder aus benachteiligten Familien können nicht am digitalen Unterricht teilnehmen, Lehrkräfte müssen tagtäglich alternative Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stellen und von privaten Handys mit Schülern kommunizieren, sowie das Home Office auf eigene Kosten ausstatten.

Hilfe durch Studenten

„Schülern helfen, Eltern entlasten“: Die neue Plattform „naklar.io“ setzt sich für mehr Bildungsgerechtigkeit ein. Entwickelt von Münchner Studenten können Schüler auf der kostenlosen Plattform per Knopfdruck oder Termin Hilfe von einem ehrenamtlichen Tutor aus ganz Deutschland bekommen. Aktuell stehen wöchentlich rund 1000 freie Termine zur Verfügung. Bei diesen können Fragen zielgerichtet beantwortet und Schüler individuell gefördert werden.

khi

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