Technikhistoriker ordnet ein

Der geheime Erfinder des WLAN? – Münchner hat vor 25 Jahren „kleines Patent“ für Funkgerät bekommen

Ferdinand Brinkmöller aus Harlaching hat vor 25 Jahren für sein entwickeltes Funkgerät ein „kleines Patent“ bekommen.
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Ferdinand Brinkmöller aus Harlaching hat vor 25 Jahren für sein entwickeltes Funkgerät ein „kleines Patent“ bekommen.

Ist Ferdinand Brinkmöller aus Harlaching der geheime Erfinder des WLAN? Was es damit auf sich hat und wie Technikhistoriker Ralf Bülow dies einordnet, lesen sie hier...

  • Ist Ferdinand Brinkmöller aus München der geheime Erfinder des WLAN?
  • Er hat vor 25 Jahren ein „kleines Patent“ für ein entwickeltes Funkgerät bekommen.
  • Wie ein Technikhistoriker die Sache einordnet...

München – Es muss im März oder April 1995 gewesen sein, als Ferdinand Brinkmöller die Idee kam: „Es war ein schöner Tag, meine Frau saß im Garten und telefonierte. Ich saß drinnen am Computer und dachte: Warum kann ich nicht mit meinem Computer nach draußen gehen?“, erzählt der IT-Unternehmer.

Er grübelte ein wenig, sprach mit Kollegen aus der Branche und war sich relativ schnell sicher: „Das muss funktionieren.“ Also entwickelte er einen „Kasten“, wie er es heute nennt und reichte die Konstruktion im Juli beim Patentamt ein.

Zwei Jahre später, nach etlichen Gesprächen mit dem Patentanwalt, der Behörde, unzähligen Recherchen und Ausgaben im fünfstelligen Bereich, erhielt er dafür ein Gebrauchsmuster, also ein „kleines Patent“.

MagNet, so hat Brinkmöller sein Funkgerät benannt, ist ein technisches System zur drahtlosen Datenkommunikation zwischen mehreren Computern oder Notebooks. Es ist eines der ersten Systeme, das eine kabellose Vernetzung ermöglichte. Den Harlachinger IT-Experten als WLAN-Erfinder zu bezeichnen, hält Technikhistoriker Ralf Bülow allerdings dennoch für „sehr gewagt“ (siehe unten).

Wegen Corona keine Feier

Feiern wollte Brinkmöller seine Erfindung trotzdem auf jeden Fall in diesem Jubiläumsjahr – es ist jetzt genau 25 Jahre her, dass er den Vorschlag beim Patentamt einreichte. Doch Corona hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Ob Brinkmöller mit seiner Erfindung Millionär geworden ist? „Leider nein! Aber darum ging es mir auch nicht“, lautet seine Antwort. Auf ein kompliziertes Patentverfahren, das Zeit und Geld kostet, hatte Brinkmöller nämlich keine große Lust. Sein Ziel war es stattdessen, das Gerät so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen und die Technologie zu verbreiten.

Mit einem Preis von 300 D-Mark war es damals eines der ersten bezahlbaren Geräte. Schließlich war es eine Errungenschaft, mehrere Computer zu verbinden, ohne vorher Kabel verlegen zu müssen. Und gelohnt hat es sich für Brinkmöller allemal: Eine Frankfurter Firma hat ihm für das Gebrauchsmuster einen höheren fünfstelligen Betrag gezahlt.

Technikhistoriker ordnet ein: „Das ist schon sehr gewagt“

Warum es schwierig ist, ein Patent zu bekommen und wie komplex die Geschichte des WLAN ist, verrät Technik-Historiker und Blogger des Computermuseums HNF, Ralf Bülow.

Herr Bülow, wie ordnen Sie diese Erfindung ein?

Die Bezeichnung als Erfinder des WLAN finde ich schon sehr gewagt. Hier scheint ja versucht worden zu sein, ein Patent anzumelden, was aber am Patent­amt gescheitert ist.

Technik-Historiker und Blogger des Computermuseums HNF, Ralf Bülow.

Woran liegt das?

Es ist in der Computergeschichte fast normal, dass Menschen scheitern bei dem Versuch, ein Patent zu erlangen. Patentprüfer sind manchmal überkritisch, und große Firmen haben eine regelrechte Horde von Patentanwälten. Und manchmal ist es schwer zu sagen, wer eine Idee als erster hatte. Nehmen Sie das aktuelle Beispiel des MP3-Verfahrens. An der Entwicklung waren ein Dutzend oder mehr Forscher beteiligt, am Ende ernteten die Erlanger den Ruhm.

Wer gilt denn als Erfinder?

Zurück gehen die Entwicklungen dazu mindestens schon in die 70er-Jahre, da hat die Universität von Hawaii sich über ein Funk-Rechnernetz mit den vielen kleinen Inseln verbunden. Das Grundprinzip ist ein Vorläufer des WLAN.

Was ist das Besondere am Mag­Net?

Es war eine funktionierende Eigenentwicklung und wohl unabhängig vom WLAN-Standard, die jedoch als Gebrauchsmuster geschützt auf den Markt gekommen ist.

Hanni Kinadeter

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