Letzter Vorhang fällt

Geht Münchens Kino-Sterben weiter? Sollner und Stadtrat kämpfen für letztes Lichtspielhaus im Süden

Die Pläne des Eigentümers sehen eine Umnutzung für das Sollner Kino vor: Wohnungen mit Balkons statt Kinosaal mit samtbezogenen Sesseln.
+
Die Pläne des Eigentümers sehen eine Umnutzung für das Sollner Kino vor: Wohnungen mit Balkons statt Kinosaal mit samtbezogenen Sesseln.
  • Theresa Reich
    VonTheresa Reich
    schließen

Kultur-Öde am Stadtrand von München. Im Süden sorgen sich der Stadtrat und die Anwohner um das letzte Kino. Es ist das letzte Lichtspielhaus in Solln.

  • Der Stadtrand im Süden von München wird zur Kultur-Öde.
  • Sollner und Stadtrat kämpfen um das letztes Lichtspielhaus.
  • Geht das Kino-Sterben in München weiter?

Es ist das Letzte im Münchner Süden: das Kino in Solln. Doch die Sorge ist groß, dass für das Haus an der Sollnerstraße 43a bald der letzte Vorhang fällt. Und das Kinosterben in München – erst 2019 hatten mit dem „Neuen Gabriel“ und dem „Kino an der Münchner Freiheit“ zwei Traditionshäuser dichtgemacht – weitergeht.

Denn 2025 läuft nach 20 Jahren der Mietvertrag des Sollner Kinos aus. Der Eigentümer, die Sedlmayr Grund und Immobilien AG München, hat bei der Lokalbaukommission (LBK) beantragt, die zwei Säle und das Foyer zu sieben Wohneinheiten und einem Ladengeschäft umbauen zu dürfen.

Man befinde sich „Corona-bedingt in einem Disput mit dem Vermieter“, sagt Cornelia Green, Sprecherin des Kinobetreibers Omaha Film ­Gm­bH. Gespräche laufen. Sollten diese aber scheitern, „würde das letzte Kino eines Stadtviertels mit nahezu 100 000 Einwohnern zu Grabe getragen“, bedauern die Viertelpolitiker des 19. Bezirks.

Kino-Sterben in München - Süden kämpft für letztes Lichtspielhaus in Solln

Begraben müsste der Sollner Stephan Altenburg auch ein Stück seiner Identität: „Wenn das Kino nicht mehr ist, sind wir nur noch Münchner Vorstädter, die für Kulturprogramme in die Innenstadt fahren müssen.“

Altenburg verstehe, dass die Eigentümer das Gebäude profitabler verwerten wollen und Wohnungen wichtig sind. Aber: „Ohne Kultur verkümmert Solln zu einer Schlafstadt“. Das Kino trage mit seiner üppigen Vielfalt – Weinproben, Bücherlesungen und Ausstellungen – zum Münchner Kulturprogramm bei. Zumal auch aus dem Nachbarbezirk Harlaching, aus Pullach und sogar Wolfratshausen Menschen für Filmvorführungen nach Solln kommen. Anwohnerin Rosemarie Riszterer glaubt, dass zumindest die Sollner mit Unterschriftenaktionen für ihr kulturelles Zentrum kämpfen werden.

Aktiv wurde bereits Hildebrecht Braun. Der ehemalige FDP-Stadtrat forderte die Landeshauptstadt in einem offenen Brief auf, den Flächennutzungsplan für das Gelände zu einer „Sonderfläche für kulturelle Nutzung“ zu ändern.

Hildebrecht Braun

Die Idee, das Kino zu retten, unterstütze der Stadtrat, erklärt Stadträtin Veronika Mirlach (CSU). Aber Brauns Vorschlag sei juristisch nicht umsetzbar. ,„Ein Flächennutzungsplan kann nie allein für ein Gebäude geändert werden, hier stehen uns rechtliche Barrieren im Weg“. Die einzige Lösung sei, alle -– LBK, Kino und Eigentümer – an einen Tisch zu bekommen.

Christian Müller, Vorsitzender der SPD/Volt-Fraktion appelliert „an den Eigentümer, seine Pläne zu überdenken“ und fordert das Planungs- und Kulturreferat auf, „unbedingt eine Lösung zu finden“.

Betreiber-Sprecherin Green ist derzeit noch „zuversichtlich, dass wir uns einigen. Auch im Interesse unseres Stammpublikums, von dem wir gerade viel Zuspruch erhalten“.

Programmprämien für Münchner Kinos

Der FilmFernsehFonds Bayern hat insgesamt 79 bayerische Filmtheater für ihr hervorragendes Programmangebot ausgezeichnet – darunter auch 14 Münchner Kinos. Mit 20 000 Euro ging die größter Prämie an das „Theatiner Filmtheater“. Jeweils 10 000 Euro erhielten: ABC Kino, City/Atelier Kino, Cinema Filmtheater, Filmtheater Sendlinger Tor, Leopold Kinos, Monopol Kino, Neues Maxim, Neues Rex“, Neues Rottmann, Rio Filmpalast, Studio Isabella, Werkstattkino – und das Kino in Solln.

Auch interessant:

Meistgelesen

Stadt hält Verlagerung des Versicherungsamtes vom Rathaus Pasing in Innenstadt für gelungen
München West
Stadt hält Verlagerung des Versicherungsamtes vom Rathaus Pasing in Innenstadt für gelungen
Stadt hält Verlagerung des Versicherungsamtes vom Rathaus Pasing in Innenstadt für gelungen
Gewerbehof am Rappenweg in Trudering
München Ost
Gewerbehof am Rappenweg in Trudering
Gewerbehof am Rappenweg in Trudering
Nachträgliche Änderung der Planung ‒ Neue Tram Westtangente in München geht erst später in Betrieb
München West
Nachträgliche Änderung der Planung ‒ Neue Tram Westtangente in München geht erst später in Betrieb
Nachträgliche Änderung der Planung ‒ Neue Tram Westtangente in München geht erst später in Betrieb
Corona-Impfung in München ‒ Die dauerhaften Stationen und die mobilen Impfaktionen der Stadt im Überblick
MÜNCHEN
Corona-Impfung in München ‒ Die dauerhaften Stationen und die mobilen Impfaktionen der Stadt im Überblick
Corona-Impfung in München ‒ Die dauerhaften Stationen und die mobilen Impfaktionen der Stadt im Überblick

Kommentare