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Weil die Isar in München zu dreckig ist: Verein ruft zu ungewöhnlicher Aktion auf

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Von: Marie-Julie Hlawica

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Verdreckt wie nie: Essensreste, Plastikmüll, unzählige Kippen und Scherben – auch ein geklauter Einkaufswagen liegt am Isarufer.
Verdreckt wie nie: Essensreste, Plastikmüll, unzählige Kippen und Scherben – auch ein geklauter Einkaufswagen liegt am Isarufer. © privat

Das Müllproblem an der Isar wird immer größer. Nun will ein Fotograf mit zahlreichen Vereinen Kippen sammeln und so auf das Problem aufmerksam machen.

MÜNCHEN Wer in diesem Supersommer ans Isarufer zwischen Thalkirchen und dem Deutschen Museum kam, hat es selbst gesehen: Die Kiesbänke vermüllt, verkotet und verdreckt. Anwohner Hartmut Keitel (59) schlägt Alarm: „Lange hält die Natur das nicht mehr aus. Auch der Fischbestand ist in Gefahr, die Hitze und der Wassermangel in diesem Jahr tragen zusätzlich dazu bei.“

Zum stinkenden Restmüll und gefährlich scharfen Scherben gesellen sich unzählige Zigarettenstummel. Keitel, Gründer des Vereins „Deine Isar“, warnt: „Ein Kippe verseucht 1000 Liter Wasser, hier liegen sie zu Tausenden.“ Besonders für die Fische sei der Zustand bedrohlich, ja tödlich.

Vor allem im Sommer wurde an der Isar immer wieder gefeiert - der Müll wurde häufig nicht mitgenommen.

Glasflaschen und -scherben, Kippen und Zigarettenschachteln sind zu Hauf am Isarufer zu finden.
Glasflaschen und -scherben, Kippen und Zigarettenschachteln sind zu Hauf am Isarufer zu finden. © Marie-Juli Hlawica

Aufräumen an der Isar: Fotograf will mit Vereinen Kippen sammeln

Der Münchner appelliert an seine Mitbürger. „Dieser Stadtfluss ist ein Privileg für uns Bürger! Wir müssen uns dringend mehr um ihn kümmern!“ Deshalb hat er ein neues Projekt zur Rettung des Flusses ins Leben gerufen, die „100 000-Kippen-Challenge“. Unterstützt wird der Fotograf dazu von den Münchner Isarfischern und den Taufkirchner Burschen. Am 29. Oktober wird das Ramadama stattfinden.

Keitel hofft auf freiwillige Helfer, denen die Isar als städtisches Naherholungsgebiet so wichtig ist wie ihm. Gemeinsam soll es gegen die Kippenflut gehen: „Wir klauben die Dinger Stück für Stück auf.“ Der konkrete Plan: Acht Teams starten um 9.30 Uhr vormittags vom Marienplatz Richtung Corneliusbrücke und Isar, „mit 100 hölzernen Grillzangen, um so viele Kippen wie möglich aufzuklauben.“ Dazu hat Keitel extra Messeimer entworfen, die die Menge der Zigarettenstummel zählt. Anschließend wird der Dreck ordungsgemäß entsorgt. „Die Isar wird es uns danken“, sagt Keitel.

Aufräumen an der Isar: Auch Hundekot und Take-Away-Schachteln ein riesen Problem

Schon vor einigen Jahren hat er Plakataktionen und Gitterkörbe initiiert, um alle Isarbesucher zu mehr Sauberkeit aufzurufen. Doch nicht nur die vielen Zigerettenreste ärgern den Fotografen in diesem Jahr besonders: „Es ist extrem, wie oft man in Hundekot tritt – und der Take-Away-Plastikmüll erzählt mittlerweile ganze Menüfolgen.“ Keitel betont: „Die Stadt reinigt so gut es geht – aber jeder kann dazu beitragen, dass es hier sauber ist.“

Hartmut Keitel ruft die Münchner zum Entmüllen auf.
Hartmut Keitel ruft die Münchner zum Entmüllen auf. © Marie-Juli Hlawica

Schon seit 2011 und der „Deine Isar“-Vereinsgründung bemüht sich der Münchner aus der Au, die Stadtbewohner zu mehr Sauberkeit zu motivieren: „Wenn jeder mehr Verantwortung für unseren weltberühmten Fluss übernimmt und seinen Dreck mitnimmt, wäre die Zukunft der Isar sicher.“ Weil ihm das so wichtig ist, veranstaltet er pro Jahr sogar 35 Müll-Seminare für Schüler und Schulen rund um die Wittelsbacher Brücke. Noch sind Plätze frei – für die Seminare und die Kippen-Challenge (Infos: www.deine-isar.de).

Vier Tonnen Müll je Wochenende

Von 2000 bis 2011 wurde der acht Kilometer lange Abschnitt im Isar-Bereich zwischen Großhesseloher Brücke und Deutschem Museum für rund 28 Millionen Euro renaturiert, zieht seitdem jährlich immer mehr Besucher an. Auf Hallo-Nachfrage nennt ein Sprecher der AWM deutliche Müllzahlen: „Durchschnittlich liegt die Menge in der Sommersaison an einem schönen Wochenende mit warmer Witterung bei etwa 3,5 bis vier Tonnen Müll.“

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