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Akademie des Vereins „Münchner inklusive Arbeitswelt“ soll Inklusion auf dem Arbeitsmarkt voranbringen

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Von: Sabina Kläsener

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Veronika und Theresa wollen später in der Küche oder im Service arbeiten.
Veronika und Theresa wollen später in der Küche oder im Service arbeiten. © dpa/Jens Büttner

Der Verein „Münchner inklusive Arbeitswelt“ will Menschen mit Beeinträchtigung den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern und veranstaltet einen Aktionstag...

München - „Ich will zu Hause ausziehen und in einer eigenen Wohnung leben.“ „Ich wünsche mir eine Arbeit, die richtig Spaß macht – und nette Kollegen.“ Wünsche wie diese haben viele junge Menschen. Auch Theresa und Veronika, doch für die beiden ist es deutlich schwieriger, diese zu erreichen. Das soll sich ändern: Im Herbst beginnen sie im ersten Jahrgang der Akademie des Vereins „Münchner inklusive Arbeitswelt“ (Mia).

Neben einer Arbeit, die ihr richtig Spaß macht, wünscht sich Theresa einen Führerschein für‘s Auto - und für‘s Motorrad.
Neben einer Arbeit, die ihr richtig Spaß macht, wünscht sich Theresa einen Führerschein für‘s Auto - und für‘s Motorrad. © privat

„Noch immer exklusiv statt inklusiv“: Münchner Verein kämpf für mehr Inklusion in der Arbeitswelt

Der Verein aus dem Münchner Osten wurde 2018 „von Eltern mit besonderen Kindern gegründet“, wie die Vorsitzende Martina Köhne erklärt. Sie wollen die Inklusion in der Arbeitswelt vorantreiben – etwa mit einer Aktion (s. Kasten) zum europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am Donnerstag, 5. Mai.

Veronika will wie ihr Bruder Michi von zuhause ausziehen und in einer eigenen Wohnung leben in einer WG mit netten Menschen.
Veronika will wie ihr Bruder Michi von zuhause ausziehen und in einer eigenen Wohnung leben in einer WG mit netten Menschen. © privat

Die aktuelle Corona-Inzidenz in München, Bayern und Deutschland am Donnerstag.

Aktuell stehe es schlecht um die Inklusion, moniert Bernhard Stiedl, Landesvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Bayern: „Für Menschen mit Behinderungen ist der Arbeitsmarkt immer noch exklusiv statt inklusiv.“ Im Freistaat machen laut DGB schwerbehinderte Menschen nur 4,7 Prozent aller Beschäftigten aus – fünf Prozent sind gesetzlich vorgeschrieben. 2019 waren rund 950.000 Menschen mit Behinderung im erwerbsfähigen Alter, davon 512.644 schwerbehindert.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Verein „Münchner inklusive Arbeitswelt“: Akademie für Menschen mit Behinderung

„Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung schaffen in der Regel keinen normalen Schulabschluss. Der Weg führt daher nach der Schule noch meist in eine Werkstatt für behinderte Menschen“, erklärt Köhne. Ziel der Akademie sei, jungen Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in der Gastronomie, Hotellerie oder Hauswirtschaft zu ermöglichen.

„Damit das gelingt, braucht es eine gute Begleitung der Jugendlichen und Arbeitgeber“, sagt Köhne. Gut seien sich wiederholende Arbeiten: „Es braucht Ruhe und Anleitung. Und bei Arbeitgebern das Wissen, dass Menschen mit Beeinträchtigung in gewissen Situationen eventuell anders reagieren.“

Inklusion am Arbeitsmarkt: Städte, Freistaat und Bund müssen offener werden

Man sei noch weit entfernt von einer echten Inklusion, beklagt auch Nadja Rackwitz-Ziegler vom Verein Wohnwerk München aus Neuhausen: „Die Stadt München versucht über Modellprojekte entgegenzuwirken, aber dazu müssen diese auch irgendwann in einen Regelbetrieb gehen und in ein Gesamtkonzept passen.“ Hier seien auch Freistaat und Bund gefragt. Seit 15 Jahren betreibt der Verein ein inklusives Nachbarschafts-Café. 28 Menschen wurden dort in dieser Zeit zur Serviceassistenz Gastronomie qualifiziert. Dabei stelle man fest: „Die Weitervermittlung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt ist sehr schwer.“

Mit eigenen Initiativen, wie dem Ausbildungsrestaurant „Roecklplatz“ oder dem Zertifikat „kleiner Wirtebrief“, geht die Dehoga Bayern das Thema Inklusion bei Mitarbeitenden seit vier Jahren bewusst an, erklärt die Geschäftsführerin Berufsbildung und Branchenförderung, Susanne Droux. Sie fordert, dass die Unternehmer nicht alleingelassen werden. Wichtig sei: „Arbeitgeber, Einrichtungen und Menschen mit Beeinträchtigung – wir brauchen einander. Wir müssen uns besser kennenlernen und uns gegenseitig mehr zutrauen.“ Köhne von Mia erklärt: „Wie jeder andere Mensch können die Jugendlichen an neuen Aufgaben wachsen.“

Inklusionstag

„Tempo machen für Inklusion“ möchte der Verein „Münchner inklusive Arbeitswelt“ am Samstag, 7. Mai, von 11 bis 18 Uhr im Shaere, Fritz-Schäffer-Straße 9. Infos unter www.miaev.org.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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