Impfkampagne München

Immer mehr Forderungen nach Corona-Impfung für Kinder - ein Überblick über die Lage in München

Coronavirus - Corona-Impfungen bei einer Kinder Arztpraxis
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Nur vereinzelt bekommen Jugendliche ab zwölf Jahren aktuell eine Corona-Impfung.
  • Marie-Julie Hlawica
    VonMarie-Julie Hlawica
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Die Corona-Impfung für Kinder steht schon länger in der Diskussion. Die SPD-Landtagsfraktion will eine Sonderimpfkampagne für Bayerns Schüler durchsetzen.

  • Viele Eltern, Politiker und Ärzte fordern eine schnelle Covid-Impfung für Kinder.
  • Münchner Impfzentren impfen Kinder und Jugendliche aktuell nicht gegen Corona.
  • Die SPD-Landtagsfraktion will eine Sonderimpfkampagne für Bayerns Schüler durchsetzen.

Immer mehr Eltern, Politiker und Ärzte fordern die schnelle Covid-Impfung für Kinder, in der Hoffnung, dadurch im Herbst Schulschließungen und Distanzunterricht vermeiden zu können. Manche auch, damit die Urlaubspläne nicht in Gefahr geraten. Doch: Wo bekommen Jugendliche in München den ersehnten Nadelstich?

Das Münchner Impfzentrum erteilt entsprechenden Anfragen eine Absage: Dort werden Kinder und Jugendliche nicht gegen Corona geimpft, auch das Dr. von Haunersche Kinderspital führt keine Covid-Impfungen bei jungen Patienten durch. Diese würden, auch für Kinder mit chronischen Erkrankungen, seitens der niedergelassenen Ärzte abgedeckt, teilte eine Klinik-Sprecherin auf Hallo-Anfrage mit. Diese Empfehlungen erteilt auch das Landratsamt: Zu Impfungen von Kindern und Jugendlichen liegen den Impfzentren im Landkreis keine konkreten Vorgaben vor, vereinzelte Anfragen werden als Einzelfallentscheidungen gehandhabt.

Kinderärzte impfen zunehmend Jugendliche ab 16 Jahren gegen Corona

Münchner Kinderarzt Stefan Eber impft bei ausdrücklichem Wunsch auch Kinder ab 12 Jahren.

Deshalb hat der Münchner Kinderarzt Stefan Eber in seiner Praxis gerade besonders viel zu tun: „Es ist uns ein besonderes Anliegen, dass ab September alle Jugendlichen wieder Präsenzunterricht haben. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass möglichst viele Schüler geimpft sind. Daher impfen wir zunehmend Jugendliche ab 16 Jahren.“ Auf besonderen Wunsch der Eltern werden bei ihm auch Kinder ab zwölf Jahren immunisiert. Aber, so Dr. Eber: „Da es keine generelle Empfehlung der Deutschen Impfkommission gibt, fragen wir nach, ob es einen besonderen Grund gibt.“

Auch Dominik Ewald, Landesvorsitzender vom Bayerischen Verband der Kinder und Jugendärzte (BVKJ), verfolgt die Diskussion. Als Kinderarzt befürwortet er die Impf-Richtlinie der Stiko: „Jugendliche ab zwölf mit Vorerkrankungen werden entsprechend Empfehlung geimpft.“ Ob die ansteckendere Delta-Variante die Dringlichkeit ändert, alle Schulkinder zu impfen? „Nein“, meint der Experte, „denn es ändert nichts an der wissenschaftlichen Untersuchung der Arzneimittelsicherheit bei neuen Impfstoffen. Die braucht Zeit und wird gerade in Studien weltweit untersucht.“ Der BVKJ hat bisher keine Daten, wie viele Kinder geimpft wurden. „Aus den Rückmeldungen der Kollegen: weniger als jedes zehnte Kind. “

SPD-Landtagsfraktion fordert Corona-Sonderimpfkampagne für Bayerns Schüler

Die Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Ruth Waldmann, fordert eine Impfkampagne für Bayerns Schüler.

Ob und in welchem Umfang angesichts des begrenzten Impfstoffs gesonderte Impfaktionen für Kinder geplant werden können, prüft aktuell das Bayerische Gesundheitsministerium. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Ruth Waldmann, fordert dagegen umgehend eine Corona-Sonderimpfkampagne für Bayerns Schüler: „Noch vor der Ferien muss es von Seiten des Ministeriums und der Gesundheitsämter einen konkreten, koordinierten Plan geben.“

Ob nicht verimpfte Dosen des Münchner Impfzentrums freigestellt werden oder Vakzin-Lieferungen für Kinder und Jugendliche bestellt werden: „Allen Schülern ab zwölf soll schnellstmöglich ein Angebot gemacht werden.“ Eine – freiwillige – Kombination aus Zeugnisausgabe mit Impfaktion wäre denkbar, „damit wir in das neue Schuljahr gehen können, ohne den Unterrichtsablauf zu gefährden“.

Wird denn mit Beginn des nächsten Schuljahres eine vierte Welle befürchtet? Kinderarzt Dr. Ewald: „Dazu gibt bislang keine offiziellen Statements der Ministerien an die Ärzteschaft.“ Auch wann in München, nach Aufhebung der Impfpriorisierung, auch im Impfzentrum Riem Kinder und Jugendliche versorgt werden können, ist offen. Das Münchner Gesundheitsreferat konnte bis Redaktionsschluss dazu keine Aussage machen.

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