Frust statt Feiern

Kein Hochzeitfest, aber Wirtshaus-Wiesn: Misst Stadt München mit zweierlei Maß?

Hochzeitspaar vor dem Standesamt in bayerischer Tracht.
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Getraut, aber nicht gefeiert: So wie Maximilian und Alexandra Gerl geht es heuer vielen Münchner Paaren.

In München gelten wieder strenge Corona-Maßnahmen. Ein Bräutigam beschwert sich bei OB Reiter - ein Hochzeitsfest sei nicht möglich, aber die Wirtshaus-Wiesn...

  • Corona-Einschränkungen bei privaten Feiern in München.
  • Ein Bräutigam beschwert sich bei OB Reiter.
  • Wird bei einem Hochzeitsfest und der Wirtshaus-Wiesn mit zweierlei Maß gemessen?

Am Ende war der Frust so groß, dass Maximilian Gerl erstmals einem Politiker geschrieben hat: Über ein Jahr lang hatten der 32-Jährige und seine Freundin ihre Hochzeit geplant. Wegen der Corona-­Krise entwickelten sie für das Fest mit knapp 80 Gästen ein eigenes Hygienekonzept, „das über die behördlichen Vorgaben hinausgeht“, so Gerl. Absagen mussten sie dennoch – weil die von der Stadt zuletzt erlassenen Infektionsschutzregeln für private Feiern in Räumen maximal 25 Personen zulassen.

Für das Paar ein Schlag in den Magen – vor allem, weil für öffentlichen Veranstaltungen andere Vorgaben gelten: „Auf der einen Seite sehe ich die Wirtshaus-Wiesn, bei der täglich Massen in die Wirtshäuser strömen, sich betrinken und dabei jeglichen An- wie Abstand vergessen“, heißt es in Gerls Brief an Münchens OB Dieter Reiter. „Auf der anderen Seite mich, einen Bräutigam, der nun ohne Hochzeitsfest, dafür aber mit Tausenden Euro Unkosten dasteht.“ Ihm sei „schlicht unverständlich, warum hier die Stadt mit zweierlei Maß misst“.

Wirtshaus-Wiesn und Hochzeitsfest - Stadt München und die Corona-Maßnahmen

Damit ist er nicht allein: Angesichts steigender Infektionszahlen hatte es von vielen Seiten lautstarke Kritik an der „Ersatz-Wiesn“ gegeben – insbesondere in sozialen Medien.

Doch die Stadt könne die Aktion nicht einfach absagen, betont Reiter auf Hallo-Anfrage: „Die Wirtshaus-Wiesn ist weder eine städtische noch eine genehmigungspflichtige Veranstaltung.“

Von städtischer Seite könnte die Wirtshaus-Wiesn nur dann beendet werden, wenn Regelungen für die gesamte Gastronomie beschlossen würden. Momentan ziehe die Stadt aber nicht mal eine Verlängerung der Sperrzeiten in Betracht (siehe unten)

Eine Gästebegrenzung für Privatfeiern habe man laut Reiter beschlossen, „weil es Beispiele dafür gibt, dass gerade große Familienfeiern ein erhöhtes Infektionsrisiko darstellen.“

Verspätete Trauungen

Nicht nur viele Hochzeitsfeiern sind wegen der Corona-Pandemie verschoben worden, sondern auch Trauungen: „In den Monaten März bis Juni wurden bei den Münchner Standesämtern circa 15 bis 20 Prozent – das heißt etwa 230 Trauungen – der bereits terminierten Eheschließungen von den Paaren selbst abgesagt und auf die Monate Juli bis September verschoben“, teilt KVR-Sprecher Johannes Mayer auf Hallo-Anfrage mit.

„In das Jahr 2021 wurde bis dato nur eine Trauung verschoben“, so Mayer weiter. Immerhin: Eine endgültige Absage einer geplanten Eheschließung gab es laut KVR bislang nicht.

Corona-Winter in München: So gehts für Wirte weiter

Mit den steigenden Infektionszahlen wird auch die Sorge wieder größer, wie Münchens Gastronomie durch den Corona-­Winter kommt. Vorerst vom Tisch ist eine Verlängerung der Sperrzeiten. Das bestätigte Oberbürgermeister Dieter Reiter gegenüber Hallo.

Der Grund: Die Stadt wolle zuerst „die Wirksamkeit der in dieser Woche getroffenen Maßnahmen abwarten“.

In Sachen Freischankflächen will die Stadt Münchens Wirten entgegenkommen. Am Dienstag, 29. September, wird im Kreisverwaltungsausschuss darüber diskutiert, die Freischankflächen über den Winter zu verlängern. Die Zustimmung dafür gilt als sicher. Laut Medienberichten plant das KVR zudem gegebenenfalls auch Überdachungen und emissionsfreie Heizpilze zu ermöglichen.

Ein Heizstrahler steht im Außenbereich eines Restaurants.

Die Fraktion von „Die Linke“ und „Die Partei“ hat beantragt, dass Stadt und Gastronomen ein Winter-Konzept erarbeiten, etwa zu Plexiglas­scheiben oder Lüftung.

Die CSU will die Sondernutzung für Straßen so ändern, dass Schanigärten auch für Glühweinstandl oder Ähnliches genutzt werden können.

mjh/rea

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