Hilfsangebote am Limit

Lockdown-Bilanz zum Tag gegen Gewalt an Frauen – Warnhinweise, Anlaufstellen, Lösungsansätze

Gewalt hat viele Gesichter – welche, das erklärt der Podcast vom Verein Siaf.
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Gewalt hat viele Gesichter – welche, das erklärt der Podcast vom Verein Siaf.

In Zeiten von Corona nimmt häusliche Gewalt gegen Frauen zu. Aktionstag startet am 25. November. Wo es Warnhinweise, Anlaufstellen und Lösungsansätze gibt.

  • Häusliche Gewalt nimmt in Zeiten von Corona zu
  • Aktionswochen gegen Gewalt an Frauen starten
  • Was Nachbarn bei Verdacht auf Gewalt tun können und wo es Anlaufstellen gibt

Geschrei, lautes Weinen, Türen knallen – ist das häusliche Gewalt in der Nachbarwohnung? Wie man diese erkennt, wohin man sich wenden kann, auch darum geht es bei den Aktionswochen zum Tag gegen Gewalt an Frauen. Seit 60 Jahren wird der weltweite Aktionstag am 25. November begangen – heuer ist er wichtiger denn je.

Unter dem Titel “Gewalt kommt nicht in die Tüte”, einer Aktion vom Verein „One Billion Rising München“, engagieren sich verschiedene Münchner Akteure wie die Bäcker-Innung und die Bahnhofsmission, um mit Brottüten und Flyern auf Hilfsangebote aufmerksam zu machen.

Gewalt gegen Frauen hat besonders im Lockdown zugenommen

„Die Inanspruchnahme ist sehr gestiegen“, erklärt Maike Bublitz vom Frauennotruf. Seit dem Lockdown im Frühjahr ist die Beratungsstelle für sexuelle Gewalt am Limit, kann weniger Beratungs- und Therapiestunden pro Fall anbieten. Ein Studie der TU München stellte fest: Rund drei Prozent der Frauen in Deutschland wurden in der Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen zu Hause Opfer körperlicher Gewalt.

Roswitha Zirngibl vom Verein Siaf, der sich für Frauenrechte, Gleichberechtigung und Gleichstellung einsetzt, erklärt: „Mit den Frauen, mit denen wir schon in Kontakt standen, war der Austausch intensiver.“ Die Beraterinnen seien dazu übergangen, selbst bei den Frauen anzurufen, wie die Lage ist.

Roswitha Zirngibl

Die Frauenhilfe musste ihr niederschwelliges offenes Beratungsangebot einstellen. „Wir haben versucht, die größere Aufmerksamkeit für das Thema zu nutzen, um auf unsere Hilfsangebote aufmerksam zu machen“, erklärt Geschäftsführerin Lydia Dietrich.

Anzeichen von Gewalt - Nachbarn müssen auf Bauchgefühl hören

Am Mittwoch, 25. November, wird die zentrale Veranstaltung der Aktionswochen aus dem Rathaus gestreamt (www.muenchen.de/gst). Das Thema: Strategien gegen Antifeminismus und Frauenhass. Für Zirngibl steht fest: „Das Thema muss präsenter und regelmäßig diskutiert werden.“

Und was können Nachbarn tun? Das hänge vom Kontakt ab, erklärt Zirngibl: „Wenn ich die Nachbarn gut kenne, kann ich im Gespräch Vertrauen aufbauen, meinen eigenen Eindruck schildern.“ Wenn die Situation hörbär eskaliert, sollte man die Polizei rufen. „Man sollte wachsam und mutig sein, auf sein Bauchgefühl hören.“        

Ansatz: Täterberatung

Ein Ansatz, um häusliche Gewalt zu verhindern, ist die Täterberatung. Durch Selbstreflexion des Täterverhaltens sollen Kompetenzen zur Kommunikation und Konfliktlösung entwickelt werden. Das Ziel: den Gewaltkreislauf zu durchbrechen. Weitere Infos unter www.maennerzentrum.de und www.bag-taeterarbeit.de.

Dreiteiliger Podcast

Der Verein Siaf hat einen dreiteiligen Podcast entwickelt, der am 24., 25. und 26. November auf www.siaf.de läuft. Der erste Teil erörtert Ursachen und Konsequenzen. Teil 2 erklärt, wo man Hilfe bekommt. Die Beauftragte für Kriminalitätsopfer der Münchner Polizei erklärt was passiert, wenn man die Polizei ruft, auch um Hemmschwellen abzubauen. Im dritten Teil wird die Zeit des Lockdowns betrachtet. 

Hilfe Hotlines

• Frauenhilfe: rund um die Uhr telefonisch erreichbar unter 35 48 30, online unter: frauenhilfe-muenchen.de

• Frauennotruf: erreichbar Montag, Dienstag, Donnerstag von 10-13 und 15-18 Uhr, Mittwoch 10-13 Uhr, Freitag 10-15 Uhr sowie täglich von 18-21 Uhr: 76 37 37, online unter: frauennotruf-muenchen.de

• Bundesweite Hotline: täglich 24 Stunden erreichbar: 08000 11 60 16, online unter: hilfetelefon.de

• Beratungstelefon Kommissariat 105: erreichbar Montag bis Freitag: 8-11 Uhr, Montag bis Donnerstag: 13-15 Uhr: 29 10 44 44

• Siaf: Terminvereinbarung Dienstag, Mittwoch, Donnerstag 10-12 Uhr sowie Mittwoch 14-16 Uhr: 458 02 50, online unter: siaf.de

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