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Von Nationalsozialisten ermordet: München gedenkt jüdischer Familie Levi mit Erinnerungszeichen

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Von: Jonas Hönle

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Eine Person hält eine weiße Rose und ein Grablicht.
Eine Person hält eine weiße Rose und ein Grablicht. © Inga Kjer/dpa

Mit einem Erinnerungszeichen in der Tengstraße 32 in München gedenkt die Stadt München der von Nationalsozialisten in Kaunas ermordeten jüdischen Familie Levi.

Die Stadt München gedenkt mit einem Erinnerungszeichen in der Tengstraße 32 der jüdischen Familie Levi.

Sofie und August Levi sowie ihre drei Kinder Heinz, Johanna Helene und Lore wurden im November 1941 von München nach Kaunas deportiert und dort von der SS ermordet. Die jüngste Tochter Lore war erst sechs Jahre alt. Die jüdische Familie hatte zu Kriegsbeginn ihre Heimat im Saarland verlassen und in München getrennt leben müssen, die kleine Lore zuletzt in einem Kinderheim.

Tengstraße 32 in München: Erinnerungszeichen für von Nationalsozialisten ermordete jüdische Familie Levi

Bei der Übergabe der Erinnerungszeichen am 20. Oktober sprechen unter anderem Stadträtin Nimet Gökmenoğlu (Fraktion Die Grünen – Rosa Liste) in Vertetung über Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. h.c. Charlotte Knobloch. Ehrenamtliche der Erinnerungswerkstatt München e. V. lesen bei der Veranstaltung aus Briefen von Sofie Levi an ihre Verwandten in den USA.

Biographie der Familie Levi

August Levi kam 1884 in Saarwellingen zur Welt. Anfang 1922 heiratete er Sofie Marx, die 1893 in Weinsheim geboren worden war. Das Paar zog 1925 nach Saarlouis, wo 1922 Heinz, 1923 Johanna Helene, genannt Hannele, und schließlich 1935 Lore zur Welt kamen.

In diesem Jahr begann nach dem Anschluss des Saargebiets an das Deutsche Reich der wirtschaftliche Niedergang der Familie. Sie musste ab September 1935 Haus und Grundstücke weit unter Wert verkaufen. Mit Kriegsausbruch wurde das Saargebiet zur Sperrzone erklärt, die Familie Levi musste ihre Heimat verlassen und zog – jeder nur mit einem Handköfferchen – nach München.

Dort war sie auf die Unterstützung der jüdischen Gemeinde angewiesen. Die Familie musste sich trennen: Die Eltern bezogen ein Zimmer in der Tengstraße 32, Heinz lebte in einem jüdischen Lehrlingsheim, Johanna lernte im Antonienheim, einem Kinderheim der Israelitischen Jugendhilfe, und musste ab August 1941 Zwangsarbeit in der Flachsröste Lohhof leisten und im dortigen Lager leben. Die Familie des Rechtsanwaltes Hans Bloch nahm die jüngste Tochter Lore in Pflege und kümmerte sich liebevoll um sie. Ab August 1940 war Lore im Antonienheim untergebracht.

Ende 1937 hatte Sofie Levi Verwandte in den USA flehentlich um Hilfe zur Auswanderung gebeten. Trotz der Unterstützung ihrer Cousine und des Rechtsanwalts Bloch gelang die Emigration nicht, da die Familie Levi nahezu mittellos war. Sie musste Anfang September 1940 in die Lindwurmstraße 19 umziehen – nun war Heinz Levi wieder bei seinen Eltern.

Am 20. November 1941 deportierte die Gestapo August und Sofie Levi mit ihren Kindern Heinz, Johanna und Lore zusammen mit knapp tausend anderen Jüdinnen und Juden nach Kaunas, wo die SS sie am 25. November 1941 ermordete.

Zum internationalen Holocaust-Gedenktag veröffentlichte das Münchner Stadtarchiv eine Online-Karte, auf der alle Erinnerungszeichen der Stadt einsehbar sind.

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