Pazifismus im Polizei-Look

In München fährt jetzt das erste Friedensfahrzeug – wer dahinter steckt und wie die Aktion funktioniert

Dieser VW-Bus als Friedensfahrzeug foliert erregt in Pasing-Obermenzing Aufmerksamkeit.
+
Dieser VW-Bus als Friedensfahrzeug foliert erregt in Pasing-Obermenzing Aufmerksamkeit.

Blau, silbern, leuchtend steht der VW-Bus in München am Straßenrand. Wer auf die Polizei tippt, täuscht sich aber. Denn es ist das erste Friedensfahrzeug Bayerns im „Einsatz“.

  • In München sorgt ein Friedensfahrzeug für Aufsehen.
  • Die Ähnlichkeit mit einem Polizei-Einsatzwagen ist erlaubt.
  • Was es mit der Aktion auf sich hat...

Bundesweit sind bereits 58 im Polizei-Look folierte Fahrzeuge unterwegs „auch ein BMW-Motorrad, ein Trike und ein Wohnwagen“, sagt Silke Volgmann, Initiatorin der Aktion. Seit September ist jetzt das erste in Bayern unterwegs – in München. Doch was steckt hinter den Fahrzeugen?

Die selbstständige Werbetechnikerin kam 2017 auf die Idee, ihr eigenes Auto zum Friedensfahrzeug umzugestalten. „Es wird zu wenig über Frieden geredet. Viele vergessen nach den Nachrichten gleich die Botschaften über Krieg und Tote wieder.“ Bei Demos für den Frieden werde man oft diffamiert, als Hippie abgestempelt, Flugblätter landen im Mülleimer.

„Bei den Friedensfahrzeugen ist es anders“, sagt Silke Volgmann. „Diese Autos sind Hingucker und Multiplikator. Der Austausch ist enorm, man spricht miteinander. Die Menschen beschäftigen sich damit, denken über Frieden nach.“

Der Schriftzug Peace, der dem auf einem Polizei-Einsatzwagen ähnelt, ist so erlaubt, weiß Volgmann: „Es ist alles zulässig, da die Folie nicht reflektiert.“

Friedensfahrzeug - Ähnlichkeit mit einem Polizei-Einsatzwagen stellt kein Problem dar

Die Münchner Polizei stimmt zu: „Solange keine Sondersignalanlagen unrechtmäßig verbaut sind und die Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung eingehalten werden, gibt es bei der optischen Gestaltung von Kraftfahrzeugen keine rechtlichen Beschränkungen“. Auch vor Verwechslung hat das Präsidium keine Angst, so ein Sprecher: „Wir bewerten das nicht und ob es bei den Schriftzügen „Peace“ oder „Polizei“ eine Verwechslungsgefahr gibt, ist nach unserer Einschätzung fraglich.“

Selbst ist Volgmann, auf deren Homepage der Slogan „Frieden muss sexy werden“ steht, zweimal von der Polizei auf der Autobahn rausgezogen worden: „Sie waren sehr freundlich und interessiert.“

Die Verwandlung zu einem Friedensfahrzeug in 7 Stunden

„Jeder Fahrzeugtyp ist geeignet, sofern die Grundfarbe nicht absolut aus dem Rahmen fällt. Silber, weiß, schwarz und rot funktionieren“, erklärt Volgmann.

Weil es immer mehr Menschen gibt, die mit einem Friedensfahrzeug auf den Frieden aufmerksam machen wollen, haben Silke Volgmann und ihr Mann einen Ehrencodex entworfen, den Interessierte unterschreiben sollen. Das Fahrzeug soll neutral bleiben und nicht mit weiteren Aufklebern ergänzt werden und eine angemessene und rücksichtsvolle Fahrweise, sollte selbstredend sein.

„Jemand, der kommt, weil er glaubt, er könne sich mit diesem Fahrzeug profilieren und sein Ego aufmotzen“, kommt für Silke und Christian Volgmann nicht in Frage. Schließlich trage man eine Verantwortung. „Es ist ja Werbung für den Frieden.“

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Bund und Länder beschließen harte Corona-Maßnahmen - Viele Regeln erinnern an den ersten Lockdown im Frühjahr
Bund und Länder beschließen harte Corona-Maßnahmen - Viele Regeln erinnern an den ersten Lockdown im Frühjahr
Söder will keinen Lockdown wie im Frühjahr - Bayern beschließt Impfstrategie und Hilfe für Künstler
Söder will keinen Lockdown wie im Frühjahr - Bayern beschließt Impfstrategie und Hilfe für Künstler
Corona-Test in München und Landkreis – Wo man sich in der Stadt testen lassen kann
Corona-Test in München und Landkreis – Wo man sich in der Stadt testen lassen kann
Schluss mit Corona-Mythen und Halbwahrheiten – Der große Experten-Check
Schluss mit Corona-Mythen und Halbwahrheiten – Der große Experten-Check

Kommentare