Weibliche Wirtschaft

Frauenquote für Dax-Unternehmen beschlossen – Was das für Münchner Konzerne bedeutet

Bei 16 Münchner Unternehmen muss die Leitung in Zukunft weiblicher werden – etwa bei MTU Aeoro Enginge, dem Halbleiterhersteller Infineon und dem Chemie Unternehmen Wacker.
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Bei 16 Münchner Unternehmen muss die Leitung in Zukunft weiblicher werden – etwa bei MTU Aeoro Enginge, dem Halbleiterhersteller Infineon und dem Chemie Unternehmen Wacker.

Die Frauenquote für DAX-Unternehmen wurde durchgesetzt. Dies betrifft auch einige Münchner Unternehmen. Nicht alle sind gleichermaßen mit der Entscheidung zufrieden.

  • Bundeskabinett hat über Frauenquote entschieden
  • Auch für Münchner Unternehmen kommt es jetzt zu Veränerungen
  • Nicht alle Firmen gleichermaßen zufrieden

Die Frauenquote soll kommen – das hat das Bundeskabinett Mitte dieser Woche entschieden. Vorgesehen ist, dass in börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen mit einem mindestens dreiköpfigen, rein männlichen Vorstand Frauen bei Neubesetzungen zum Zuge kommen müssen. Einer Auswertung der Organisaion „Frauen in die Aufsichtsräte“ betrifft das deutschlandweit gut die Hälfte der 160 Dax-Unternehmen. Darunter sind – zumindest noch – 16 mit Sitz in München Stadt und Land.

Auch bei Wacker wird die Frauenquote Pflicht.

Bei Wacker Chemie stehen die Zeichen bereits auf Wandel: Ab Mai wird mit Angela Wörl dort auch eine Frau zum vierköpfigen Vorstandsteam gehören. „Bis jetzt waren alle Posten besetzt und es stand kein Wechsel an. Das ist in diesem Jahr nun der Fall“, erklärt Sprecher Christof Bachmair den Grund. Wörl leitet bisher die Personalabteilung von Wacker und soll als Arbeitsdirektorin in den Vorstand berufen werden.

Frauenquote in Unternehmen: Nicht alle Firmen zufrieden

Bei Infineo sieht man eine verpflichtende Frauenquote noch kritisch.

Noch nicht ganz so konkret sind die Pläne beim Halbleiterhersteller Infinion. Das Neubiberger Unternehmen habe sich zum Ziel gesetzt, „mittelfristig einen Frauenanteil von 20 Prozent zu erreichen“, so Sprecherin Diana Kaaserer. Warum es bisher keine Frauen an der Spitze gibt, erklärt sie mit der Branche, in der Infineon tätig ist. „Der Großteil der Funktionen in unserem Unternehmen ist sehr technisch. Beispielsweise hat der Studiengang Elek­trotechnik aktuell weniger als 15 Prozent Absolventinnen in Deutschland.“

Ähnlich argumentiert der Münchner Triebwerkshersteller MTU Aero Engines, der die gesetzliche Quote als „erheblichen Eingriff in die Entscheidungsfreiheit von Unternehmen“ sieht, so Sprecher Eckhard Zange. Gleichwohl: Bereits 2017 hat der Konzern das Ziel ausgegeben, dass innerhalb von fünf Jahren ein Viertel des Vorstands weiblich sein soll. Passiert ist bisher nichts. Auch die Frauenquote greift nur bei Nachbesetzungen: Ein „baldiger Austritt“ im MTU-Vorstand stehe aber nicht an, so Zange.

Strukturen von Männern geprägt

Inga Fischer ist Vorsitzende des Münchner Vereins für Fraueninteressen.

„Es gibt zig Studien, die zeigen, dass gemischte Teams bessere Arbeit leisten und die Innovationskraft steigern. Trotzdem wehren sich Unternehmen mit aller Macht gegen Veränderungen“, sagt Inga Fischer, Vorsitzende des Münchner Vereins für Fraueninteressen. „Das hängt mit sehr männlichen Machtstrukturen in Deutschland zusammen.“

Vor über 20 Jahren war Fischer selbst in Führungsverantwortung – bei einem amerikanischen Konzern. Mit der Geburt ihrer Kinder ist sie aber „in die Familienrolle gedrängt worden“ – bis sie 2008 über den Kurs „Neuer Start“ des Fraueninteressen-Vereins wieder ins Berufsleben fand.

Auch wenn die Frauenquote jetzt eine Grundlage für mehr Gleichberechtigung schaffe, so Fischer, wäre es ebenso wichtig, Kinderbetreuung auszubauen und für flexible Arbeitszeiten zu sorgen. „Die Frage ist: Reicht eine Frau in einem Unternehmensvorstand wirklich, um neue Arbeitsbedingungen umzusetzen?“

Ähnlich sieht das auch Mariane Pontone, Vorsitzende des Business and Professional Women Vereins: „Die Einführung der Frauenquote für börsennotierte Unternehmen ist ein guter Schritt in die richtige Richtung und ein positives Signal für die Gleichstellung, denn wir haben gesehen, dass sich ohne gesetzliche Vorgaben nichts ändert. Aber es reicht noch lange nicht, um ein richtiger Kulturwandel in den Unternehmen zu erzielen.“

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