Harte Zeiten für Helfer

Stiftung plant trotz Corona das erste teilstationäre Kinder-Hospiz Münchens in Obermenzing

Die Stiftung Ambulantes Kinderhospiz ist zum Großteil auf Spenden angewiesen.
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Die Stiftung Ambulantes Kinderhospiz ist zum Großteil auf Spenden angewiesen.

Die Stiftung AKM verliert wegen Corona Krise massiv an Spenden und kämpft mit Problemen. Dennoch wird das erste teilstationäre Kinderhospiz in München geplant. 

„Das ist ein Tanz auf dem Vulkan“, sagt Christine Bronner (58), Gründerin der Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München (AKM) mit Sitz in der Blutenburgstraße in Neuhausen. Sie beschreibt damit, unter welch schwierigen Bedingungen die Mitarbeiter des Beratungs- und Betreuungszentrums für Familien mit schwerst- oder unheilbar kranken Kindern und Jugendlichen seit Monaten ihre Aufgaben erfüllen.

„Wir können den Kontakt nicht abreißen lassen und müssen gleichzeitig die Infektionsrisiken minimieren.“ Dazu hat die Stiftung in IT-Technik, Personal und Schutzausrüstung investiert, während parallel – Corona-bedingt – Spendeneinnahmen in Höhe von rund 300 000 Euro weggebrochen sind.

Christine Bronner (58)

Für den BA Neuhausen-Nymphenburg Anlass genug, die Bürger um eine „Weihnachtsspende“ zugunsten der Hospizarbeit zu bitten. „Zum ersten Mal in 16 Jahren Ambulantes Kinderhospiz München fahren wir nur noch auf Sicht“, betont Bronner und erklärt: „Dieses Jahr sind über 70 Veranstaltungen und Märkte ausgefallen, bei denen wir sonst Spenden generiert hätten.“

Stiftung in der Krise: Durch Corona fallen Spenden weg

Allein beim eigenen Sommerfest oder der Weihnachtsfeier des FC Bayern Basketball, der Stiftungspate ist, wären erfahrungsgemäß jeweils fünfstellige Geldsummen zusammengekommen. Außerdem würden solche Anlässe weitere potentielle Förderer und Spender ansprechen. Und auf deren Hilfe ist die Stiftung angewiesen. Denn ihre Leistungen werden aktuell zu zwei Dritteln aus Spenden finanziert. Angebote wie die Krisenambulanzen und Angehörigenberatungsdienste seien bisher nur dank Spendengeldern möglich.

Der Beratungsbedarf hat im zu Ende gehenden Jahr dabei eher noch zugenommen. „Der emotionale Druck, Ängste und Einsamkeit sind durch Corona deutlich größer geworden. Die Familien trauen sich nicht mehr raus, um ihre schwerstkranken Kinder nicht noch zusätzlich in Gefahr zu bringen“, berichtet die 58-Jährige.

Sie hat das ambulante Kinderhospiz aufgrund persönlicher Betroffenheit und Erfahrung 2004 zusammen mit ihrem Mann Florian Bronner gegründet. Heute umfasst das AKM-Team rund 100 haupt- und 300 ehrenamtliche Mitarbeiter.
Diese haben im Jahr 2020 an die 500 Familien in München sowie in Teilen von Ober- und Niederbayern betreut. Zusammen mit dem sozialen Umfeld und dem medizinischen Netzwerk sind das 10 000 bis 15 000 Kontaktpersonen.

Trotz Krise: Bau des ersten teilstationären Kinderhospizes geplant

Gleichzeitig ist Christine Bronner trotz schwieriger Rahmenbedingungen in diesem Jahr einem Traum einen Schritt näher gekommen: dem Bau des ersten teilstationären Kinderhospizes in München.

Dafür wurde nach Jahren der Standortsuche ein Grundstück an der Verdi­straße 42 - 44 erworben. Geplant sind acht Plätze mit einer Kombination aus Tages- sowie Tag- und Nacht-Betreuung für extreme Fälle. Als Beispiel nennt Bronner eine alleinerziehende Mutter mit einem totkranken Kind und mehreren Geschwisterkindern. „Die Frau muss sich auch mal um die anderen Kinder kümmern können oder womöglich sogar für ein paar Stunden arbeiten gehen“, erläutert die 58-Jährige.

Wann mit dem Bau begonnen werden kann, ist aber noch völlig offen. „Alles konzentriert sich im Moment darauf, die ambulante Versorgung unserer Familien aufrechtzuerhalten und so auszubauen, dass auch Covid-Fälle betreut und beraten werden können“, sagt Bronner.

Dazu will auch der Neuhauser BA beitragen. Dessen aktueller Spendenaufruf umfasst neben dem AKM (www.kinderhospiz-muenchen.de) das Johannes-Hospiz (www.barmherzige-johanneshospiz.de) des Ordens der Barmherzigen Brüder an der Notburgastraße. Auch dort – wie bei vielen weiteren Stiftungen und Sozialeinrichtungen – fehlen Spenden, weil Benefizaktionen wegen Corona ausgefallen sind.  

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