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Jemand, der zuhört, eine Stimme, die spricht: Projekt aus München startet bundesweit durch

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Von: Marie-Julie Hlawica

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Schirmherr Wepper und Schirmherrin May engagieren sich für Telefonengel und deren Paten.
Schirmherr Wepper und Schirmherrin May engagieren sich für Telefonengel und deren Paten. © Retla

Um der Einsamkeit durch Lockdowns und Isolation entgegenzuwirken, wurde die Initiative „Retla“ gegründet. Hallo stellt das Projekt vor:

MÜNCHEN Die Einsamkeit traf im Covid-Lockdown besonders alte und alleinstehende Menschen hart: Seniorentreffs und Kultureinrichtungen waren geschlossen, der Ratsch mit Nachbarn, sogar ein Arztbesuch kaum möglich. Viele haben sich da jemanden gewünscht, der sie aus dieser unfreiwilligen Isolation holt, mit ihnen spricht.

„Diese Betroffenen haben keine Lobby, viele schämen sich, offen zu sagen: Ja, ich fühle mich einsam“, weiß die Münchnerin Judith Prem (55) die beschloss, mit einer Idee aktiv zu werden. „Man kann diese älteren Menschen aus der Isolation holen. Mit einem Telefonat zum Beispiel.“ Die langjährige Mitarbeiterin der BR-Sternstunden hat viel Erfahrung: „Ein netter Anruf gibt in schwierigen Situationen Kraft und Unterstützung.“ Kurzerhand gründete sie vor zwei Jahren den Verein Retla, suchte nach Freiwilligen, die sich regelmäßig als Telefonpaten engagieren können.

Telefonengel als Zuhörer: Retla vermittelt Zuhörer und Bedürftige

Retla – so liest sich das Wort Alter rückwärts – ist seitdem ständig gewachsen, heute arbeiten deutschlandweit rund 900 Menschen ehrenamtlich als Telefonengel. Prem freut sich: „Diese Idee kommt beiden Seiten zugute. Mit den Patenschaften werden einsame Menschen erreicht und Personen, die sich engagieren wollen, können dies mit dem Griff zum Hörer tun.“

Dabei ist ihr der Datenschutz wichtig: „Wir wollen keine Enkeltrickbetrüger auf den Plan rufen. Es gibt außer der Telefonnummer im Kontakt keine Adressenbekanntgabe oder weitere Details über die Senioren.“ Dazu fallen keine Kosten an: „Nur die ganz normalen Rufgebühren werden fällig, die der Telefonengel übernimmt.“

Der Verein wird vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege sowie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt unterstützt: „Aber wir sind auch auf private Spenden angewiesen.“ Denn mittlerweile arbeiten zwei Vollzeitkräfte für Retla, auch zwei studentische Hilfskräfte sind aktiv. Mit Coaching-Erfahrung spüren die Mitarbeiter, welche Telefonpartner zusammenpassen.

Telefonengel als Zuhörer: Aktuell steigt der Bedarf wieder

„Wir vermitteln so lange, bis wir erfolgreich Patenschaften gefunden haben, sich Anrufer und Angerufene gut verstehen“, betont die Vereinsgründerin. So sagen sich manche Telefon-Paare seit ihrem ersten Gespräch täglich guten Morgen und gute Nacht, einige sprechen sich einmal pro Woche ausführlich und wieder andere kommentieren via Telefon die Bundesligaspiele. Jetzt, im grauen Herbst, steigt der Bedarf an Telefonengeln wieder an, sagt Prem.

Die Schirmherrschaft für Retla haben übrigens die beiden Münchner Schauspieler Elmar Wepper (78) und Michaela May (70) übernommen. Sie werden übrigens am 6. und 13. Dezember am Engel-Telefon sein. 

Wer sich selbst als „Engel“ bei Retla engagieren will, schreibt per E-Mail an info@retla.org. Wer einen Telefonengel braucht, ruft 18 91 00 26 an.

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