Erst drei Jahre später fertig

Kostenexplosion bei Sanierung des Deutschen Museum - Vergleiche mit Elbphilharmonie werden laut

Die komplette Fertigstellung des Deutsches Museum wird sich um weitere drei Jahre verschieben.
+
Die komplette Fertigstellung des Deutsches Museum wird sich um weitere drei Jahre verschieben.

Die Sanierung des Deutschen Museum in München verschlingt weitere 300 Millionen. Und in Corona-Zeiten ist das nicht die einzige finanzielle Sorge des Museums.

  • Die Sanierung des Deutschen Museum wird teurer als geplant.
  • Die Corona-Pandemie bring zusätzliche finanzielle Sorgen.
  • Auch die Fertigstellung wird sich um weitere drei Jahre verschieben.

Deutsches Museum bekommt 300 Millionen Euro mehr für Sanierung

Update: 01. November


Jetzt ist es offiziell: Das Deutsche Museum in München bekommt für seine Sanierung 300 Millionen Euro mehr von Bund und Freistaat Bayern.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) und Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) besiegelten die Zahlung am Freitag, wie das Wissenschaftsministerium in München mitteilte. Dass 300 zusätzliche Millionen benötigt werden, war bereits vor einem Jahr bekannt geworden.

Deutsches Museum in der Kritik wegen Kostenexplosion

Erst vor wenigen Tagen hatte der Bund der Steuerzahler die Kostenexplosion bei der Renovierung des besucherstärksten Museums in Deutschland kritisiert. Denn das Technikmuseum in München sollte ursprünglich für 400 Millionen Euro saniert und modernisiert werden.

Im vergangenen Jahr beliefen sich die Kosten schon auf 595 Millionen, und inzwischen ist man bei 745 Millionen.

Die Kosten rücken damit gefährlich nahe an die rund 800 Millionen, die der Steuerzahler für die Elbphilharmonie rausrücken musste, die inzwischen sinnbildlich für Kostenexplosionen bei Kulturbauten steht. Und im Gegensatz zum Deutschen Museum wurde die nicht saniert, sondern komplett neu gebaut.

Maria Ritch, Vizepräsidentin des Landesverbands Bayern im Bund der Steuerzahler, sagte: „Nicht nur die Kosten sind aus dem Ruder gelaufen. Auch der bisherige Zeitplan ist nicht mehr einzuhalten.“ Statt zum 100. Gründungstag 2025 werde die Wiedereröffnung des sanierten Museums jetzt im Jahr 2028 anvisiert.

„Die öffentliche Hand ist nach wie vor nicht in der Lage, öffentliche Projekte im vorgegebenen Kostenrahmen sowie auch im vorgegebenen Zeitrahmen durchzuführen“, sagte Ritch.

Verschärfte Regeln in München - Deutsches Museum leidet unter Corona-Krise

Nicht nur die immer teurer werdende Sanierung ist für das Museum ein Problem - fehlende Einbußen durch die Corona-Krise und die am Montag beginnende erneute Schließung sind es auch.

„Die Schließung ist für uns als bestbesuchtes Museum Deutschlands einschneidend“, sagt der Generaldirektor des Deutschen Museums, Wolfgang M. Heckl. „Wir haben ohnehin schon erhebliche Einnahmeverluste durch die erste Schließung im Frühjahr zu verkraften, und in den Herbstferien besuchen uns normalerweise viele Familien, für die es mir jetzt sehr leidtut.“

Weil ausgerechnet Allerheiligen am 1. November einer der wenigen Feiertage ist, an denen das Museum geschlossen bleibt, geht es schon einen Tag früher als vorgeschrieben in den November-Lockdown.

------------------------------------------

Sanierung des Deutschen Museums dauert länger als geplant – dafür nimmt neue Ausstellung Gestalt an

Erstmeldung: 14. Juli 2020

München – Es hätte so perfekt sein können. 2025 sollte die Generalsanierung des Deutschen Museums abgeschlossen sein – genau im Jahr des hundertjährigen Bestehens. Dass sich die Kosten dafür von 445 Millionen Euro auf 745 Millionen Euro erhöhen werden, stand bereits länger fest. 

Jetzt wurde bekannt: Auch der Termin kann nicht gehalten werden, die komplette Fertigstellung wird sich um weitere drei Jahre verschieben. 

Auf Gründe für die Verzögerung ging Generaldirektor Wolfgang Heckl bei einem Pressetermin nicht genauer ein – nannte lediglich leichte Verzögerungen durch die Covid-19-Pandemie. Doch bereits in der Vergangenheit war immer wieder auf die Schwierigkeiten einer Sanierung im denkmalgeschützten Bestand hingewiesen worden. 

Schon Ende 2021 sollen die Besucher durch einen ersten Teil des renovierten Deutschen Museums schlendern können. Zu sehen sind dann unter anderem eine Bauernhütte (Museumsdirektor Wolfgang Heckl).

Aber es gibt auch etwas Positives

Die gute Nachricht: Auf Neuheiten im Deutschen Museum müssen Besucher nicht mehr so lange warten. Schon Ende 2021 ist der erste Modernisierungsabschnitt fertig. Dann werden 21 Dauerausstellungen und über 8000 neue Exponate der Öffentlichkeit präsentiert. 

Themen wie „Landwirtschaft & Ernährung“ gehören dann zum Programm. Dazu zählt die AusstellungIdylle und Wirklichkeit“, die eine Gegenüberstellung von romantischen Scheinbildern und dem realen, beschwerlichen Alltag im Agrarwesen beinhaltet. 

So wurde bereits eine komplette Almhütte aus dem Jahr 1830 aufgebaut. Auch ein imposanter Elektroschrott-Tornado befindet sich gerade im Bau.

Sanierung des Deutschen Museums – Hallo war auf Fototour – So schaut es drinnen aus

Bauarbeiter stehen vor dem Deutschen Museum, das gerade saniert wird.
Bauarbeiter stehen vor dem Deutschen Museum, das gerade saniert wird. © S. Zwick
Hier wird einen neue Ausstellung „Idylle und Wirklichkeit“ aufgebaut.
Hier wird einen neue Ausstellung „Idylle und Wirklichkeit“ aufgebaut. © S. Zwick
Die Almhütte steht schon.
Die Almhütte steht schon. © S. Zwick
Generaldirektor Heckl vor der Almhütte.
Generaldirektor Heckl vor der Almhütte. © S. Zwick
Für eine andere Ausstellung wird ein Mülltornado aufgebaut.
Für eine andere Ausstellung wird ein Mülltornado aufgebaut. © S. Zwick
Noch herrscht Chaos bei den Vorbereitungen der Austellung.
Noch herrscht Chaos bei den Vorbereitungen der Austellung. © S. Zwick
Der Mülltornado besteht auch aus Elektroschrott.
Der Mülltornado besteht auch aus Elektroschrott. © S. Zwick
In einer Ausstellung werden alte Brauanlagen gezeigt-
In einer Ausstellung werden alte Brauanlagen gezeigt- © S. Zwick
Hallo München Praktikant Sebastian Zwick vor der Almhütte
Hallo München Praktikant Sebastian Zwick vor der Almhütte © S. Zwick

Das könnte Sie auch interessieren: Halbzeit-Bilanz – Exclusive Einblicke bei der Großbaustelle Deutsches Museum

Dieser soll unter Verwendung von alten Fernsehern, Staubsaugern bis hin zu Zahnbürsten auf die Problematik der globalen Müllproduktion hinweisen. Interessierte können sich zudem auf Bild-Schrift-Code-Verschlüsselungen, historische Luftfahrtzeuge und ein neues Kinderreich freuen.

Auswirkungen der Corona-Krise

Die Sanierung und Modernisierung des Museums findet bei laufendem Betrieb anderer Teilbereiche statt. Aufgrund der Corona-Krise gilt aktuell eine Obergrenze von 2000 Personen, die sich gleichzeitig im Museum aufhalten dürfen. 

Aber: Diese Obergrenze wurde bisher noch nie erreicht – das Maximum waren bisher 1500 Personen. Man rechnet heuer mit nur 400 000 Besuchern – also rund 60 Prozent weniger als im Vorjahr. Schon zum jetzigen Zeitpunkt habe man dadurch Minder­einnahmen von 1,9 Millionen Euro, so Direktor Wolfgang Heckl.

S. Zwick

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Söder verteidigt die neuen Corona-Regeln in Bayern ‒ Freistaat fordert Steuerentlastung für Unternehmen
Söder verteidigt die neuen Corona-Regeln in Bayern ‒ Freistaat fordert Steuerentlastung für Unternehmen
Corona-Test in München und Landkreis – Wo man sich in der Stadt testen lassen kann
Corona-Test in München und Landkreis – Wo man sich in der Stadt testen lassen kann
München: 18-Jähriger verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug - Rettungseinsatz mit einer Schwerverletzten
München: 18-Jähriger verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug - Rettungseinsatz mit einer Schwerverletzten
Verstöße gegen Corona-Regeln in München: Mehrere Feiern am Wochenende von der Polizei gesprengt
Verstöße gegen Corona-Regeln in München: Mehrere Feiern am Wochenende von der Polizei gesprengt

Kommentare