Pläne für Stammstrecke, MVV, Radwege und City-Maut

2021: Autos Ade? - Das bringt das neue Jahr in Sachen Mobilität in München

Bis 2025 soll das Zentrum frei vom motorisierten Individualverkehr sein.
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Bis 2025 soll das Zentrum frei vom motorisierten Individualverkehr sein.

Was sich in der Mobilität in München im kommenden Jahr ändern wird. Wie die Pläne der MVV sind und wie es mit der zweiten Stammstrecke weitergeht...

Während die City Maut noch in weiter Ferne scheint (siehe unten), rückt die autofreie Altstadt näher. Bis 2025 soll das Zentrum frei vom motorisierten Individualverkehr sein. Damit geht eine ÖPNV-Offensive einher, für die verschiedene Anträge eingebracht wurden, die ab 2021 umgesetzt werden könnten.

Einen massiven Ausbau des Tramnetzes hat die Rathauskoalition gefordert. 15 Millionen Euro werden für Machbarkeitsstudien zu sechs neuen Trassen aufgewandt:

  • 1) eine direkte Tramverbindung vom Hauptbahnhof in den Münchner Norden zur Erschließung der Bayernkaserne und der SEM Nord.
  • 2) eine Tram vom Deutschen Museum nach Ramersdorf-Neuperlach,
  • 3) eine Südtangente, die beide Isar-Seiten zwischen dem Waldfriedhof und dem Ostbahnhof miteinander verbindet,
  • 4) eine Linie von der Kreillerstraße über die Wasserburger Landstraße nach Haar,
  • 5) eine Tram in die Parkstadt Solln und
  • 6) eine Linie zur Erschließung des Gebiets der SEM Nordost.

Fünf Millionen Euro für City-Busse mit Elektroantrieb für die Altstadt gibt die Stadt aus. Fahren sollen sie laut SPD/Grünen-Antrag ab dem Fahrplanwechsel im Jahr 2022.

Mit 15 Millionen Euro sollen Mobilitätsstationen weiterentwickelt werden. Dort sollen nach den Plänen der Rathauskoalition CarSharing, BikeSharing und Angebote wie Elektro-Roller oder Pedelecs gebündelt werden.

Fünf Millionen Euro werden dafür ausgegeben, Park&Ride-Angebote kundenfreundlicher auszurichten: Kombi-Tickets für Parken und die öffentlichen Verkehrsmittel sollen auf Antrag von Rot-Grün möglich werden.

Ein 365-Euro-Ticket fordern CSU, ÖDP, Freie Wähler und Linke. Die MVG warnt aber bereits vor einem „Fass ohne Boden“.

„individuell mobil #2021“

Unter dem Motto „individuell mobil #2021“ bündeln FDP und Bayernpartei ihre Vorschläge zur Verkehrspolitik im nächsten Jahr. Darunter: eine digitale Verkehrssteuerung, die Routenauswahl, Auswahl des schnellsten oder nachhaltigsten Verkehrsmittels, Reisezeit in Echtzeit und mehr ermöglichen soll.

Ferner fordert die Fraktion dichtere Takte – etwa auf der U4 und der U6 Richtung Garching. Das System Anwohnerparkausweise habe hingegen ausgedient: Parkplätze sollen digital gebucht werden können. Handyparken soll auch für P&R-Parkplätze möglich werden.

Geht es nach FDP und Bayernpartei, werden im nächsten Jahr ein Probebetrieb für eine Nacht-U-Bahn eingerichtet und Initiativen zum autonomen Fahren diskutiert. Denn: „Hier verschläft München völlig den Trend“, so die Stadtratsfraktion.

Zweite Stammstrecke: Pläne für 2021

Es geht unter Leitung von Kai Kruschinski voran: Während die Außenhüllen der neuen S-Bahn-Stationen am Hauptbahnhof und am Marienhof nahezu fertig sind, wird im Frühjahr am Bahnhof Laim der Interimsaufzug seinen Betrieb aufnehmen.

Kai Kruschinski leitet die Arbeiten rund um die zweite Stammstrecke.

Im Sommer soll die Stabbogenbrücke, über welche die Gleise der Zweiten Stammstrecke in Richtung Tunnelportal an der Donnersbergerbrücke geführt werden, fertiggestellt werden. Am Hauptbahnhof und am Marienhof, wo neue Tunnelstationen für die Zweite Stammstrecke entstehen, enden in Kürze die Spezialtiefbauarbeiten.

Danach sollen bis Herbst Brunnenarbeiten für die Bauwasserhaltung folgen, dann starten die Erdarbeiten unterhalb eines Deckels. Im Ostabschnitt soll ab Herbst der Bau des neuen elektronischen Stellwerks am Ostbahnhof beginnen. Die Inbetriebnahme ist für 2023 geplant.

Am Hauptbahnhof und am Marienhof, wo neue Tunnelstationen für die Zweite Stammstrecke entstehen, enden in Kürze die Spezialtiefbauarbeiten.

Das sind die Vorhaben des MVV 

2021 wird der Verbundraum des MVV größer – zumindest in der Theorie: „Im Frühjahr 2021 wird Studie zur Verbundraumerweiterung des MVV abgeschlossen und den jeweiligen Landkreisen und Städten vorgestellt“, gibt der MVV auf Hallo-Anfrage bekannt. „Im Sommer starten dann die Erhebungen zur Verbund­raumerweiterung.“

Darüber hinaus arbeitet der MVV an einem Pilotprojekt zu „On-­Demand-Verkehren“ im südlichen Landkreis München. Mit dem formalen Ausschreibungsprozess soll nach Zustimmung aller Gremien des Landkreises Anfang 2021 gestartet werden. Tatsächlich nutzen könne man das technisch und tariflich voll in den MVV integrierte Angebot voraussichtlich ab Herbst 2022.

Ein weiterer Meilenstein, den der MVV 2021 erreichen will, ist die Weiterentwicklung des im Oktober gestarteten Pilotprojekts zum ­eTarif. „Zum zweiten Pilotjahr wird es hier umfassende Neuerungen geben.“ Daneben arbeite man weiter an der Verbesserung und Ausweitung der MVV-Fahrgastinformationssysteme.

Bei allen Neuerungen – die großen Ziele bleiben zunächst dieselben: „die Region von der übergreifenden, stark zunehmenden Mobilität zu entlasten; die Verkehrs- und Klimawende trotz Wirtschafts- und Finanzkrise engagiert weiter voranzutreiben“.

Pop-Up-Radwege kommen wieder

Derzeit sind die temporären Radwege, die im vergangenen Jahr errichtet wurden, zurückgebaut. Das Projekt wird evaluiert. Doch sie dürften zurückkehren – vielleicht sogar für immer.

Für die Rosenheimer Straße, Elisenstraße, Theresienstraße (zwei Abschnitte) und Gabelsbergerstraße sollen bis April 2021 erneut Markierungsvorschläge ähnlich den temporären Pop-up-Radwegen ausgearbeitet und umgesetzt werden. Danach soll geprüft werden, ob diese zu dauerhaften Radstrecken werden können.

Vom Stadtrat beschlossen sind bauliche Radwege bereits für die Streckenabschnitte Rosenheimer Straße zwischen Lilienstraße und Am Lilienberg sowie Zweibrückenstraße zwischen Erhardt-/Steinsdorfstraße und Rumford-/Thierschstraße. Während der Bauzeit wird die Radverkehrsführung im Umfeld der Ludwigsbrücken an die jeweiligen Bauphasen angepasst.

Pop-Up-Radwege kehren wieder zurück - vielleicht sogar für immer.

Streiks ab April?

Im November einigten sich Gewerkschaften und Arbeitgeber beim Tarifstreik – auf eine Zwischenlösung, die bis April 2021 gilt. Damit herrscht „Friedenspflicht“, danach könnte es wieder zu Streiks im ÖPNV kommen.

Denn: Zufrieden ist mit der Zwischenlösung keine der beiden Seiten. Werner Albrecht, Verhandlungsführer in Bayern und Personalchef bei SWM und MVG:

„Die Arbeitgeber haben dem jetzt vereinbarten Vorgehen zugestimmt, um den Tarifkonflikt von der derzeitigen Hochphase der Pandemie zu entkoppeln und die rechtzeitige Auszahlung der steuerfreien Corona-Sonderprämie im Jahr 2020 zu ermöglichen. Allerdings wird der Spielraum für Verhandlungen im Frühjahr 2021 nicht größer sein.“

Das fordern Fahrgastverbände

Hallo hat beim Fahrgastverband Pro Bahn München nachgehakt, was die dringendsten Anliegen für 2021 sind. Pro-Bahn-Sprecher Andreas Barth: „Expressbusse und eigene Spuren können sofort den Öffentlichen Verkehr (ÖV) verbessern. Auch bei Baustellen muss der ÖV weiter fahren anstelle ausgebremst zu werden. Helfen würde auch die Anti-Stau-Pauschale.“

Die neuen Tram-Routen müssten jetzt mit Hochdruck geplant, genehmigt und gebaut werden, damit die ersten 2025 eröffnet und die wichtigsten 2035 gebaut sind, wenn München klimaneutral sein will. „Mehr Abstellplätze für Bus und Tram sind nötig – und auch alle historischen Fahrzeuge brauchen ein Dach über dem Kopf und müssen vor der Verschrottung gerettet werden.“

Kommt die City Maut?

Forscher vom Ifo-Institut haben errechnet, dass eine Anti-­Stau-Gebühr von sechs Euro pro Tag den Verkehr innerhalb des Mittleren Ringes um 23 Prozent verringern könnte.

Der Vorschlag stößt auf Widerstand und Gefallen: Sozial ungerecht findet ihn der ADAC, für OB Dieter Reiter wäre die City Maut erst denkbar, wenn öffentliche Verkehrsmittel den Autoverkehr ausgleichen könnten, die Grünen halten die Idee im Prinzip für gut. Bei so viel Streitpotential: 2021 wird wohl nicht das Jahr der City Maut.

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