Kampf um Familienunternehmen

Reisebüro, Gastro & Co.: So hart trifft die Corona-Krise Münchner Unternehmer

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Münchner Unternehmer sind von der Corona-Krise schwer getroffen. Auch wenn ab Montag  manche Geschäfte wieder öffnen dürfen, bangen viele um ihre Existenz.

  • Ab Montag, 27. April, dürfen manche Geschäfte in Bayern wieder öffnen.
  • Die Corona-Krise trifft Unternehmer hart.
  • Wie Münchner um ihre Existenz kämpfen und wie man ihnen helfen kann.

Zum 27. April dürfen in Bayern Geschäfte bis 800 Quadratmeter Fläche wieder öffnen. Für viele Geschäfte eine erste kleine Erleichterung in der Corona-Krise. Doch es gibt auch Menschen, die weiter unter den Beschränkungen leiden. 

Einer der Betroffenen ist Martin Hopfensberger, Leiter des „Reisebüro Martin Hopfensberger eK“ in Feldmoching: „Für uns macht es kaum Sinn aufzumachen. Wer möchte denn schon zu Corona-Zeiten in den Urlaub fahren?“ 

Corona-Krise trifft Münchner Unternehmen hart

Der 36-Jährige leidet bereits seit Wochen unter der Pandemie: „Seit Mitte März wurden sämtliche Reisen durch die Veranstalter gestrichen. Diese Stornierungen führen dazu, dass wir die erhaltenen Provisionen zurückzahlen müssen.“ In Hopfensbergers Fall handelt es sich dabei um eine Summe von etwa 75 000 Euro. 

Reisebüroleiter Martin Hopfensberger.

Eine erste Hilfe bietet die Regierung: „Die 5000 Euro von Bayern haben wir bereits bekommen, auch die 4000 Euro vom Bund haben wir beantragt.“ Das sei jedoch nicht genug: „Das Geld muss bis zum 31. Oktober den Veranstaltern überwiesen werden. Dadurch droht uns womöglich die Insolvenz“, fürchtet der Reisebüroleiter. Aus diesem Grund hat er nun einen Spendenaufruf gestartet. „Auf Facebook habe ich mich an unsere Kunden und Freunde gewendet, da wir um unsere Existenz kämpfen. Jede Hilfe ist willkommen.“ 

Diese wird auch dringend benötigt, denn für den Sommer sieht Hopfensberger kaum Besserung: „Italien und Spanien fallen heuer als Reiseziele definitiv weg. Eventuell gibt es die Chance, im Sommer Reisen nach Griechenland anzubieten.“ Österreich könnte vielleicht schon früher als Urlaubsziel ansteuerbar sein: „Vielleicht kann man hier bereits Pfingsten wieder Urlaub machen“, hofft der 36-Jährige. 

Erste Unterstützung gibt es bereits: „Wir haben die Kampagne auf der Plattform betterplace.me gestartet und binnen zwölf Stunden über 4200 Euro an Spenden erhalten“, freut sich Hopfensberger. Bis zum Ziel ist es jedoch noch ein weiter Weg. Diesen will er aber gehen: „Ich möchte unter keinen Umständen unser seit 40 Jahren familiengeführtes Reisebüro verlieren.“

Benedikt Strobach

Rücklagen reichen noch zwei Wochen

Seit 35 Jahren arbeitet Stefan Laux als freischaffender Pianist. Er begleitet Sänger, komponiert Stücke, gibt Unterricht. Wie lange der Haidhauser aber seinem Beruf weiter nachgehen kann, ist unklar. Keine Konzerte, keine Klavierstunden. Und somit keine Einnahmen. 

Stefan Laux, freischaffender Pianist.

„Meine Rücklagen reichen noch für zwei Wochen“, klagt Laux. Und zählt auf: 15 000 Euro würden ihm bis inklusive Juli durch ausgefallene Konzerte entgehen. Der Unterricht spüle dem Musiker normalerweise monatlich noch einmal bis zu 2500 Euro in die Kasse. „Alleine mein Studio frisst monatlich 1800 Euro, dazu kommen laufende Kredite für Instrumente.“ 

Deshalb fordert Laux: „Auch wir Künstler brauchen Soforthilfe vom Staat wie Gastwirte und Geschäftsinhaber. Wie weit kommt man mit den 1000 Euro pro Monat, die uns Herr Söder zugesichert hat, bei den Mietpreisen und Lebenshaltungskosten wirklich?“ 

soph

Im Sommer könnte Schluss sein

Das Riffraff an der Tegernseer Landstraße: Sechzger-Treff, Giesinger Szenekneipe – so war es zumindest vor der Corona-Krise. „Ich weiß nicht, wie wir den Sommer überleben sollen“, sagt Betreiber Florian Falterer

Kein Umsatz, die Miete werde trotzdem fällig. Mit diesem Schicksal ist Falterer im Viertel nicht alleine: 25 Boazn, Cafés, Restaurants haben sich bisher bei „Lokal Support Giesing“ (www.lokalsupport- giesing.de) gemeldet. Dort können Münchner ihre hiesigen Lieblingslokale finanziell unterstützen. 

Riffraff-Betreiber Florian Falterer.

Wer mag, spendet fünf, zehn oder einfach – ganz in Giesinger Manier – 18,60 Euro. Falterer hat inzwischen genug Geld erhalten, um zumindest eine Monatsmiete für das Riffraff zahlen zu können. „Die Unterstützung hilft einem auch psychologisch. Die Lage ist dramatisch, ich war kurz vor einem seelischen Loch.“ 

soph

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