900 Infizierte unwissend

Panne bei Corona-Tests von Urlaubs-Rückkehrern: 44.000 warten noch auf ihr Ergebnis in Bayern

Während die Polizei in Zügen kontrolliert, ist das Corona-Testzentrum am Münchner Hauptbahnhof in der Hand der Johanniter.
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Während die Polizei in Zügen kontrolliert, ist das Corona-Testzentrum am Münchner Hauptbahnhof in der Hand der Johanniter.

Der Zeitverzug bei Corona-Tests in Bayern hat deutlich dramatischere Ausmaße als bisher bekannt. Gesundheitsministerin räumt ein, dass es in den letzten Wochen große Probleme bei der Zuordnung der Testergebnisse von Reiserückkehrern gegeben habe...

  • Gesundheitsministerin räumtCorona-Test-Panne in Bayern ein.
  • 44.000 Test-Ergebnisse von Reiserückkehrern stehen aus.
  • Rotes Kreuz nimmt Stellung zu Befund-Chaos an den Teststationen.

Corona-Test-Chaos: 44 000 Reiserückkehrer warten nach Tests in Bayern noch auf das Ergebnis

München – Update, 13. August, 9.41 Uhr: Die Verzögerungen bei der Übermittlung von Corona-Testergebnissen in Bayern haben deutlich dramatischere Ausmaße als bisher bekannt: 44 000 Reiserückkehrer warten nach Tests in Bayern noch auf das Ergebnis, darunter auch 900 nachweislich positiv getestete

Die Infizierten sollten bis Donnerstagmittag ihr Ergebnis bekommen, sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Mittwoch in München. 

Der Zeitverzug ärgere sie „massiv“, sie bedauere das sehr. Es gebe eine „Übermittlungsproblematik“, „da gibt es nichts schönzureden“.

An den Autobahn-Raststationen und an Bahnhöfen seien bisher rund 60 000 Menschen aus ganz Deutschland getestet worden. Angaben, wie lange die Menschen bereits warten, konnte Huml nicht machen. Die Probleme habe es nicht an Flughäfen gegeben, wo zudem rund 25 000 Menschen getestet worden seien.

Zahl der Tests wurde unterschätzt

Der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Andreas Zapf, sprach von einer „Panne“. Diese sei auf Probleme bei der Eingabe per Hand von Daten zurückzuführen. 

Manche Formulare von Getesteten seien unvollständig oder schwer leserlich ausgefüllt, zudem müssen sie mit den Codes von Abstrichen abgeglichen werden.

Ein weiteres Problem: „Wir haben alle zusammen sicherlich den Fehler gemacht, dass die Zahl der Tests unterschätzt wurde“, sagte er. Die Zahl der Tests sei massiv gestiegen, das habe zu dieser Problematik geführt. 

Huml betonte, dass Rückkehrer ausRisikogebieten, die noch auf ihr Ergebnis warten, in Quarantäne bleiben müssen. Man habe keine Erkenntnisse, dass Ergebnisse verloren gegangen seien.

Wo sich Reiserückkehrer testen lassen können:

In Bayern können sich alle Reisenden seit dem 25. Juli bei der Ankunft an den Flughäfen München und Nürnberg freiwillig testen lassen, seit dem 30. Juli auch an den Hauptbahnhöfen München und Nürnberg sowie an den Autobahnraststätten Hochfelln-Nord (A8), Inntal-Ost (A93) und Donautal-Ost (A3). 

Anfang August wurde zudem ein Testzentrum am Flughafen Memmingen eingerichtet. Für Urlauber aus Risikogebieten greift seit Samstag bundesweit eine Testpflicht.

Zunächst hatten sich Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz um die Testzentren gekümmert. Diese Woche übernehmen Schritt für Schritt private Betreiber den Betrieb. Dann soll die Umsetzung überall digitalisiert werden.

Meisten Infizierten seien an der A3 bei Passau festgestellt worden

Wie viele der 900 positiv Getesteten aus Bayern und wie viele aus dem übrigen Bundesgebiet kommen, konnten Huml und Zapf nicht sagen. Huml verwies lediglich auf eine Stichprobe aus den vergangenen Wochen - da waren 40 Prozent der Tests von Menschen aus Bayern, die anderen 60 Prozent kamen aus dem übrigen Bundesgebiet. 

Die meisten Infizierten seien an der A3 bei Passau festgestellt worden, sagte Zapf. Genaue Zahlen nannte er nicht.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der dem Vernehmen nach schon öfter unzufrieden mit dem Corona-Krisenmanagement des Gesundheitsministeriums war, hatte nach einer Kabinettsschalte am Montag bereits verlangt, die Mängel schnell zu beheben. Und da waren die Ausmaße und die nun verkündeten Zahlen noch gar nicht bekannt.

Katrin Habenschaden zur aktuellen Corona-Test-Panne des Freistaats Bayern: 

„Die Test-Panne kann für das Infektionsgeschehen in München gravierende Auswirkungen haben. Ich habe deshalb am Donnerstagmorgen mit der städtischen Gesundheitsreferentin telefoniert und die Situation besprochen. 

Zu diesem Zeitpunkt lagen trotz Nachfrage der Stadt beim Freistaat die Befunde nicht vollständig vor. Ich habe deshalb unsere Gesundheitsreferentin gebeten, am Donnerstag nochmals Kontakt zum bayerischen Gesundheitsministerium aufzunehmen und auf die Ergebnisse für München zu pochen. 

Viele Menschen, die ihre Testergebnisse vom Freistaat nicht erhalten haben, suchen nun die städtische Teststation auf der Theresienwiese auf. Wir verdreifachen deshalb ab Freitag, 14. August, die Testkapazitäten auf 600 pro Tag, eine weitere Vergrößerung der Testkapazitäten soll nächste Woche erfolgen. 

Wir werden alles daran setzen, möglichst bald die Befunde zu erhalten, um dann die Infizierten verständigen zu können. Natürlich beginnt dann umgehend die Nachverfolgung der Kontaktpersonen.“

Befund-Chaos an den Teststationen: Stellungnahme des Bayerischen Roten Kreuzes

Die bayerischen Hilfsorganisationen wurden vom Freistaat Bayern beauftragt, innerhalb eines Tages fünf Teststationen (drei Rastanlagen, zwei Hauptbahnhöfe) in Betrieb zu nehmen. 

Hierbei orientierten sich die Hilfsorganisationen strikt an den Vorgaben des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und der Gesundheitsämter vor Ort. 

Da das LGL sich nicht in der Lage gesehen hat, in dieser kurzen Zeit eine entsprechende Software zur Verfügung zu stellen, mussten die Reisenden händisch mit Formularen erfasst werden. Diese Formulare wurden vom LGL zur Verfügung gestellt.

Das Bayerische Rote Kreuz weist Vorwürfe oder Andeutungen zurück, die darauf schließen lassen, dass die Hilfsorganisationen eine (Teil-) Schuld an dieser Problematik haben. 

Zudem bedauert das BRK, dass hierdurch der äußerst kurzfristige und schweißtreibende Einsatz der Ehrenamtlichen aller bayerischen Hilfsorganisationen in ein negatives Licht gerückt wird.

Erstmeldung:

München – Die einen warten zum Teil wochenlang auf das Ergebnis ihres Corona-Tests. Die anderen ernten dafür den Ärger, obwohl sie ehrenamtlich unermüdlich im Einsatz sind. 

Der Frust bei Reiserückkehrern und Hilfsorganisationen ist immens, wenn es um die Ende Juli innerhalb von einem Tag eingerichteten Corona-Testzentren an Flughäfen, Bahnhöfen und Autobahnen geht. 

Auch, weil die Ehrenamtlichen deutlich länger gebraucht wurden als mit der Staatsregierung vereinbart. So hätte die Station am Münchner Hauptbahnhof seit Montag von der Firma Eurofins geleitet werden sollen. 

Tests am Hauptbahnhof erst ab Donnerstag durch Eurofins

Das konnte der Dienstleister aber nach BRK-Informationen nicht einhalten. Stattdessen hat das Bayerische Rote Kreuz (BRK) die Verantwortung an die Johanniter abgetreten. „Weil unsere Münchner Kollegen schlicht nicht mehr können“, erklärt BRK-Sprecher Sohrab Taheri-­Sohi. 

Die Johanniter halten jetzt auf Bitte der Staatsregierung bis Donnerstag, 13. August, die Stellung, eine Verlängerung komme aber nicht infrage. 

Der zeitliche Aufwand sei hoch, „so dass wir, nicht nur wegen der Ferienzeit an die Grenzen der ehrenamtlichen Ressourcen für einen längerfristigen Einsatz kommen“, sagt Johanniter-Sprecherin Carolin Mauz. 

Immerhin: Am Münchner Flughafen ist der Wechsel vom BRK zu einem Unternehmen – wenn auch ebenfalls verspätet – inzwischen erfolgt. Seit letzter Woche ist der Düsseldorfer Logistikdienstleister Ecolog „mit 75 Team-Mitgliedern vollzählig am Start“, so Firmensprecher Thomas Hüser. 

Fehlende Digitalisierung und Personalmangel

Ganz ohne Hilfsorganisationen kommt man dennoch nicht aus – weil Ecolog in München nicht so schnell qualifiziertes Personal rekrutieren konnte wie gedacht. „Wir arbeiten nun mit starken regionalen Partnern wie den Maltesern zusammen“, sagt Hüser. 

„Für die Anlaufschwierigkeiten entschuldigen wir uns.“ Jetzt könnten am Flughafen täglich 2000 Tests abgewickelt werden. In Kürze will Ecolog jetzt auch eine Autobahn-Teststation nahe München übernehmen. 

Personalprobleme sind nicht der einzige Grund, warum Corona- Testergebnisse von Reisenden zuletzt lange auf sich warten ließen. Bisher wurden Kontaktdaten der Getesteten nur handschriftlich erfasst – Zahlendreher und Probleme mit der Lesbarkeit inklusive. 

Ärger um fehlende Testergebnisse

Ab sofort nimmt eine Software die Daten digital auf. Schuld der Ehrenamtlichen sei das Daten-Debakel allerdings nicht, betonen sowohl Ecolog als auch das BRK. „Rückblickend denken wir, dass der Staat für eine Idee – wie die Testung von Reiserückkehrern – auch die Infrastruktur stellen muss und das nicht auf dem Rücken der Ehrenamtlichen ausgetragen werden sollte“, so BRK-Sprecher Taheri-­Sohi. 

Schließlich sei der Ärger um fehlende Testergebnisse am Ende auf die Hilfsorganisation zurückgefallen und habe deren Reputation geschadet. Aus den Corona-Testungen ganz zurückziehen werde sich das BRK aber nicht. 

„Wenn Not da ist, werden wir sicher wieder im Einsatz sein.“ Ein neues Tätigkeitsfeld zeichnet sich ohnehin bereits ab: Am Montag hat Ministerpräsident Markus Söder die Errichtung von 100 bayerischen Testzentren angekündigt.

rea/dpa/fb

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