Über 500 Jahre Reinheitsgebot

"Tag des deutschen Bieres" während Corona – Keine Feier und Krise für die Brauer

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Keine Feier zum Tag des deutschen Bieres.

Zum "Tag des deutschen Bieres" ist wegen Corona niemanden zum feiern zumute. Die Krise trifft die Bierbrauer in einer Zeit, in der der Absatz sowieso sank.

  • Am 23. April 1516 wurde das Reinheitsgebot in Bayern erlassen.
  • Die Feier zum „Tag des Deutschen Bieres“ fällt wegen Corona aus.
  • Die Krise trifft die Bierbrauer in einer Zeit des sowieso sinkenden Absatzes.

Biergärten haben zu, das Oktoberfest ist abgesagt und auch private Grillfeiern im Freundeskreis sind wegen Corona untersagt und werden von der Polizei kontrolliert. Die aktuelle Krise trifft die deutschen Bierbrauer hart. Vor allem da der Bierkonsum seit langem sinkt.

Den krassen Einschnitt in das Biergeschäft merkt man auch am heutigen „Tag des Deutschen Bieres“. Der Ausschank von Freibier am Bierbrunnen in München, mit dem bayerische Brauer den Erlass des Reinheitsgebotes feiern, fällt aus. Das Reinheitsgebot des Bieres wurde am 23. April 1516 von Herzog Wilhelm IV. von Bayern verfügt. Es gilt als das weltweit älteste Lebensmittelgesetz der Welt und schreibt vor, dass nur Wasser, Hopfen und Malz ins Bier dürfen.

Hunderte Besucher wurden zur Feier zum „Tag des Deutschen Bieres“ erwartet. Nicht machbar in der aktuellen Corona-Lage in München und Bayern.

Corona-Krise trifft die Bierbrauer hart

„Dramatisch“ sei die Lage, sagt Hans-Peter Drexler, Braumeister und Geschäftsführer Technik bei Schneider Weisse in Kelheim. Der Absatz sei um etwa 40 Prozent eingebrochen. „Was uns momentan massiv trifft, ist, dass die Gastronomie zu ist - und es keinerlei Perspektive gibt, wie lange das noch geht.“ Das gesamte Fassbiergeschäft sei weggebrochen. „Es ist gleich null.“

Bei Hofbräu München heißt es: „Wir füllen im Moment gar nicht mehr ab.“ Nicht nur die Gastronomie, die beim Staatlichen Hofbräuhaus laut Sprecher Stefan Hempl etwa 60 Prozent des Absatzes ausmacht, ist weg, sondern großenteils auch der Export. „Italien und die USA sind unsere größten Exportländer.“

Und das Hofbräuhaus als „internationales Aushängeschild“ ist dicht. Um Pächter der Gastronomie zu entlasten, habe die Brauerei umgestellt auf Umsatzpacht - wo kein Umsatz, da keine Pacht. Zahlungen würden gestundet, wo immer möglich, so Hempl.

Dabei litt die Branche schon vor der Corona-Krise. Im vergangenen Jahr verkauften die Brauereien in Deutschland so wenig Bier wie seit Jahren nicht. Mit einem Absatz von 9,22 Milliarden Litern wurde nach Zahlen des Statistischen Bundesamts der bisherige Minusrekord von 9,35 Milliarden Litern im Jahr 2017 unterboten.

Gesunder Lebensstil, strengere Promillewerte im Straßenverkehr und eine schrumpfende Gruppe trink- und feierfreudiger 20- bis 40-Jähriger tragen dazu bei. Dafür legen in der Steuerstatistik nicht erfasste alkoholfreie Biere zu. Ende Januar zeigte sich der Brauer-Bund noch optimistisch, das Jahr damit und mit neuen Marken zu bestehen.

In Bayern gilt Bier als Grundnahrungsmittel – Diese Bier-Sorten trinken die Münchner am liebsten.

Alkoholfreies Bier erlebt seit Jahren einen Aufwärtstrend 

Der Marktanteil an der gesamten Produktion stieg laut Deutschem Brauer-Bund im vergangenen Jahr in Deutschland auf rund 7,3 Prozent. 2010 waren es noch 3,8 Prozent.

Der Deutsche Brauer-Bund rechnet damit, dass der Marktanteil von alkoholfreiem Bier weiter zunehmen wird. 

Der Brauer-Bund erwartet, dass sich der Absatz des alkoholfreien Bieres weiter erhöhen wird - auf einen Anteil von künftig zehn Prozent, so Sprecher Marc-Oliver Huhnholz.

Aber heißt alkoholfrei eigentlich tatsächlich ohne Alkohol? 

Das ist hierzulande nicht eindeutig geregelt. Der Branchenverband orientiert sich an der Weinverordnung: Diese legt fest, dass Weine als alkoholfrei gelten, wenn sie weniger als 0,5 Prozent Alkohol enthalten. Dementsprechend wird auch Bier als alkoholfrei verkauft, wenn der Alkoholanteil unter diesem Wert liegt.

dpa/jh

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