Oberstarzt Roman Wölfel über erste Erkenntnisse

Keine Antikörper nach Corona-Infektion? Münchner Bundeswehr-Institut erforscht Immunität 

Ob Corona-Patienten noch gegen das Virus immun sind, kann unter anderem mit Antikörpertests ermittelt werden. 
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Ob Corona-Patienten noch gegen das Virus immun sind, kann unter anderem mit Antikörpertests ermittelt werden. 

Im Januar gab es die ersten Corona-Infizierten. In München testet ein Bundeswehr-Institut fortlaufend ihre Immunität - mit teils überraschenden Ergebnissen

  • Bundeswehr-Institut im Münchner Norden untersucht Immunität Hunderter Covid19-Genesener
  • Bei drei der ersten zehn Infizierten können keine Antikörper nachgewiesen werden
  • Neue Tests sollen ermitteln, ob Betroffene trotzdem noch gegen Coronavirus immun sind
  • Woran in München in Sachen Corona noch geforscht wird

München - Wie lange bleibt ein Covid19-Patient nach seiner Erkrankung immun? Diese Frage steht im Zentrum jeder Debatte um Impfungen und Immunitätsausweise. Einen Teil zur Beantwortung könnte dasBundeswehr-Institut für Mikrobiologie im Münchner Norden beitragen: Das 80-köpfige Team um Oberstarzt Roman Wölfel untersucht nicht nur Corona-Tests aus ganz Süddeutschland, sondern auch die Immunreaktion Genesener.

Institutsleiter Wölfel: "Schwierig, allgemeine Regel für Immunität abzuleiten"

„Wir haben Antikörpertests von mehreren Hundert Patienten“, sagt Institutsleiter Wölfel. Natürlich könne man derzeit nur Aussagen über maximal vier Monate treffen – so lange sind die ersten Infektionen beim Stockdorfer Autozulieferer Webasto her. 

Beim Autozulieferer Webasto in Stockdorf (Lkr. Starnberg) infizierten sich Ende Januar die ersten Deutschen mit dem Coronavirus.

„Aber selbst wenn es langfristigere Daten gäbe, wäre es schwierig, allgemeine Regeln etwa für einen Immunitätsausweis abzuleiten.“

Weniger Krankheitssymptome können mit schwächerer Immunantwort einhergehen

Was das Institut aber bereits sagen kann: „Bei manchen Menschen, die nur wenig Krankheitssymptome hatten, ist auch die Immun­antwort nicht so ausgeprägt.“ 

Oberstarzt Dr. Roman Wölfel leitet das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München.

So wie bei den zehn erkrankten Webasto-Mitarbeitern, die anfangs täglich, dann wöchentlich und inzwischen monatlich untersucht werden. „Bei zwei Patienten konnten wir jetzt keine Antikörper mehr nachweisen“, so Wölfel. Ein Abbau sei bei mit Sars-Cov-2 verwandten Erkältungsviren aber nicht ungewöhnlich.

Ein Corona-Patient hatte von Anfang an kaum Antikörper

„Es gibt aber auch einen Patienten, der von Beginn an kaum Antikörper hatte.“ Immun könnten dennoch alle zehn sein, denn auch Zellen kämpfen im Körper gegen Viren. 

Im Münchner Norden untersucht das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr Corona-Tests und auch die Immunantwort bereits genesener Infizierter.

„Anfangs haben wir nicht gedacht, dass die zelluläre Immunantwort so wichtig ist und nur auf Antikörper getestet“, erklärt Wölfel. Jetzt werde aber auch die Zellabwehr untersucht.

rea

Licht in die Corona-Dunkelziffer bringen

Knapp 6800 Münchner haben sich bisher offiziell mit dem Corona­virus infiziert. Wie weit es in der Bevölkerung tatsächlich verbreitet ist, untersucht seit April das Tropeninstitut München. Die Studie „Prospektive Covid-19 Kohorte München“ testet die Bewohner von 3000 zufällig ausgewählten Haushalten auf Corona-Antikörper

So kann ermittelt werden, wie viele Infizierte ohne Krankheitssymptome es gibt. Erste Ergebnisse will das Institut frühestens Ende Juni präsentieren. „Aktuell halten wir an unserer ursprünglichen Schätzung fest, dass die Infektionsrate im unteren einstelligen Prozentbereich liegt“, so Studienleiter Michael Hölscher.

Ebola-Medikament lässt hoffen

Acht deutsche Kliniken untersuchen die Wirkung des ursprünglich gegen Ebola entwickelten Medikaments Remdesivir auf Coronavirus-Patienten – darunter auch das Klinikum Schwabing. „Im Laufe des Juni werden erste Ergebnisse vorgestellt“, teilt eine Klinik-Sprecherin mit.

Das Klinikum Schwabing ist eine von acht deutschen Einrichtungen, die die Wirkung des Medikaments Remdesivir auf Corona-Patienten testet.

In den USA hätten ähnliche Studien gezeigt, dass Remdesivir die Behandlungsdauer verkürzen könne. „Im Prinzip bestätigt das unsere klinische Erfahrung, die wir bisher mit dem Medikament in Schwabing sammeln.“

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